Pagé verspricht EHC die Weltherrschaft

Vor einem Jahr war der EHC München ein bettelarmer Eishockeyverein, der für die Saisoneröffnungs-Pressekonferenz ein Budget von 30 Euro (= 30 Butterbrezen) zur Verfügung hatte. Der EHC 2013 nach der Komplettübernahme durch den österreichischen Getränkekonzern: um viele Nummern größer. Pierre Pagé stellte sich vor, der neue Cheftrainer. Ort der Präsentation: Hotel Bayerischer Hof in Münchens bester Lage, 7. Stock, Blick über die Dächer der Stadt, draußen auf der Terrasse im Sonnenschein die Schönen und Reichen. Mister Pagé wird hier in der Nähe wohnen („Vier Minuten weg“), er ist schon ganz berauscht von der Umgebung, die er „City of Champions“ nennt, und er sinniert: „München war immer ein schwieriges Projekt im Eishockey. Jetzt, mit Red Bull, ist alles möglich.“

Immerhin eines hat Pagé, der Kanadier, nach vielen Jahren in Europa (Berlin, Salzburg) kapiert: Man muss den Medien und den Menschen in Deutschland alles irgendwie in Fußball-Kategorien erklären. Darum: „Wer den FC Bayern und den FC Barcelona mag, wird auch den EHC München mögen.“ Man wolle ein Eishockey spielen, das die „Entsprechung zum Fußball zwischen Deutschland und Spanien“ wäre. Und: „Wir wollen in der Red Bull-Academy den Messi des Eishockeys entdecken und herausbringen.“

Pierre Pagé ist noch nicht am Ende seiner Ankündigungen: „Wir wollen im Münchner Eishockey eine Kultur der Unterhaltung und des Gewinnens etablieren. Was die Welt des Eishockeys in den nächsten Jahren betrifft, wird sich in München ereignen.“ Davon werde auch die deutsche Nationalmannschaft profitieren. „Wenn die Schweiz Vizeweltmeister werden kann, kann Deutschland das schon lange. Das deutsche Eishockey hat die Chance, besser denn je zu sein.“ Pierre Pagé hat gestern zu seinem Einstand also nicht weniger versprochen als: die Weltherrschaft.

Pagé weiß unendlich viel über Eishockey, er blickt auf eine illustre Vita mit Stationen in der NHL, als Meistermacher bei den Eisbären Berlin und in Salzburg. Er hat es verstanden, dort zu sein, wo das Geld ist. In Berlin das der US-amerikanischen Anschutz-Gruppe, die von 1999 bis 2002 auch den Standort München betrieb (Barons), die Stadt aber wieder verließ, und in Salzburg das von Red Bull-Alleinherrscher Didi Mateschitz. „Bei Red Bull“, sagt Pagé, „gibt es keine Grenzen.“ Doch die Ziele sollen nicht nur mit Wirtschaftskraft, sondern auch mit Konzeption erreicht werden. Pagé verweist auf Formel 1-Weltmeister Sebastian Vettel, „der mit zwölf Jahren zu Red Bull kam“. Und er selbst habe seine Ankündigungen in Berlin und Salzburg stets wahr werden lassen.

Die Eishockey-Akademie entsteht in Liefering bei Salzburg. Am Red Bull-Stammsitz haben die deutschen Spieler, die der EHC München unter Vertrag genommen hat, mit dem Fitnesstraining begonnen, ab 1. Juli steigen in München dann auch die Ausländer ein.

Vom alten EHC ist kaum noch was zu sehen. Manager Christian Winkler, bislang das bayerische Herzstück des Klubs, blieb am Rande der Pagé-Show fast nur übrig, zu verkünden, dass man keinen Kooperationsverein mehr haben werde (zuletzt Peiting). Pierre Pagé hat die Philosophie in München verändert. Zwar spricht er von „flachen Hierarchien, das verläuft bei Red Bull horizontal, nicht vertikal“, doch klar ist, dass er das Sagen hat: „Im Eishockey braucht es ein schnelles Ja oder Nein. Ich will nicht 92 sein, bis die Antwort da ist.“ Pagé ist 64.

Von Günter Klein

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