Sudetendeutsche am "Wendepunkt" – Eiszeit mit Tschechien vorbei


Bernd Posselt: “Der Wendepunkt hat einen langen Vorlauf, und man hat noch einen langen Weg vor sich.” Foto: dpa

F ast ein Vierteljahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs schmilzt unaufhrlich das Eis, das lange Zeit das Klima zwischen den Regierungen in Mnchen und Prag bestimmte. Auch die Sudetendeutschen, die sich Pfingsten wieder traditionell in Augsburg versammelten, schlagen inzwischen nur noch vershnliche Tne an.

Anlass der mittlerweile relativ entspannten Beziehungen ist der Besuch von Tschechiens Regierungschef Petr Necas im Februar in Mnchen. Er hatte vor dem Bayerischen Landtag ein viel beachtete Rede gehalten und darin gesagt: “Wir bedauern, dass durch die Vertreibung und zwangsweise Aussiedlung der Sudetendeutschen nach Kriegsende aus der ehemaligen Tschechoslowakei, die Enteignung und Ausbrgerung, unzhligen Menschen viel Leid und Unrecht angetan wurde.”

Das waren die neuen Tne aus Prag, auf die die vertriebenen Sudetendeutschen so lange gewartet hatten. Ihr Sprecher Bernd Posselt betonte daher beim Pfingstreffen: “Dies ist ein sudetendeutscher Tag des Wendepunktes. Aber, liebe Landsleute, ein Wendepunkt hat einen langen Vorlauf, und man hat noch einen langen Weg vor sich.” Der CSU-Europapolitiker sagte, dass die Heimatvertriebenen “durch unwegsames Gelnde” gegangen seien, um an diesen Punkt zu kommen.

Wegen der Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Krieg war das Verhltnis zwischen den Regierungen von Tschechien und Bayern lange angespannt. So hatte Ex-Regierungschef Edmund Stoiber (CSU) wegen der sogenannten Benes-Dekrete, die die Vertreibung legitimierten, stets einen offiziellen Besuch in Prag abgelehnt. Hintergrund war, dass die bayerische Regierung bereits in den 1950er-Jahren die Schirmherrschaft fr die geflchteten Sudetendeutschen bernommen hatte. Die Volksgruppe gilt seitdem als vierter Stamm Bayerns – neben den Altbayern, Franken und Schwaben. Zudem gelten die Vertriebenen und ihre Nachkommen auch als besonders treue Whler der Christsozialen.

Doch die neue Politik ist letztlich nur ein Zeichen, dass nun auch die Politik in der Gegenwart angekommen ist. Denn Anfang der 1990er-Jahre rckten Bayern und Tschechien pltzlich in den Mittelpunkt Europas, nachdem sie lange Randgebiete von verfeindeten Blcken waren. Die Menschen lernten schnell die neuen Freiheiten zu nutzen. Die Brger aus Bhmen wurden begehrte Arbeitskrfte in Ostbayern, die Deutschen fuhren umgekehrt zum Einkaufen gerne nach Tschechien.

Es entstanden zahlreiche gemeinsame Projekte in Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur, und dann fielen mit dem tschechischen Beitritt zur EU und zum Schengen-Raum auch die Schlagbume an der Grenze – nur auf politischer Ebene blieb es unter Stoiber kontinuierlich bei der Eiszeit. Erst sein Nachfolger Gnther Beckstein (CSU) kndigte eine Tschechien-Reise an, kam aber in seiner kurzen Amtszeit nicht mehr dazu. Dessen Nachfolger Seehofer war inzwischen schon zweimal dort .

Bei den Sudetendeutschen betonte Bayerns Ministerprsident am Sonntag die neue Freundschaft auch auf politischer Ebene. “Ich sage bewusst: Freunde”, unterstrich Seehofer. Denn Freunde knnten auch ihre Meinungsverschiedenheiten ertragen .

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