Santa Cruz als "Leitwolf" beim Neuaufbau

Der Wechsel zum Hamburger SV hat sich zerschlagen, nun kehrt Roque Santa Cruz mit der Nationalmannschaft Paraguays zumindest für ein Spiel zurück nach Deutschland. Als “Leitwolf” soll der 31-Jährige, der acht Jahre für den deutschen Rekordmeister Bayern München spielte, im verjüngten Team der Südamerikaner fungieren, für die der Zug zur FIFA WM 2014 in Brasilien praktisch schon abgefahren ist.

Am Mittwoch in Kaiserslautern (20:45 Uhr), wo Santa Cruz für die Bayern einst dreimal traf, will Paraguay den x-ten Neuaufbau starten. Der ehemalige Junioren-Coach Víctor Genes, der die Albirrojas schon bei der FIFA WM 2002 als Assistent betreut hatte, gibt sein Debüt als Cheftrainer des A-Teams. Er ist schon der dritte Coach, seit der inzwischen beim FC Barcelona gelandete Gerardo Martino nach Platz zwei bei der Copa América sein Amt niederlegte.

Zwei weitere Ex-Bundesligastars überstanden die Verjüngungskur Genes’ offenbar nicht. Nelson Valdez, der einst für Werder Bremen und Borussia Dortmund stürmte, sowie Lucas Barrios, der drei Jahre lang ebenfalls das BVB-Trikot trug, sind scheinbar Auslaufmodelle.

Während Valdez mit nun 29 Jahren bei Al-Dschasira Club in Abu Dhabi ab sofort Petro-Dollars verdient, hat Barrios seinen finanziell lukrativen Ausflug nach China VR zu Guangzhou Evergrande FC längst bereut. Der 28-Jährige heuerte für die neue Saison bei Russlands Rekordmeister Spartak Moskau an.

Valdez hat mit zehn Spielen noch die meisten Einsätze in der laufenden WM-Qualifikation absolviert. Barrios war nur einmal dabei. Roque Santa Cruz lief viermal auf und erzielte zuletzt beim 1:2 gegen Chile als einziger des ehemaligen Bundesliga-Trios in den Eliminatorias 2014 ein Tor. Die fünfte WM-Teilnahme in Folge ist beim Viertelfinalisten der letzten WM in Südafrika 2010 intern schon kein Thema mehr.

Denn Paraguay steht mit acht Punkten aus zwölf Spielen am Tabellenende in Südamerika und kann bei noch vier ausstehenden Spielen maximal zwölf Zähler holen. Chile (21), das als Vierter derzeit das letzte Direktticket nach Brasilien bekommen würde, ist damit nicht mehr einzuholen. Uruguay (16) und Rang fünf, der noch den Umweg über die Playoffs bringt, auch nur noch theoretisch.

In der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste belegt Paraguay derzeit Rang 49, es ist die schlechteste Platzierung seit August 1996. Genes’ Aufgebot für das Spiel beim Weltranglisten-Zweiten lässt bereits erkennen, dass der Aufbau eines neuen Teams mit Blick auf die WM 2018 im Vordergrund steht.

So berief der neue Coach sogar einen 17-Jährigen: Antonio Sanabria, den der Trainer schon mit zur FIFA U-20-WM genommen hatte, ist die nächste Sturmhoffnung Paraguays. Mit elf Jahren zog “Tonny” schon nach Spanien um, weil seine Mutter dort eine Arbeit fand.

Seit 2010 perfektioniert das neue Wunderkind seine Fussballkünste in La Masia, der Jugendakademie des FC Barcelona. Und weil der spanische Verband auch Interesse am Talent zeigte, sind die Paraguayer bemüht, ihr Juwel möglichst schnell an ihre Nationalelf zu binden.

Eine wichtiges Vorbild für Sanabria ist dabei auch Santa Cruz, der inzwischen beim FC Malaga unter Trainer Bernd Schuster spielt. Den ganz großen Durchbruch bei den Bayern schaffte der Stürmer, der mit den Sportfreunden Stiller einst gar einen Chart-Hit feierte, wegen vieler Verletzungen nicht. “Dieser Stachel sitzt tief”, gesteht der 1999 mit dem Ruf eines Wunderkinds an die Isar gewechselte Paraguayer. Am Mittwoch kehrt er zumindest für ein Spiel wieder nach Deutschland zurück.

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