Von Dennis Rink
MAINZ 05 Kasper Hjulmand wehrt sich gegen Vorwürfe, er sei zu nett / Heidel verteidigt Taktik
MAINZ – Christian Heidel ist nicht nur ein Manager, sondern auch ein Taktiker. Deshalb hat der 51-Jährige die starke Leistung des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 bei der unglücklichen 1:2-Niederlage gegen den FC Bayern München zum Anlass genommen, um die gute Stimmung in die Winterpause zu transportieren und seinem in der Kritik stehenden Trainer Kasper Hjulmand den Rücken zu stärken. Nicht unclever.
„Ist doch dummes Zeug“
„Wir versuchen, unser Spiel zu entwickeln. Dass da nicht alles direkt klappt, ist doch völlig normal.“ Der 51-Jährige stört sich jedoch an der öffentlichen Wahrnehmung. „Es wird immer erzählt, wir würden den Spielern sagen, sie sollen nicht so aggressiv spielen. Das ist doch dummes Zeug.“ Sehr wohl schicke das Trainerteam die Mannschaft mit dem Auftrag eines aggressiven Pressings in jedes Spiel. Und: „In der Erinnerung der Leute haben wir letzte Saison 34 Mal den Gegner gejagt und 34 Mal gewonnen.“ Das war selbstredend nicht so. Doch für Heidel geht die Kritik an Hjulmand und dessen Taktik am Kern vorbei. „Wenn wir selbst den Ball haben, können wir ja schwer grätschen.“ Deshalb sei der Blickpunkt auf mehr Ballbesitz keine Abkehr vom in Mainz kultivierten Überfallfußball, sondern eine notwendige Entwicklung. „Aber nicht nur bei uns, sondern im gesamten Fußball“, sagte Heidel.
Neben der Kritik an der Spielweise wurden in den vergangenen Wochen auch Zweifel an der Art und Weise, wie Hjulmand die Mannschaft führt, laut. Und so nutzte der Däne das Gespräch zur Hinrundenbilanz mit der Presse, um einmal seine Sicht der Dinge zu schildern.
„Jeder Trainer und jeder Mensch hat seine Führung“, führte Hjulmand aus. „Ich kenne meine Persönlichkeit und ich weiß genau, was ich mache.“ Er versuche stets, das Beste aus seinen Spielern herauszuholen. „Ich werde da aber nicht laut, sondern habe andere Möglichkeiten. So bin ich.“ Deutliche Worte des Dänen, dem eine zu lockere Führung der Mannschaft nachgesagt wird. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten und ich versuche, meine Art und Weise von Fußball und Führung zu leben.“ Das sei das Beste. „Denn Schauspielerei bringt nichts. Wichtig ist, dass wir alle immer versuchen, unser Bestes zu geben“, setzte Hjulmand auch seine Spieler mit ins Boot. „Wenn man denkt, ich bin immer nur nett, dann ist das falsch.“
Kasper Hjulmand hat sich mit den Schlagzeilen der vergangenen Wochen beschäftigt und sich seine Gedanken gemacht. Völlig unumstritten, dass der Start des Dänen in Mainz ein schwieriger Anpassungsprozess war und vielleicht auch ist – sportlich und menschlich. „Menschen brauchen Zeit, um sich gegenseitig kennenzulernen“, sagte Hjulmand. Das lässt tief blicken. Ein Faktor ist dabei sicherlich auch die Sprache. „Das ist das Schwierigste“, betonte er. „Ich brauche meine Sprache sehr viel, um mit Spielern zu reden und Gefühle und Stimmung zu übermitteln.“ Das konnte er zu Beginn seiner Zeit in Deutschland naturgemäß nicht so gut wie etwa in seinem Heimatland Dänemark.
Erinnert man sich an seine rhetorisch begabten Vorgänger Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, bekommt man einen Eindruck, welcher Faktor der Einfluss von Sprache in der täglichen Arbeit eines Trainers ist. Aber daran arbeitet Kasper Hjulmand hart – wie auch an spielerischen und taktischen Inhalten im Spiel seines Teams. „Ich bin nie zufrieden“, unterstrich er. „Das ist eines meiner Probleme.“ Um seinen Trainer in der Winterpause ruhig arbeiten lassen zu können, hat Christian Heidel kurz vor dem Urlaub noch einmal mahnende Worte an die Öffentlichkeit platziert. Clever.