Bayern München bleibt auf Rekordkurs. Viel Glanz verbreitete der Triplesieger beim 2:0 gegen Eintracht Braunschweig aber keineswegs. Die Spieler schleppten sich sich in den Weihnachtsendspurt, waren dennoch mit der äussserst “menschlichen Leistung” zufrieden.
Die Rekordjagd macht müde. Mit schweren Beinen schlichen Doppel-Torschütze Arjen Robben und seine Kollegen nach dem glanzlosen 2:0 (2:0) gegen Schlusslicht Eintracht Braunschweig aus der Arena. Doch Zeit, sich auszuruhen, bleibt dem angeschlagenen FC Bayern München nicht. Schon am Mittwoch (20.30 Uhr) findet das Mammutprogramm im Achtelfinale des DFB-Pokals beim bayerischen Rivalen FC Augsburg eine Fortsetzung. Insgesamt noch sechs Spiele hat der Triplesieger bis Weihnachten vor sich – inklusive Champions League und Weltpokal.
Weiterfhrende Links:
Vereinsnews
Tabelle
Ergebnisse
Spielplan
Torjger
Entsprechend gelassen sah selbst Perfektionist Pep Guardiola, der seinen Stars am Montag zum kurzen Verschnaufen einen freien Tag gönnt, über eine in der zweiten Hälfte wenig souveräne Vorstellung hinweg. “Es ist ein Spiel mehr, und wir haben gewonnen”, sagte der Bayern-Trainer lapidar – und war angesichts der langen und prominent besetzten Verletztenliste vielmehr erleichtert, dass er keinen weiteren Ausfall zu beklagen hatte. Sportvorstand Matthias Sammer war ebenso “froh, dass alle durchgekommen sind”.
FC Bayern nimmt den Gang raus
Kritik gab es nach einer “grossartigen ersten Hälfte” auch von ihm nicht: “Nach der Pause haben wir zwei Gänge rausgenommen, da hat es halt gemenschelt bei uns.” Ohnehin sei es “ehrenwert, was die Mannschaft leistet”. Dem konnte Torwart Manuel Neuer nur zustimmen: “Wir sind Menschen und keine Maschinen.” Bei den vielen Spielen sei es “auch mal okay, wenn man so ein Spiel einfach nur gewinnt”, ergänzte Toni Kroos.
Über die vielen Bestmarken spricht bei den Bayern dagegen schon länger keiner mehr. Dabei ist noch nie eine Mannschaft in der Bundesliga 39 Mal in Serie ungeschlagen geblieben, hatte nach 14 Spieltagen 39 Punkte auf dem Konto und 51 Spiele hintereinander getroffen. Dass zudem noch nie ein Trainer einen derart guten Start hingelegt hat, ist fast schon selbstverständlich.
Für den 16. Bundesliga-Heimsieg der Bayern im Jahr 2013 sorgte Robben im Alleingang. Der Niederländer, der sich seit Wochen in Bestform präsentiert, traf in seinem 500. Pflichtspiel (162 Tore) als Profi bereits nach 111 Sekunden und legte in der 30. Minute nach. Es sei nach der Moskau-Reise ein “hartes Spiel” gewesen, meinte der 29-Jährige, trotzdem mache es ihm “Spass, Fussball zu spielen. Ich fühle mich sehr wohl.”
Arjen Robben in bestechender Form
Auch die Bayern haben derzeit viel Spass an ihrem Offensivspieler, dem lange Zeit der Ruf des verletzungsanfälligen Egoisten anhaftete. “Ich freue mich für Arjen, er hat Stahlbäder überstanden”, betonte Sammer. Doch Guardiola (“Arjen ist sehr wichtig für uns”) traut dem Frieden offenbar nicht so ganz. Er klopfe auf Holz, meinte er bei Sky, Robben sei “noch nicht verletzt” gewesen.
Dies sind derzeit andere: Kapitän Philipp Lahm (Oberschenkel-Zerrung), dessen Stellvertreter Bastian Schweinsteiger (Sprunggelenk-Operation), Franck Ribéry (angebrochene Rippe), Claudio Pizarro und Xherdan Shaqiri (beide Aufbautraining nach Muskelbündelriss) sowie Holger Badstuber (Reha nach Kreuzbandriss). Bei Shaqiri und eventuell sogar Lahm besteht die leise Hoffnung, dass sie schon am Mittwoch zurückkehren könnten. Doch ein Risiko wird Guardiola nicht eingehen, zumal es in der Champions League gegen Manchester City noch um den Gruppensieg und dann kurz vor dem Weihnachtsfest um den Weltpokal geht.
Sammer lobt den FCA
Doch zunächst geht es zum FCA, für Sammer kein Selbstläufer. “Das was sie in der letzten Rückrunde, aber auch jetzt leisten, ist aller Ehren wert. Da müssen wir eine Topleistung bringen”, sagte er. Thomas Müller sprach von einer “heissen Kiste”. Für den FCA sei es, so Neuer, “das Spiel des Jahres, sie wollen uns ärgern”.
Dies war Braunschweig nicht gelungen, da der Neuling in der ersten Hälfte mutlos agierte. Trotzdem war es für Coach Torsten Lieberknecht schon “eine grosse Ehre”, nach dem Spiel mit seinem berühmten Kollegen Guardiola ein paar Worte zu wechseln. Überhaupt sei es trotz der zehnten Saison-Niederlage “ein grosser Tag” für Braunschweig gewesen, nach 28 Jahren wieder beim FC Bayern zu spielen. Man habe zwar den Unterschied in vielen Phasen gesehen, “aber uns ist es gelungen, uns positiv zu verkaufen”.