Der Papst aus Bayern: Landluft und Weihrauch

Denkt man an Joseph Ratzingers Herkunft, kommen einem Bilder von Marktl am Inn in den Sinn: Dort kommt er 1927 als Sohn eines Gendarmeriemeisters und einer Handwerkerstochter aus dem Chiemgau zur Welt. Der Marktl-Kult ist kein Wunder: Der Medienrummel nach der Wahl Benedikts XVI. drohte das Örtchen zu erdrücken und brachte so schöne Begriffe wie “Papsttorte”, “Papstbier” und “Papsthaus” hervor.

Kinderzeit in Tittmoning




In diesem Haus wurde der Papst am 16. April 1927 als Joseph Ratzinger geboren.

Letzteres wird nach geräuschvollen Verhandlungen mit entsprechendem Presseecho von der genervten Besitzerin für eine hohe Summe an eine Kirchenstiftung veräußert. Auch die bayerische Regierung unterstützt den Kauf finanziell.

Der Auslöser der Unruhe hat Marktl bereits verlassen, bevor er laufen lernt. Seine ersten bewussten Erinnerungen verbindet Joseph Ratzinger mit der Salzachstadt Tittmoning, wo die Familie im “Stubenrauchhaus” wohnt.

“Diese drei Jahre sind in meiner Erinnerung eine traumhafte Zeit. Einmal die kleine Stadt mit ihrem wunderbaren Stadtplatz, den schönen Kirchen, der Burg und der Wallfahrt, dann die Salzach und die Wanderungen bis hinüber nach Österreich. Hinzu kamen viele freundschaftliche Beziehungen zu Familien der Stadt.”

Ratzinger über Tittmoning

“Ich werde Kardinal”




Foto von 1935: Die dritte Klasse der Volksschule Aschau am Inn mit Joseph Ratzinger in der Mitte.

Mit drei Jahren kommt Joseph in den Kindergarten im ehemaligen Augustinerkloster. Als sich Michael Kardinal von Faulhaber 1931 in Tittmoning aufhält, um an einer Firmung teilzunehmen, besucht er auch den Kindergarten. Beeindruckt vom prachtvollen Ornat des Kirchenfürsten soll der kleine Joseph damals verkündet haben: “Ich werde auch einmal Kardinal.”

Landleben in Hufschlag – barocker Glanz in Altötting

Prägend sind auch die Wallfahrten der Familie nach Altötting. Im Geleitwort zum neuen Altötting-Führer schreibt Ratzinger, auf dem Altöttinger Kapellplatz hätten ihn als Kind ganz besonders die Geschäfte mit den Devotionalien gefesselt, “die wie lauter schöne Verheißungen vor mir standen, auch wenn der schmale Geldbeutel der Eltern kaum gestattete, viel davon zu kaufen”.

Wahre Heimat




Familie Ratzinger 1938: Vater Josef, Mutter Maria, sowie die Kinder Maria, Georg, Joseph (von rechts)

Stattdessen kauft der Vater für die zwischenzeitlich nach Aschau umgezogene Familie Anfang der 30er-Jahre ein Anwesen in Hufschlag nahe Traunstein. 1937 – nach der Pensionierung des Vaters – zieht die Familie dort ein. In seiner Biografie schreibt Joseph Ratzinger: “Hier haben wir nach vielem Wandern nun unsere wahre Heimat gefunden, in die mein Erinnern immer wieder dankbar zurückkehrt.” Das Haus, im Stile der Bauernhöfe im Salzburger Raum gebaut, bietet dem Buben die unvergessliche Aussicht auf die Traunsteiner Hausberge Hochfelln und Hochgern. Von 1937 bis 1951 lebt Joseph Ratzinger dort.

Studienseminar St. Michael

Von hieraus geht er zunächst auf das Traunsteiner Gymnasium, später dann auf das Studienseminar St. Michael. Diese Schule bietet die beste Vorbereitung auf den Priesterberuf. Joseph – schon in der Grundschule ein begabter Schüler – tut sich jetzt auch am Studienseminar hervor.

Kriegsende und Studienbeginn

Dann erreicht der Nationalsozialismus den 14-Jährigen: Er wird er mit seinem Jahrgang zur Hitlerjugend geschickt, später, mit 16, als Flakhelfer nach München eingezogen. Das Kriegsende erlebt er beim Reichsarbeitsdienst an der österreichisch-ungarischen Grenze. Im Kriegsgefangenenlager lernt er Günter Grass kennen, der mit ihm knobelt.

“Hitlerjunge” Ratzinger




Papst Benedikt als 16-jähriger Flakhelfer

In der britischen und US-amerikanischen Presse wurde nach Ratzingers Ernennung zum Papst das Thema “Hitlerjunge” hochgespielt. Das Archiv des Erzbistums dokumentierte mit einer Ausstellung, dass Joseph Ratzinger nicht freiwillig, sondern 1941 zwangsweise in die Hitler-Jugend (HJ) eingetreten sei. Denn seit 1939 war die HJ-Mitgliedschaft für alle 14- bis 18-Jährigen Pflicht. Das Traunsteiner Studienseminar St. Michael, an dem er auf den Priesterberuf vorbereitet wurde, war den nationalsozialistischen Machthabern vielmehr ein Dorn im Auge. Es musste unter Repressionen leiden.

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