Endlich raus aus der Torflaute – daran arbeitet Werder-Stürmer Nils Petersen im Training.
Wenn Werder heute im Trainingslager im Zillertal eintrifft, dann werden zwei Stürmer fehlen. Der eine, Joseph Akpala, hat noch Urlaub. Der andere soll erst später verpflichtet werden, wobei auch das noch nicht ganz sicher ist. Vielleicht ist es Alfred Finnbogason, vielleicht gar Lucas Barrios. Nils Petersen schwant, dass das auch an ihm liegt, dass Werder noch nach einem weiteren Angreifer fahndet. “Ein Stück weit habe ich durch meine Torflaute ja dazu beigetragen”, sagt Werders Stürmer Nummer eins. Er hatte in der letzten Saison bis zum Februar regelmäßig getroffen; ab dem Februar überhaupt nicht mehr. Er hat aber das Selbstvertrauen behalten, um zu sagen: “Ich bin überzeugt, ich pack’ das. Selbst wenn sie Barrios holen.” Er kennt diesen Reflex: Ins Mikrofon zu sagen, eigentlich bräuchte der Klub doch keinen weiteren Stürmer.
Aber Nils Petersen wäre nicht mehr er selbst, wenn er nicht wortreich den Reflex wegargumentieren würde. Ein neuer Mann im Angriff würde nicht nur der Mannschaft weiterhelfen können. Sondern eventuell auch ihm selbst. “Es gab ja auch Phasen, wo Top-Stürmer wie Ibisevic oder Huntelaar auf die Bank mussten”, sagt er, “denen hat diese Phase ganz gut getan.” Er selbst musste immer spielen. So eine heilsame Pause hätte er nie bekommen, weil sich die Mannschaft oft genug von alleine aufgestellt hätte. “Zu wissen, du spielst sowieso”, das sei auch nicht immer hilfreich.
Nils Petersen hat kein Problem damit, über seine Torflaute zu reden. Er gehört nicht zu den Profis, die alles in sich hineinfressen – und auch nicht zu denen, die sich überschätzen. Für ihn ist es keine Schande einzugestehen, dass es für den ganz großen Fußball nicht gereicht hat. Er schätzt das so ein: Er hat in Cottbus zweite Liga gespielt und war bei Bayern München, einem Klub von ganz oben. Jetzt in Bremen sei er in der Mitte von beidem. “Ich habe gemerkt, dass mir das ganz gut zu Gesicht steht”, sagt er.
Immerhin knapp drei Millionen Euro war es Werder wert, ihn fest zu verpflichten. Der zuletzt vom FC Bayern nur ausgeliehene 24-Jährige bekam einen Vertrag bis 2017. Werder bekam dafür einen Spieler, der sich außergewöhnlich stark mit Werder Bremen identifiziert. Er hatte sich sehr früh auf Werder festgelegt – und erleichterte damit auch dem Management etwas die Arbeit. Wegen Petersens frühem Bekenntnis hielten sich andere Interessenten weitgehend zurück.
Petersen ist froh, dass er nicht wieder umziehen muss nach nur einem Jahr in Bremen. Er kann sich nun allein darauf konzentrieren, endlich diese blöde Torflaute zu beenden. Er sagt sich, dass man so etwas mal mitgemacht haben muss als Stürmer. “Vielleicht muss ich auch mal ein ganz einfaches Tor machen jetzt”, sagt er, “wo ich nur angeschossen werde.” Am Freitag, beim 11:1-Sieg im Testspiel gegen den Bezirksligisten Firrel hatte er bewiesen, dass er immer noch weiß, wo das Tor steht. Petersen traf gleich fünfmal – fünf einfache Tore gegen einen Siebtligisten (wir berichteten). “Das wird ihm gut tun”, sagte Trainer Robin Dutt.
Das könnte ein neuer Anfang sein. Nils Petersen sieht sich immer noch als jungen Spieler. Als einen, der noch lange nicht fertig ist. Er will sich weiterentwickeln in Bremen. Er will ein Führungsspieler sein und Einfluss nehmen. Als jemand, der sich viel auseinandersetzt mit seiner Mannschaft, seinem Klub, denkt er auch darüber nach, was für einen Stürmertyp Werder im Fall des Falles denn holen sollte. “Wahrscheinlich ist Werder nicht scharf darauf, einen zu holen, der auch 1,90 Meter groß ist und neben mir spielt”, sagt er. Er sei ein Verfechter davon, variabel zu sein. Ein beweglicher Typ wie der Isländer Finnbogason wäre schon nicht schlecht.
Nils Petersen macht sich wirklich Gedanken. Es ist ja auch nicht so leicht, einen passenden wie preiswerten Mann zu finden. “Man kann ja nicht einfach ins Internet eingeben: Stürmer mit 1,60 Meter Größe, der nur drei Sekunden für 30 Meter braucht”, sagt er. Er will jetzt in Ruhe abwarten. Er ist da ganz entspannt, sagt er.