Stuv aus Heiligenhaus hält Sicherungsverwahrte hinter Gittern

Deutschland und seine Bundesländer sind Kunden bei Stuv. Auf der Einkaufsliste von Bund und Ländern steht eine Ware, die außer der Heiligenhauser Firma bundesweit nur zwei weitere Hersteller produzieren: Hochsicherheitsschlösser, die Mörder und Vergewaltiger hinter den Mauern von Gefängnissen und Sicherungsverwahrungen halten. Eine neu errichtete Sicherungsverwahrung in Straubing ließ kürzlich der Freistaat Bayern von Stuv ausbruchssicher verschließen.

340 Schlösser sollen die Gesellschaft vor den 84 Insassen schützen. Eine weitaus schwierigere Aufgabe als bei einem normalen Gefängnis, denn die Sicherungsverwahrten genießen einen gesetzlichen Anspruch auf nahezu hotelähnliche Annehmlichkeiten: Garten und Sportplatz gehören zur Grundausstattung des Außengeländes, im eigenen Apartment kann sich jeder Insasse in seiner persönlichen Einbauküche an den Herd stellen. „Die haben einen sehr viel höheren Komfort als in der JVA“, fasst Andreas Laudy zusammen, Marketing-Leiter bei Stuv.

Die persönliche Freiheit des Einzelnen endet abrupt. Fällt die 106 Kilogramm schwere Tür hinter dem Zellenbewohner ins Schloss, ist ihr anzuhören: Ohne Schlüssel führt kein Weg nach draußen. Allein das Schloss bringt zwischen anderthalb und drei Kilogramm auf die Waage; mehr Gewicht verspricht „mehr Stabilität“, sagt Laudy. So viel Stabilität, dass auch der schwerste Junge nicht dagegen ankommt: „Der Riegel hält einen Seitendruck von drei Tonnen aus.“

Drei Millionen Test-Schließvorgänge



So viel Sicherheit ist einiges an Tüftelei vorausgegangen: „Die Konstruktion des ersten Schlosses hat sich über vier, fünf Jahre hingezogen“, erinnert sich Peter Altenburg, laut Laudy „der Vater des Schlosses“. Danach war das Schloss noch lange nicht fertig: Drei Millionen mal geht es in der Entwicklung von Stuv auf und zu, auf und zu, auf und zu, bevor es für die Produktion freigegeben wird. „In einer JVA wird eine Tür 300 bis 400 mal pro Tag geöffnet“, erklärt Altenburg. Bis zu 146 000 Schließgänge pro Jahr muss jedes Schloss also überstehen.

Die Forschung an der Sicherheit ist für Stuv ein lukratives Geschäft. Zwischen 400 und 1500 Euro kostet ein Hochsicherheitsschloss, circa 200 JVAs in Deutschland, der Schweiz und Österreich hat Stuv seit 1960 mit Schlössern made in Heiligenhaus dingfest gemacht. Bundesweit würden etwa zwei neue Gefängnisse pro Jahr errichtet, schätzt Laudy. Bekommt Stuv beide Aufträge, bedeutet das die Fertigung von circa 4000 neuen Schlössern und ein Jahr Arbeit für die entsprechende Abteilung. Für Straubing hat die Heiligenhauser Firma leinen Betrag „im unteren sechsstelligen Bereich“ kassiert.

Nicht nur Gefängnisse bringt Stuv hinter Schloss und Riegel, auch Polizeistationen oder Gerichte zählen zu den Einsatzorten der sicherheitsrelevanten Ware.

In 30 Minuten ist ein Schloss eingebaut

Wird ein neuer Tatort bestückt, rücken Stuv-Mitarbeiter persönlich an. Vier Angestellte reisten kürzlich nach Straubing. Mitbringen mussten sie ein polizeiliches Führungszeugnis; Handy, Fotoapparat und Autoschlüssel mussten aus Sicherheitsgründen draußen bleiben. Einmal drinnen, geht die Arbeit schnell: „Der Einbau eines Schlosses dauert circa 30 Minuten“, schätzt Laudy. Ausbauen ist aber keine Ausbruchsmöglichkeit: „Dazu braucht man den Schlüssel.“

Laudy hat längst aufgehört zu zählen, wie oft er im Gefängnis war. Die nächste Dienstreise in den Knast steht schon an: Aktuell produziert Stuv Schlösser für eine neue Sicherungsverwahrung in Mecklenburg-Vorpommern und den Neubau einer Justizvollzugsanstalt in Bayern.

Monique de Cleur

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