Reisighaufen ärgern die Höchberger

250 Hektar Wald besitzt der bayerische Staat um Höchberg herum. Im vergangenen Winter entzündete sich bei Höchberger Bürgern eine heftige Diskussion. Grund: Eine groß angelegte Durchforstungsaktion der bayerischen Staatsforsten führte zu Unverständnis und Kritik. Bei einer Info-Veranstaltung sollten nun Ungereimtheiten aus dem Weg geräumt werden.

Dazu eingeladen hatte die Ortsgruppe des Bundes Naturschutz (BN) und die Gemeinde Höchberg. Doch aus der Bevölkerung war niemand gekommen, lediglich Mitglieder des BN, Mitarbeiter der bayerischen Staatsforsten und des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Würzburg sowie Bürgermeister Peter Stichler. Von vielen Beschwerden, die bei der Gemeinde einlaufen, sprach er. Verärgert und verwundert sei er über die „nicht vorhandene Kommunikation“ zwischen der Kommune und dem angrenzenden Staatsforst. Die müsse dringend verbessert werden.

Naherholungsweg versperrt

Verstehen könne niemand, warum der Haupt-Naherholungsweg zur Scheckertswiese ein halbes Jahr nach der Durchforstungsaktion immer noch von Reisighaufen versperrt sei. Auch nach mehrmaligem Nachfragen sei hier nichts passiert. „So sieht es in unserem Gemeindewald nicht aus“, erklärte Stichler. Und: „Wenn man diese Kleinigkeiten weggeräumt hätte, wären die Emotionen längst nicht so hochgekocht.“

Für mehr „gegenseitiges Verständnis“ sprach sich auch Lothar Kiennen, Leiter des Forstbetriebes Arnstein der bayerischen Staatsforsten aus. Denn kaum eine der rund 50 Kommunen, für die er in Unterfranken zuständig sei, sei so „auffällig“ wie Höchberg. Weil die Höchberger den Staatswald als „ihren Wald“ begreifen, wachen sie offensichtlich sehr genau über alles, was dort geschieht. „Wenn hier ein Baum gefällt wird, klingelt bei mir schon das Telefon“, meinte der Forstmann.

Deshalb wünschte er sich einen „gewissen Rückhalt“ von der Gemeinde. Schließlich suche sich der Betrieb nicht aus, was er tut, sondern sei an das bayerische Waldgesetz gebunden. „Wir bemühen uns, unseren Job gut zu machen, nicht nur im ökonomischen Sinn, sondern vor allem auch ökologisch, weil sich der Wald in einem ökologisch sehr hochwertigen Bereich befindet“, so Kienen weiter.

Spannungsfeld

Eine der wichtigsten Maßnahmen heißt deswegen: Totholz anreichern. Das aber führe zu einem großen Spannungsfeld zwischen „ökologischer Forderung und dem Auskehren des Waldes“. Gerade die ländliche Bevölkerung habe mit dem unaufgeräumten Wald ein Riesenproblem. Viele Leute denken, das Holz „verreckt“ im Wald, meinte Kiennen.

Naturschutzinsel

„Aus naturschutzfachlicher Sicht brauchen wir das Totholz als Lebensraum für viele Insekten und Pilze“, sagte Ludwig Angerer, Leiter des Bereiches Forst am AELF Würzburg. Die Aktion der bayerischen Staatsforsten sei sach- und fachgerecht ausgeführt worden, bestätigte er die Kollegen vom Staat an einer kleinen „Naturschutzinsel“ mitten im Wald mit stehendem Totholz und einigen Biotopbäumen. Diese sind im Staatswald mit einer Kringellinie gekennzeichnet, für die Natur besonders wertvoll und dürfen nicht gefällt werden.

Die rege Anteilnahme der Bürger an Maßnahmen im Höchberger Wald wertete er als positiv. Es zeige aber auch, dass das Verständlich machen einer naturnahen Waldwirtschaft eine hoch komplizierte Aufgabe sei.

Dass der Weg zur Scheckertswiese nun wieder frei wird, sicherte Kiennen zu. „Den Reißighaufen räumen wir weg und fertig“, sagte er. Wann, sagte er allerdings nicht. Bürgermeister Stichler geht davon aus, dass das bald passiert. Insgesamt waren die Erläuterungen beim gemeinsamen Termin für ihn und Martin Imhof vom BN schlüssig und nachvollziehbar.

„Wir sind der Meinung, dass die Maßnahmen fachgerecht durchgeführt wurden“, sagte Imhof. Allerdings hätte er auch mehr Resonanz aus der Bevölkerung erwartet. Und Stichler meinte: „Ich hoffe, dass die Verantwortlichen der Forstverwaltung auch die Bürgerinnen und Bürger verstehen. Wir Höchberger sehen den Wald eben als Naherholung und nicht als Wirtschaftsfaktor.“

Fauna-Flora-Habitat

Der Höchberger Wald gehört ebenso wie der Margetshöchheimer Wald zum FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) „Laubwälder bei Würzburg“, das insgesamt 941 Hektar groß ist.

Eine besonders geschützte Tierart ist hier die Bechsteinfledermaus. Außerdem kommen das Große Mausohr und der Große Abendsegler, die größte heimische Fledermaus, vor.

Der sogenannte Management-Plan, der am 1. Januar 2004 aufgestellt wurde, regelt Genaues. Dort ist das FFH-Gebiet beschrieben und bewertet sowie Maßnahmen zur Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes festgelegt, wie zum Beispiel die „Fortführung der naturnahen Bewirtschaftung“. Speziell für die Bechsteinfledermaus gilt deshalb der Erhalt der laubholzreichen Bestände und geeigneter Höhlenbäume (Biotopbäume).

Der Umfang der Holznutzung ist nicht im Management-Plan festgelegt. Die wird im sogenannten Forstwirtschaftsplan geregelt, der für die öffentlichen Wälder in Bayern Pflicht ist.

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