Thiago ist das Top-Projekt

Man hat sich allmählich daran gewöhnt, dass dieser Pep Guardiola in den 90 Minuten, die seine Bayern Fußball spielen, mitunter zelebrieren, 90 Minuten durchspricht. Er kann nicht anders, er steckt wohl so voller Ideen, dass er sie gleich während eines Spiels weitergeben muss. Man hat sich daran gewöhnt, offensichtlich fruchten seine Ideen, auch die spontanen – wundern darf man sich dennoch.

Am Samstag gewannen die Bayern 7:0, sie zelebrierten Fußball – doch Guardiola zitierte beispielsweise Thiago ganze drei Mal zu sich. So, wie er dabei aussah, würzte er seine Ideen in dem Moment mit sehr kritischen Worten.

„Ich mag keine Ballverluste, ich kann sie nicht akzeptieren“, grummelte der Trainer am Montag auf die Frage, was er eigentlich noch verbessern wolle bei einem 7:0. Thiago hatte sich einige Male erlaubt, das Spielgerät durch gewagte Pässe preiszugeben, das trieb Guardiola zum Gespräch an die Seitenlinie. Vor ein paar Wochen nannte der Trainer seinen Landsmann „den mutigsten Spieler, den ich in meiner Karriere je kennengelernt habe“.

Um ihn im Sommer zu bekommen, brüskierte er seinen Ex-Klub Barcelona mit einem kompromisslosen Abwerbungsverfahren, er riskierte ein Politikum, das nun zwischen Barca und Bayern steht. Er sagte: „Ich brauche Thiago oder nix.“ Nun sagt er, er sei zufrieden mit dessen Entwicklung. „Aber er muss unter Druck ruhiger werden.“

Thiago ist wohl Guardiolas spannendstes Projekt in dieser Bayern-Mannschaft. Der Trainer liebt den Mut seines Zöglings, den er als 18-Jährigen zu fördern begann. Zugleich will er ihn auch schulen, dass seine Kreativität den Erfolg des Kollektivs nicht gefährdet. In Spanien riefen sie diesen Thiago Alcantara do Nascimento „el pavo real“, übersetzt heißt das „Pfau“, weil er seine eigene Schönheit mitunter über die des gesamten Spiels stellte. Hier in München steht der 22-Jährige nun für diesen neuen Mix aus Bayern und Barca, den Guardiola entwickeln möchte.

Der Pfau soll in neuem Federkleid von sich reden machen. „Ich genieße diesen deutschen Weg“, sagt Thiago selbst, „90 Minuten marschieren, diese Kraft, dazu kommen spanische Inhalte.“ Er ist nun seit ein paar Monaten Münchner, keine lange Zeit, einen Großteil setzte ihn ein Syndesmosebandriss außer Gefecht. Dennoch versichert er, und das recht glaubhaft: „Ich fühle mich schon wie zuhause.“

Thiago ist lernwillig. Es sei „die beste Entscheidung meines Lebens“ gewesen, sich an die Isar zu verändern. Chelsea und Real Madrid hatten auch Interesse, in München aber überzeugte ihn die Gesamtkonstellation – und natürlich, auch wenn er es nicht offen eingestehen möchte, die Personalie Pep Guardiola. Ihr Verhältnis sei normal, wie zu jedem anderen Spieler, meint Thiago, der nicht als Trainers Liebling dastehen möchte.

Es sei auch nicht so, dass er bei seiner Positionierung auf dem Feld eine bevorzugte Behandlung fordere. Er lief als Sechser auf, er besetzte schon beide Halbpositionen – welche ihm am liebsten sei? Thiago lächelte: „Ich bevorzuge einfach einen Platz in der ersten Elf. Notfalls als Torwart.“

Nunja, in den Kasten wird Guardiola seinen Landsmann nicht stellen. Der Coach liebt Mittelfeldspieler, sie sind die Figuren, die er mit Genuss in Szene setzt, und Thiago ist eine seiner vielschichtigsten Figuren. Sein Vater Mazinho ist 1994 mit Brasilien Weltmeister geworden, geboren wurde er in Italien, er wuchs aber in Spanien auf, und hier sieht er auch seine fußballerische Basis.

Mitunter blitzt noch Papas südamerikanisches Temperament auf, und solange es die durchchoreographierten Spielzüge seines Trainers erweitert statt torpediert, sind sie herzlich willkommen. Ansonsten schadet nicht, noch einen Schuss deutsche Effizienz ins Repertoire einzugliedern. „Er ist jung, er kann noch viel lernen“, sagt Guardiola. Der Trainer wird ihm dabei wortreich assistieren.

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