Jürgen Klopp sorgte auf der Pressekonferenz vor dem DFB-Pokal-Auftritt in Saarbrücken für die übliche Unterhaltung, haderte als haushoher Favorit mit dem Krankenstand bei Borussia Dortmund und setzte wegen fehlender Rasenheizung auch auf sein Smartphone.
Jürgen Klopp will auf dem Weg ins Pokal-Endspiel nach Berlin “nichts dem Zufall überlassen”. Der Trainer von Borussia Dortmund lässt seine Mannschaft in den letzten beiden Einheiten extra “mit dem Ball trainieren, der am Dienstag zum Einsatz kommt”. Er hat den Gegner gegen die eigene 2. Mannschaft live begutachtet und die jüngsten drei Spiele auf Video ausgiebig analysiert. Und er hat – aus Angst vor Bodenfrost im Stadion ohne Rasenheizung – “auch mal in der Wetter-App nachgeschaut”.
Dabei spielt Klopps Team am Dienstag (20.30 Uhr im Live-Ticker) nicht gegen Bayern München oder Real Madrid. Der BVB ist im Achtelfinale des DFB-Pokals beim einzigen Drittligisten 1. FC Saarbrücken auf dem Papier der klarste aller Favoriten. Doch das fast schon fluchartig anmutende Verletzungspech lässt zumindest die kleine Sorge vor einer bösen Überraschung wachsen. Seine Mannschaft, so Klopp spöttisch, habe sich “auf ein Niveau runterverletzt, bei dem ein spannender Wettkampf herauskommt”.
Klopp: Kann keine Spieler schonen
Es gebe “einige Fragezeichen”, meldete der Coach, dem neben den vier Langzeitverletzten Ilkay Gündogan, Mats Hummels, Marcel Schmelzer und Neven Subotic sowie Marco Reus auch die vier angeschlagenen Stars Jakub Blaszczykowski, Sven Bender, Nuri Sahin und Robert Lewandowski fehlen könnten.
“Auch noch über Schonung von fitten Spielern nachzudenken, verbietet sich deshalb”, stellte Klopp klar. Obwohl mitten in den “Wochen der Wahrheit”, zwischen Bayern München und dem SSC Neapel im Rückspiegel sowie Bayer Leverkusen und Olympique Marseille vor der Brust so manch einem überspielten oder gerade erst genesenen Profi eine Auszeit guttäte.
“Wer glaubt, dass wir mit irgendeiner Elf weiterkommen, der verkennt die Situation”, mahnte Klopp, dem nicht entgangen ist, dass der im Liga-Alltag gegen den Abstieg kämpfende Außenseiter urplötzlich seine Chance wittert. “Nach der Auslosung vor zwei Monaten haben sie sicher gedacht: Geil, volles Stadion, keine Chance”, erklärte Klopp: “Jetzt denken sie sicher: Endgeil, volles Stadion, kleine Chance.”
Klopp: Endspiel das Ziel
Man sei “gewarnt”, betonte der 46-Jährige deshalb und schob weitere prägnante Ansagen hinterher, als stehe ein Knaller in der Champions League an. Man nehme “diesen Wettbewerb maximal ernst”, es werde “ein Kampf auf Biegen und Brechen”. Sein Fazit deshalb: “Wer ein Überlegenheitsgefühl ausspielen will, der tut sich richtig weh. Wir nehmen jeden Gegner brutal ernst und beschäftigen uns nicht mit Ligen-Zugehörigkeit.”
Aber der BVB liegt in der Liga sieben Punkte hinter den Bayern zurück und fühlt sich international noch nicht so weit, jedes Jahr von einem Final-Einzug in der Champions League auszugehen. Der nationale Pokal ist somit die wahrscheinlichste aller Titeloptionen. “Wir haben nicht so wahnsinnig viele Chancen, Titel zu holen”, erklärte Klopp: “Aber die wenigen, die wir haben, wollen wir nutzen.”
Es folgt die klare Kampf-Ansage, “dass wir ins Endspiel kommen wollen, keine Frage”. Die emotionale Erfahrung des triumphalen 5:2-Finalerfolgs gegen die Bayern 2012 will er dabei “mit ins Boot nehmen, weil es eine der außergewöhnlichsten Geschichten ist, die wir erlebt haben.” Und “denen, die damals nicht dabei waren, werden wir vor Augen führen, wie geil das war”.
Wie gesagt: Klopp überlässt nichts dem Zufall. Und zumindest eine gute Nachricht hat er schon erhalten. Von der Wetter-App. Bodenfrost ist im Saarland am Dienstag nicht gemeldet. “Ich bin froh”, sagte Klopp: “Dass wir das Problem schon mal nicht haben.”
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