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Erstes Spiel, erster Sieg: Zum Auftakt der Playoffs in der Basketball-Bundesliga lassen die Münchner Korbjäger ihren Gästen aus Berlin keine Chance. Unter den Augen von Bastian Schweinsteiger, Arjen Robben und Uli Hoeneß feiern sie einen deutlichen 88:67-Heimsieg gegen Alba Berlin.
Chevon Troutman hatte sein grimmigstes Gesicht aufgesetzt, wilde Entschlossenheit funkelte aus seinen Augen – wie er so von der Litfaßsäule direkt vor dem Audi Dome blickte.
Drinnen präsentierten sich der Power Forward kein bisschen weniger entschlossen, was im Übrigen auch für seine Teamkollegen galt. Schließlich nahm das mit Abstand interessanteste Playoff-Duell seinen Anfang, das schon im Viertelfinale zwei vor der Saison als Meisterschaftsfavoriten gehandelte Schwergewichte gegeneinander führte: den ambitionierten Hochglanz-Neuling Bayern München und Pokalsieger Alba Berlin, nebenbei die beiden Liga-Krösusse.
Die beiden geschonten Fußballer Arjen Robben und Bastian Schweinsteiger wollten sich das nicht entgehen lassen, und selbst der krisengeplagte FCB-Präsident Uli Hoeneß gab seinem gehätschelten Basketball-Projekt diesmal den Vorzug.
Und keiner in der mit 6700 Zuschauern ausverkauften Halle musste sein Kommen bereuen, sofern er Sympathien für die Gastgeber hegte. Die Bayern deklassierten die Berliner dank einer Klasseleistung mit 88:67 Punkten, nach dem Spiel der Vorrunde die zweite Niederlage mit zweistelliger Differenz, die Alba einstecken musste.
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Es entwickelte sich von der ersten Sekunde an ein würdiges Playoff-Duell, in das die Bayern mit Höchstgeschwindigkeit starteten. Zwei Steals von Steffen Hamann, die er beide per Dunking abschloss, schienen die Berliner schnell zu beeindrucken. Auf 12:2 Punkte zogen die Bayern weg, angeführt vom starken Kapitän Hamann und einem wie entfesselt auftrumpfenden Yotam Halperin. Der Kapitän der israelischen Nationalmannschaft wusste nicht wie in den vergangenen Wochen nur mit viel Übersicht und feinen Pässen zu überzeugen, er sammelte schon bis zur Halbzeit 13 Punkte, versenkte unter anderem drei Dreier traumhaft sicher.
Aber die Berliner fingen sich, kamen nach deutlichem 7:18-Rückstand zur ersten Sirene zurück. Je’Kel Foster brachte die Hauptstädter mit seinem Dreier zum 25:23 erstmals in Front. Ausgerechnet Foster, den die Münchner noch unter Dirk Bauermann aus disziplinarischen Gründen vor der Saison fristlos entlassen hatten. Mitte des zweiten Viertels entwickelte sich ein wahres Dreier-Festival, neunmal trafen beide Teams aus der Distanz. Mit dem besseren Ende für die Gastgeber, Brandon Thomas traf zum 44:39- Halbzeitstand.
Entscheidung im dritten Viertel
Die Bayern hatten sich nun so richtig in Fahrt gebracht, schon das dritte Viertel brachte die Entscheidung. Tyrese Rice, der bis zur Halbzeit völlig ungewohnt ohne Punkt geblieben war, übernahm nun zunehmend die Initiative. Angeführt vom blitzschnellen Amerikaner und gestützt durch eine aggressive Defense demontierten die Münchner den Gegner förmlich und zogen nach dem dritten Viertel auf 78:54 Punkte weg. Berlin war angeknockt, produzierte leichte Fehler und nahm viele Fehlwürfe. Keiner im Team wirkte, als ob er die Kollegen würde mitreißen können.

Basketball-Profi Robin Benzing
“Pesic kitzelt die Stärken der Spieler heraus”
Er ist der hoffnungsvollste Deutsche im Team der Bayern-Basketballer: Robin Benzing hat sich in dieser Saison stark verbessert. Im Gespräch berichtet er über Trainingsbesuche von Bastian Schweinsteiger, sein neues Selbstvertrauen unter Trainer Pesic und die Münchner Playoff-Hoffnungen gegen Alba Berlin.
Zwar stemmten sich Nihad Djedovic (13 Punkte), Da Shaun Wood (12), Yassin Idbihi (8) und Heiko Schaffartzik (7) nach Kräften, allein umsonst. Die mannschaftlich geschlossene Wucht der Bayern war eine Nummer zu groß für den Pokalsieger, in deren Reihen mit dem überragenden Robin Benzing (16), Rice (15), Hamann (14), Halperin (13) und Jared Homan (10) gleich fünf Akteure zweistellig punkteten.
Die Münchner haben das erhoffte Zeichen gegeben, die Gäste aus der Hauptstadt waren sichtlich beeindruckt. Die große Frage ist, wie die Berliner Spieler diese Demonstration bis zum zweiten Duell (Mittwoch 19.30 Uhr) in drei Tagen aus den Köpfen bringen wollen. Die Bayern-Basketballer jedenfalls haben sich in Sachen Selbstbewusstsein offenbar einiges von den kickenden Kollegen abgeschaut.
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