Überlegen, aber doch verloren

München –  

Der FC Bayern dominiert gegen Bayer Leverkusen, lässt aber dennoch die Punkte liegen. Der späte und glückliche Siegtreffer von Sidney Sam macht die Liga wieder spannend: Der FC Bayern ist doch zu schlagen – mit Glück und geschickter Defensivarbeit.

Jerome Boateng konnte es nicht fassen. Von seinem Gesicht war der Ball gerade ins eigene Tor geprallt, drei Minuten vor dem Spielende und zum 1:2 aus Sicht des FC Bayern. Der Innenverteidiger wusste im ersten Moment vermutlich nicht, was er als schmerzhafter empfinden sollte. Den verunglückten Kopfball von Bayer Leverkusens Sidney Sam, der mitten in seinem winterkalten Gesicht gelandet war, oder doch die nun drohende erste Liganiederlage nach dem Startrekord von acht Siegen.

Nachdem Claudio Pizarros letzter Versuch in der dritten Minute der Nachspielzeit am Querbalken gelandet war, bestand für die Liga tatsächlich die erleichternde Gewissheit, dass die scheinbar übermächtigen Münchner doch schlagbar sind. Vier Punkte beträgt ihr Vorsprung nun noch auf den Tabellenzweiten FC Schalke 04.

25:5-Torschüsse

Die Saison könnte vielleicht doch nicht so einseitig verlaufen, wie bisher angenommen worden war. „Das ist eine Niederlage, die so nicht einkalkuliert war, die uns aber auch nicht umwirft“, sagte Trainer Jupp Heynckes. Auch Boateng musste nun vor allem den Schmerz der ersten Niederlage verkraften – und Sams Geständnis. „Nee, nicht richtig“ habe er den Ball getroffen, räumte der kurz zuvor eingewechselte Sam ein, „es war mein erster Ballkontakt. Und es war ein bisschen Glück dabei.“

25:5-Torschüsse hatten die Zuschauer zugunsten der Bayern zählen können. Doch am Ende hatten sie den ersten Leverkusener Sieg in München seit Oktober 1989 gesehen, den Stefan Kießling mit seinem Tor in der 42. Minute auf den Weg gebracht hatte. Das weckte Erinnerungen an Marek Lesniak, der vor 23 Jahren zum 1:0-Erfolg getroffen hatte. Doch weil Mario Mandzukic mit seinem achten Saisontor noch ausglich (77.) und Sam eigentlich weit am Tor vorbeigeköpfelt hätte, kam Boateng die Rolle des tragischen Helden zu. So ein Gegentreffer sollte nicht passieren, befand Philipp Lahm später, „aber das 0:1 war genauso blöd“. Daran hatte der Kapitän selbst Anteil gehabt, als er Kießling nach einem Konter über die Leverkusener Nationalspieler Simon Rolfes und André Schürrle beim Klärungsversuch anschoss.

Siegeszug der Bayern gestoppt – Schalke auf Rang zwei






Marcel Schmelzer (r) bejubelt im Freiburger Schneeregen das 1:0 durch Neven Subotic. Foto: Uli Deck

Lukasz Piszczek (r) bejubelt das 2:0 durch BVB-Star Mario Götze. Foto: Uli Deck

Der Peruaner Jefferson Farfan erlöste die Schalker mit seinem Tor zum 1:0 gegen Nürnberg. Foto: Bernd Thissen

Der ehemalige Nationalkeeper Tim Wiese kassierte erneut drei Gegentreffer. Foto: Fredrik von Erichsen

Der Mainzer Adam Szalai erzielte einen Dreierpack gegen 1899 Hoffenheim. Foto: Fredrik von Erichsen

Der Leverkusener Sidney Sam (r) bejubelt das Eigentor vom Münchner Jerome Boateng zum 2:1. Foto: Andreas Gebert







Dabei hatten die Bayern deutlich überlegen gespielt. Bastian Schweinsteiger mit der Hacke nach Hereingabe von Thomas Müller (2.) und Mandzukic mit einem Kopfball nach einer Flanke von Holger Badstuber (14.) hatten zunächst die besten Chancen. Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der Tabellenführer das 1:0 erzielen würde.

Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis die Leverkusener merkten, dass vielleicht doch eine Überraschung möglich sein könnte. Nun nahmen die Gäste vermehrt die Zweikämpfe an, nun begannen sie, die anfangs halbherzigen Offensivbemühungen zu intensivieren. Und plötzlich stand es tatsächlich 0:1 durch Stefan Kießling.

Dem Rückstand folgten nach den laufintensiven ersten 45 Minuten noch einmal verstärkte Angriffsbemühungen der Bayern. Heynckes hatte Xherdan Shaqiri für Badstuber gebracht, der erneut als linker Außenverteidiger begonnen hatte. Der genesene David Alaba vertrat dafür zunächst den angeschlagenen Franck Ribéry im linken Mittelfeld. Nach knapp einer Stunde kam für Luiz Gustavo zudem Arjen Robben, der in den vergangenen Wochen wegen Rücken- und Oberschenkelbeschwerden hatte pausieren müssen und vor wenigen Tagen noch mit Rücktrittsgedanken für Aufsehen gesorgt hatte.

Hereinnahme von Pizarro

Doch trotz der nun nominell sehr offensiv ausgerichteten Bayern taten sie sich schwer, die ganz großen Chancen herauszuspielen. Leverkusen zog sich zurück und verteidigte geschickt und mit deutlich mehr Körpereinsatz. Toni Kroos, Boateng und Shaqiri probierten es ohne Erfolg, zwischendurch hatten Kießling und Schürrle das 0:2 auf dem Kopf.

Die Bayern wirkten zusehends verzweifelt und rannten immer hektischer an. Erst die Hereinnahme von Pizarro brachte einen entscheidenden Impuls. Der Peruaner, der in dieser Saison bisher nur in einer Nebenrolle aufgetreten war, flanke drei Minuten nach seiner Einwechselung auf Mandzukic, der mit dem Kopf zum Ausgleich traf. Zwei Minuten später wäre durch die beiden Angreifer beinahe noch äußerst kurios das 2:1 gefallen, als Pizarro Mandzukic anschoss, von dem der Ball an den Pfosten prallte. Doch dann toppte ja Sam mit seinem Kopfball ins Gesicht von Boateng noch die erstaunlichen Ereignisse.

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