Hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in der “Bild am Sonntag” seine Stromtrassen-Forderung geäußert, antwortet nun Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer in der “Welt” darauf. Die Antwort fällt eindeutig aus: Er finde Gabriels Aussagen “amüsant” und “sehr eigenartig”, so Seehofer. Dann setzt er verärgert nach:
“Das noch mit dem Argument zu garnieren, Bayern bekomme sonst höhere Strompreise, kann sich Sigmar Gabriel wirklich schenken.”
Ministerpräsident Horst Seehofer
Mit dieser Drohkulisse, die außerhalb jeder fachlichen Realität sei, verstärke Gabriel in der bayerischen Bevölkerung eher noch den Widerstand gegen die Trassen, glaubt der CSU-Chef.
Anderslautende Absprache
Laut Seehofer hätten er und Gabriel vereinbart, dass in Bayern der Energiedialog über durch die Energiewende notwendige neue Kraftwerke und Stromtrassen geführt werden soll. Ende Februar lege sich der Freistaat auf eine Haltung fest und werde sich dann mit der Bundesregierung zusammensetzen.
“Auf die Bayern einzuklopfen, weil die angeblich nicht wissen, was sie wollen, ist ein durchschaubares Manöver.”
Ministerpräsident Horst Seehofer in der Zeitung Die Welt
Gabriels “eigenartige” Forderung
Zum Start ins neue Jahr hatte Bundeswirtschaftsminister Gabriel in einem Interview zum Rundumschlag ausgeholt – eines seiner angestrebten Ziele laute “keine Strompreiserhöhung”. In diesem Zusammenhang äußerte der SPD-Chef eine deutliche Warnung Richtung München. Er kritisierte die kritische Haltung von Ministerpräsident Seehofer in Sachen neue Höchstspannungsleitungen – und stellte ein Ultimatum.
Sollte sich der Freistaat gegen die Stromtrassen, vor allem gegen die geplante SuedLink-Trasse nach Grafenrheinfeld stellen, könnte das die bayerischen Stromkunden teuer zu stehen kommen. Gabriel betont: “Strom in Bayern bleibt dann knapp und wird mit dem Abschalten der Atomkraftwerke in den nächsten Jahren noch knapper. Und alles was knapp ist, wird teuer.”
“Bayern muss sich im Januar endgültig für die beiden geplanten Stromtrassen nach Süden entscheiden.”
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel im Interview mit der Bild am Sonntag
Es ist nicht das erste Mal, dass Seehofer und Gabriel wegen der Höchstspannungsleitungen aneinandergeraten. So machte Gabriel bereits klar: “Irre Zustände” seien das, wenn der Norden Windstrom im Überfluss produziere und dieser wegen fehlender Leitungen nicht in den Süden transportiert werden könne. Doch Seehofer betonte immer wieder, dass er die Trassen durch den Freistaat nur dann akzeptieren wird, wenn sie auch zweifelsohne notwendig sind.
Trassenpläne für Bayern
Da ist zum einen die Ost-Süd-Trasse des Betreibers Amprion, die Strom aus dem Nordosten – speziell der Magdeburger Börde – über Hof nach Bayern bringen soll. Hier soll der Strom nach Möglichkeit entlang von Autobahnen nach Meitingen bei Augsburg oder zum 2021 vollständig abgeschalteten AKW Gundremmingen weiterfließen; eine dritte Variante nach Landshut, wo das AKW Isar 2 ein Jahr später vom Netz gehen soll, ist bisher reines Planspiel.
Weiter fortgeschritten sind die Planungen für die zweite Trasse mit dem Namen SuedLink, die vom niederländischen Staatsunternehmen TenneT betrieben wird. Sie könnte den Strom aus dem Nordwesten etwa über Bad Brückenau oder durch Sinn- und Werntal ins Gebiet des 2015 zur Abschaltung vorgesehenen Atommeilers Grafenrheinfeld bei Schweinfurt liefern.