Tuchels Bayern-Trickkiste – FAZ

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Siegesjubel in München: Adam Szalai beim Mainzer Auswärtssieg 2009

FC Bayern München - FSV Mainz 05

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Siegesjubel in München: Adam Szalai beim Mainzer Auswärtssieg 2009

Am kommenden Dienstag muss Mainz 05 bei Eintracht Braunschweig spielen. Da könnte man vor dem vorhergehenden Spiel an diesem Samstag gegen Bayern München (15.30 Uhr/ live auf Sky und F.A.Z.-Liveticker) auf eine Idee kommen: Warum denn nicht vom Nachbarn Eintracht Frankfurt lernen? Die hatten vor wenigen Wochen dieselbe Aufgabenfolge zu bewältigen, schonten deshalb gegen die Bayern mehrere Stammspieler und nahmen die Niederlage in Kauf, aber fuhren anschließend gegen Braunschweig wichtige Punkte ein.

Daniel Meuren


 
 
 


Mainz 05 könnte nun ähnlich taktieren: Den vermeintlich aussichtslosen Kampf gegen die Bayern abschenken, um am Dienstagabend wertvolle Zähler für den Kampf um einen Europapokalplatz zu erspielen. Aber eine solch böse Überraschung werden die 34 000 Zuschauer in der seit Wochen ausverkauften Mainzer Arena am Samstag sicher nicht erleben, wenn um 15.30 Uhr der Anpfiff zum Duell des Tabellenfünften mit dem seit 50 Bundesligaspielen ungeschlagenen Branchenprimus ertönt. Denn Trainer Thomas Tuchel und sein Team sind beseelt von der Idee, zum Bezwinger der scheinbar Unbezwingbaren werden zu können. „Viele in Deutschland äußern unterschwellig das Gefühl, wir könnten das packen“, sagt Tuchel. „Und ich sage: Ja, wir trauen es uns zu.“

Al Pacino und zugestellte Passwege

Die Courage gegen die übermächtigen Bayern hat Tradition in den bislang neun Begegnungen, seit Tuchel das Regiment am Bruchweg übernommen hat. 2009 schaffte der kurz vor Saisonbeginn zum Trainer beförderte ehemalige A-Juniorentrainer am dritten Spieltag ausgerechnet gegen die Bayern seinen ersten Bundesligasieg. Die Taktik, mit der der damalige Bundesliga-Aufsteiger den neuen Bayern-Trainer Louis van Gaal und dessen Elf überraschte, war ein bemerkenswert frühes Pressing und ein Zustellen der Passwege der Innenverteidiger Badstuber und van Buyten, die derart gestört völlig überfordert wirkten. Sein Team hatte Tuchel schon zuvor überrascht: In der Kabine sprach nicht er die letzten Worte, sondern Al Pacino in einem Ausschnitt aus dem American-Football-Epos „An jedem verdammten Sonntag“.

Kurztrip aus Egelsbach zum Sieg in München

Ein Jahr später landete Tuchel schon seinen zweiten Sieg gegen van Gaals Bayern – und dieses Mal sogar in München. Die Mainzer reisten mit fünf Auftaktsiegen und als Tabellenführer im Gepäck zum Rekordmeister, die „Bruchweg Boys“ waren gerade auf dem Höhepunkt ihres Höhenflugs. Tuchels Überraschung für sein Team war dieses Mal die Art der Anreise: Anders als üblich am Tag vor dem Spiel, flog die Mannschaft erst am Vormittag in einer eigens gemieteten Cessna vom Flugplatz Egelsbach nach München.

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Schwindelgefühle wegen Robben: Der Seitentausch bekam Außenverteidiger Christian Fuchs nicht gut

Schwindelgefühle wegen Robben: Der Seitentausch bekam Außenverteidiger Christian Fuchs nicht gut© dpa



Schwindelgefühle wegen Robben: Der Seitentausch bekam Außenverteidiger Christian Fuchs nicht gut

Manche Spieler trugen zwar eine gewisse Übelkeit vom Flug davon, zudem erreichten die Rheinhessen erst auf den letzten Drücker den Spielort. Aber auf dem Feld war das Resultat des Kurztrips aus Egelsbach eine bemerkenswerte Lockerheit und ein 2:1-Sieg.

Seitentausch mit Schwindelgefühl

Im Rückspiel trieb Tuchel das Spiel mit der Trickkiste dann freilich etwas zu weit: Linksverteidiger Fuchs und Rechtsverteidiger Zabavnik tauschten auf Geheiß des Trainers die Seiten, um seitenverkehrt die Bayern-Dribbelkünstler Ribery und Robben zu verwirren. Resultat waren aber eher Schwindelanfälle der Mainzer Spieler, die offenkundig schon beim Anstoß durcheinander waren: Fuchs sollte den Ball nahe der Eckfahne ins Seitenaus schießen, um die Bayern direkt in ihrer Spielfeldhälfte zu einem Einwurf zu zwingen.

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Immer eine gute Idee: Thomas Tuchel trickst gern

Immer eine gute Idee: Thomas Tuchel trickst gern© dapd



Immer eine gute Idee: Thomas Tuchel trickst gern

„Wir wollten ihnen den Ball geben und direkt mit Pressing da hinten im Eck signalisieren, dass wir sie jagen wollen“, verriet Tuchel nach der 1:3-Heimniederlage. Fuchs schoss den Ball in seiner Verwirrung aber vom Mittelpunkt aus übers Tor – es gab Abstoß statt Einwurf. Zwei Jahre später führte Ivanschitz die gleiche Idee richtig aus. Beeindruckt zeigten sich die Münchner allerdings auch da nicht und gewannen humorlos 3:0.

„Dortmunder Art“ und Fünferkette

Dazwischen gelang Tuchel indes noch sein dritter und bis heute letzter Streich gegen die Großen: Am 27. November 2011 überraschten die Mainzer den damals nach eigenem Ballverlust noch nicht so fleißig im Gegenpressing arbeitenden Gegner auf „Dortmunder Art“. Nach der Balleroberung ging es in vollem Tempo in den Konter. Am Ende hieß es 3:2 für die Rheinhessen.

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Mainzer Verschwörung: Beim bislang letzten Sieg gegen die Bayern 2011

Mainzer Verschwörung: Beim bislang letzten Sieg gegen die Bayern 2011© Wonge Bergmann



Mainzer Verschwörung: Beim bislang letzten Sieg gegen die Bayern 2011

Seither musste Tuchel zwar auch drei deutliche Niederlagen gegen die Bayern hinnehmen: Aber selbst beim vermeintlich deutlichen 1:4 in der Hinserie in München ärgerte Mainz 05 die großen Bayern. Der Trainer schickte sein Team mit einer Fünfer-Abwehrkette ins Spiel, um in einer leidenschaftlichen Abwehrschlacht die Wege in den Strafraum zu verbauen. Tuchel ließ sich inspirieren von einem Unentschieden Costa Ricas gegen Spanien, von dem sein Linksverteidiger Junior Diaz begeistert erzählte.

Was nun?

So bleibt nur die Frage: Was macht Tuchel am Samstag? „Wir müssen versuchen, in einzelnen Phasen frei zu spielen und Zwänge abzulegen. Aber frei nach Beckenbauers Motto ,Geht’s raus und spielt’s Fußball‘ geht es sicher nicht.“

Kann Mainz 05 die Bayern wirklich schlagen?

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Quelle: F.A.Z.
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Mainz 05: Tuchels Bayern-Trickkiste

Mainz 05

Tuchels Bayern-Trickkiste


Von Daniel Meuren, Mainz

Neun Spiele, drei Siege: Am Samstag (15.30 Uhr) spielt Mainz 05 zum zehnten Mal in der Ära Tuchel gegen Bayern München. Ein Rückblick auf Ansprachen von Al Pacino, Schwindelgefühle, Psycho-Spielchen und taktische Kniffe.

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