„Das wäre aber eine nette Freundin“, dachte sich Alois Plescher, als ihm Dorothea das erste Mal über den Weg lief. Auch er hatte einen bleibenden Eindruck hinterlassen bei der damals 16-jährigen, lebenslustigen Dorothea, die alle nur Dorle nennen: „Seine ruhige, zurückhaltende, ernste Art hat mich gleich herausgefordert“, erzählt sie in breiter bayerischer Mundart. Das war 1946 im oberbayerischen Weilheim, wohin es die beiden in den Wirren der Nachkriegszeit verschlagen hatte. Dorotheas Elternhaus in München war ausgebombt; Alois flüchtete aus dem tschechischen Marienbad nach Bayern. Dass sie 67 Jahre nach dieser ersten Begegnung einmal diamantene Hochzeit feiern würden, hätte damals keiner von ihnen zu träumen gewagt.
Bad im Staffelsee
„Eigentlich ist es all die Jahre über genau so geblieben: Mein Mann ist der ruhige Realist, ich bin die temperamentvolle Optimistin“, beschreibt Dorle (82) unter zustimmendem Nicken ihres Gatten (85) das Rezept ihrer Ehe. Die wurde nach dreijähriger Verlobungszeit am 27. Juli 1953 in der katholischen Kirche in Weilheim geschlossen. Dort wird das Paar anlässlich seines Jubiläums geehrt werden.
Die Feier im Kreis der Familie, zu der auch die beiden Kinder Manfred (55) und Susanne (42) sowie die Enkel Nick und Tim gehören, findet ganz zünftig auf einer Alm statt, anschließend wollen die rüstigen Rentner, im Staffelsee baden. Einmal im Jahr statten die Pleschers ihrer alten Heimat einen Besuch ab. Doch ihre Wurzeln haben sie in Hessen, wohin das frischverheiratete Paar 1953 umgesiedelt war. Alois war als Drogist von seiner Firma, einem Arzneimittelhersteller, für den auch Dorle als kaufmännische Angestellte gearbeitet hat, nach Frankfurt versetzt worden. „Die ersten drei Wochen hab’ ich nur geheult“, erinnert sie sich. „Keiner wusste, was eine ,Semmel’ oder eine ,Schweinshaxn’ ist, und ,Grüß Gott’ hat auch niemand gesagt.“
Kennedy im Küchenfenster
Doch die Neubau-Wohnung in der Neuen Kräme und das pulsierende Leben der Großstadt haben sie schnell mit dem Umzug versöhnt. „Vom Küchenfenster aus haben wir damals den Kennedy zur Paulskirche laufen sehen“, sagt Alois. Im gleichen Jahr, 1963, folgte der Umzug nach Fechenheim, wo Alois bis zu seiner Pensionierung für den Kosmetikhersteller Jade tätig war. Vor zehn Jahren bezog das Paar seinen Alterssitz, eine sonnige Wohnung im Bad Vilbeler Quellenhof. „Ein echter Glücksgriff“, freuen sie sich noch heute.
Sie genießen die Nähe zur Innenstadt, gehen regelmäßig zu Fuß zum Einkaufen und sind treue Gäste bei den Burgfestspielen. Dorle, die leidenschaftlich gerne kocht, hält sich mit Yoga und Gymnastik fit, der passionierte Radfahrer Alois ist auf einen Ergometer umgestiegen. Gemeinsam erledigen sie zu Hause regelmäßig Büroarbeiten für ihren Sohn Manfred: Dorothea, die sich in ihren letzten Berufsjahren noch die Bildschirmarbeit angeeignet hat, tippt Akten, während sich Philatelist Alois ums Frankieren der Geschäftspost kümmert.
(Sabine Scherpenbach)