Seehofers "maßgeschneiderter" Stimmkreis

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Horst Seehofer betritt Neuland – doppelt: Neu ist sein Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen, und neu ist auch seine Kandidatur als Landtagsabgeordneter.

Zwar war der CSU-Vorsitzende von 1980 bis 2008 ununterbrochen Abgeordneter, aber im Bundestag – und dies nicht im Landkreis der Spargelerzeuger, sondern in seiner benachbarten Heimat Ingolstadt.

Als Seehofer im Herbst 2008 Ministerpräsident in Bayern wurde, gab er sein Bundestagsmandat auf und ist seitdem auf Abgeordneten-Entzug. Mit der Landtagswahl am 15. September soll sich das ändern.

Seinen neuen Stimmkreis verdankt Seehofer dem Bevölkerungsschwund in Oberfranken und der Oberpfalz. Dort sank die Einwohnerzahl mit der Folge, dass die beiden Regionen je ein Landtagsmandat an das weiter wachsende Oberbayern abgeben mussten. Die Oppositionsparteien warfen der Staatsregierung daraufhin vor, eigens für Seehofer einen Stimmkreis maßgeschneidert zu haben. Es gab mehrere Popularklagen gegen die umstrittene Stimmkreisreform, doch der Bayerische Verfassungsgerichtshof billigte den Neuzuschnitt.

Der CSU-Chef geht mit einer Hundert-Prozent-Zustimmung ins Rennen um das Direktmandat. Bei der Nominierungsversammlung bekam er im vorigen September 91 von 91 abgegebenen Stimmen. “Ohne Wenn und Aber” trete er für die volle Legislaturperiode an, versprach er den Delegierten anschließend. Er werde “alles in die Waagschale werfen”, um die Bastion der bürgerlichen Regierung in Bayern zu verteidigen.

Der gelernte Diplom-Verwaltungswirt hatte lange gezögert, ob er sich überhaupt ein Direktmandat antun soll. Viele Parteifreunde hätten ihn jedoch dazu gedrängt, begründete Seehofer sein Umdenken. Auch der Neuburger CSU-Kreisvorsitzende Alfred Lengler räumte ein, er habe seinen Chef erst von der Kandidatur überzeugen müssen.

Sechs Monate nach der Nominierung bekam der prominente MdL (Mitglied des Landtags) in spe mächtig Ärger wegen einer unbedachten Äußerung. Auf Facebook hatte Seehofer nach dem überraschenden Verzicht seines örtlichen SPD-Gegenkandidaten Mahmoud Al-Khatib gepostet: “Ich habe in meinem Stimmkreis noch gar nicht mit dem Wahlkampf begonnen und mein Gegenkandidat hat trotzdem schon aufgegeben.” Was der CSU-Chef nicht wissen konnte: Al-Khatibs Frau durchlebte eine sehr komplizierte Schwangerschaft, ihr aus dem Libanon stammender Ehemann wollte sich in der Zeit um sie kümmern.

“Sehr geehrter Herr Al-Khatib, das tut mir aufrichtig leid!” entschuldigte sich Seehofer umgehend, als er den wahren Grund für den Rückzieher des SPD-Mannes erfuhr. “Selbstverständlich hätte es von mir nie eine Bemerkung gegeben, wenn dies auch nur ansatzweise bekanntgewesen wäre.”

Trotz der Entschuldigung ging ein Shitstorm über Seehofer hernieder. “Haben Sie überhaupt keinen Anstand, Herr Seehofer?”, schrieb ein User ins Internet, ein anderer meinte: “Meinen Kindern versuche ich beizubringen, zuerst zu denken und dann zu reden. Wie kann ich dies bei solchen “Vorbildern” aufrechterhalten?” Doch die Wogen glätteten sich. Anstelle von Al-Khatib tritt nun Neuburgs 3. Bürgermeister Horst Winter für die Sozialdemokraten zur Wahl an.

Zeitweise sah es so aus, als würde Seehofer es mit der Schlagersängerin Claudia Jung (“Lass mich traurig sein”) zu tun bekommen. Die für die Freien Wähler im Landtag sitzende 49-Jährige wohnt im Nachbarlandkreis Pfaffenofen a.d. Ilm. Doch durch die Stimmkreisreform fiel ihr Heimatort Gerolsbach dem neuen Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen zu. Nach einigem Überlegen schlug Jung das reizvolle Angebot zum direkten Schlagabtausch mit Seehofer aus. “Hier sind meine Wurzeln, hier möchte ich weiter Politik machen”, begründete sie ihre Entscheidung.

Statt Jung schicken die Freien Wählen nun den Neuburger Rechtsanwalt Peter von der Grün ins Rennen. Für die Grünen tritt der Tierarzt Rupert Ebner an, bei der FDP kandidiert der Vize-Kreischef und selbstständige Kaufmann Wolfgang Schmidt. Keiner der drei gehört bisher dem Bayerischen Landtag an. Und: Das Hauptfeld der Kandidaten ist ein reiner Männerverein – Frauen sucht man dort vergebens.

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