Weiter mit Pep? Deshalb könnte Guardiola bei Bayern bleiben


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Ich könnte doch die Saison 2014/15 mit einem Blog darüber abzuschließen, so schlug mir Thomas Janz, Chefredakteur von Eurosport.de vor, welche Möglichkeiten Pep Guardiola hätte, wenn er seinen 2016 endenden Vertrag beim FC Bayern München bereits verlängern würde.

Eines sei gleich vorweg geschickt: Ich weiß nicht, ob es dazu kommt. Keine Ahnung, ob der Trainer darüber nachdenkt oder nicht, ob das ein Thema für ihn für die Ferien ist, oder auch erst für den kommenden Oktober. Was ich aber weiß, ist Folgendes:

1. Deutschland: Guardiola ist sehr glücklich in München. Er schätzt nicht nur die Stadt selbst, sondern auch deren Einwohner. Er fühlt sich geliebt und respektiert, und darüber hinaus mag er die Münchner Art extrem gerne. Vielmehr noch: Ihm gefallen die deutschen Tugenden im Allgemeinen. Die Ernsthaftigkeit in Bezug auf die Arbeit, die Genauigkeit, mit der eigentlich alles organisiert und angegangen wird, und nicht zuletzt die Leidenschaft für “des Deutschen liebstes Kind” – den Fußball.

2. Der Klub: Der 44-Jährige fühlt sich pudelwohl beim FC Bayern München. Auch in Anbetracht eines schweren Momentes für den Rekordmeister, der Verurteilung von Uli Hoeneß, strahlt der Klub eine gewisse Unerschütterlichkeit aus – in eigentlich allen Bereichen: Sozial, wirtschaftlich und sportlich. Die Verantwortlichen um Karl-Heinz Rummenigge haben ihm zu jeder Zeit vollste Unterstützung signalisiert.

3. Die Spieler: Mit seinen Schützlingen ist der katalanische Coach hochzufrieden. Mehr noch: Er hat regelrecht eine Passion für sie. Von außen betrachtet kann man sicherlich nicht alle Interna nachvollziehen, die in dieser Saison so passiert sind. Dabei beziehe ich mich vor allem auf die Verletzungsserie in dieser Saison und die Mühen, die die “verbliebenen” Spieler hatten, um das Mannschaftsgefüge aufrecht zu erhalten. Als Guardiola dann öffentlich einmal betonte, “diese Spieler werden für immer meine Helden“ seien, war das nicht einfach irgendein dahingesagter Satz, sondern der Ausdruck tiefster Bewunderung und Zuneigung für sie.

4. Die Verstärkungen: In Guardiolas zwei Spielzeiten beim FCB hat der Klub insgesamt rund 20 Millionen Euro investiert (Verpflichtungen abzüglich Einnahmen durch Verkäufe). Bei Borussia Dortmund waren das im selben Zeitraum 66 Millionen Euro, beim VfL Wolfsburg und Real Madrid 73 Millionen Euro, beim FC Barcelona sogar 175 Millionen Euro. In Sachen Gehalt liegt man europaweit an sechster Stelle und hat dabei unter den Top-Teams die geringsten Gehaltssteigerungen aufzuweisen. In seinen zwei Jahren an der Säbener Straße bat Guardiola um zwei Dinge: Er wünschte sich Thiago Alcántara, den der Klub auch prompt verpflichtete; allerdings hätte er Toni Kroos gerne gehalten, den der Verein wiederum ziehen ließ. Die Entscheidungen, inwieweit sich der Verein verstärkt oder weiterhin auf die Achse vertraut, die seit 2010 so erfolgreich aufspielte, liegt beim Verein selbst. Aber mittlerweile sind diese Schlüsselspieler eben fünf Jahre älter und bisweilen auch recht erschöpft, weil sie immer alle Wettbewerbe bestreiten mussten.

5. Die Champions League: Der Stachel der beiden Niederlagen im Halbfinale sitzt bei Guardiola tief. Für die erste Niederlage gegen Real Madrid hat er öffentlich die volle Verantwortung übernommen. In diesem Jahr gegen den FC Barcelona war die Niederlage vor allem den Ausfällen von Arjen Robben, David Alaba und Franck Ribéry geschuldet – drei Spielern, die immer den Unterschied ausmachen können. In der “Königsklasse” machen immer Nuancen den Unterschied. So war 2010 im Endspiel der FCB faktisch überlegen, verlor aber. 2012 spielte der FC Bayern das “Finale dahoam” und verlor denkbar unglücklich. 2013 zeigte insbesondere Manuel Neuer in den ersten 22 Minuten eine Weltklasse-Leistung, wodurch der BVB seine Chancen nicht in bare Münze umwandeln konnte; dann war es Robben, der das Endspiel zugunsten der Münchner kippte. Es hängt eben immer alles an Details – eine Garantie gibt es für gar nichts, schon gar nicht für den Titel. Guardiola will die Trophäe mit dem FCB gewinnen, aber dabei handelt es sich eben nicht um etwas Planbares. Wenn sich der FCB nicht verstärkt, dann wird es schwer, vor allem wenn man Spieler wie Lionel Messi, Neymar und Luis Suárez oder Cristiano Ronaldo, Karim Benzema und Gareth Bale gegen sich hat.

6. Die Bundesliga: Kein anderes Team schaffte es, in der Bundesliga vier Titel in Serie zu gewinnen. Der FC Bayern ist aktuell in der Verfassung, diesen Rekord nach den Siegen 2013 unter Heynckes sowie 2014 und 2015 unter Guardiola zu knacken. Die kommende Saison wird wahrscheinlich sogar schwieriger als die jetzige, da sich die anderen Klubs hinsichtlich Spielern und auch Trainern schon enorm verstärkt haben. Der Kampf um die Meisterschale wird sicherlich spannender und erbitterter und Bayern wird sich deutlich schwerer tun, den vierten Titel in Folge zu erkämpfen – was für Guardiola aber ganz bestimmt ein weiterer Traum und Ansporn wird.

Schlussendlich möchte ich den Bogen nochmals zum Anfang dieses Textes spannen: Was Guardiolas Zukunft anbetrifft, das kann ich schwer beurteilen. Wovon ich aber ausgehe, ist, dass der FCB vor einigen wichtigen strategischen Momenten die Zukunft betreffend steht. Dabei ist gar nicht unbedingt das Allerwichtigste, ob Guardiola seinen Vertrag verlängert oder nicht, sondern wohin der Klub sich in den kommenden fünf Jahren orientieren möchte.

Marti Perarnau

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