Zu den Ausschreitungen in Hamburg kam es, als Linksextreme zwei “revolutionäre” Demonstrationszüge zum 1. Mai abhielten. In den Stadtteilen Sankt Pauli und Altona bewarfen Demonstranten Polizeibeamte mit Böllern und weiteren Gegenständen. 34 Beamte und mehrere Demonstranten wurden verletzt. Die Polizei nahm 18 Personen fest.
Krawalle in Sankt Pauli und Altona
Die Sicherheitskräfte hatten den Zug auf Sankt Pauli mit rund 700 Teilnehmern schon nach wenigen Metern gestoppt, weil sich Teilnehmer vermummt hatten. In Altona marschierten bis zu 1.500 Menschen aus dem linken Spektrum. Auch dort wurden gleich zu Beginn Feuerwerkskörper gezündet. Die Beamten setzten Wasserwerfer ein. Nach Auflösung der Demonstrationen kam es immer zu Auseinandersetzungen zwischen kleineren Gruppen und der Polizei. Am späten Abend beruhigte sich die Lage.
Auch in Berlin flogen bei der “revolutionären” Ersten-Mai-Demonstration Steine und Flaschen auf Polizeiautos. Schwere Krawalle wie in früheren Jahren blieben jedoch aus.
Friedliche Demos in Bayern
Gewerkschafter und Arbeitnehmer aus ganz Bayern haben sich am 1. Mai für eine neue Ordnung der Arbeit stark gemacht. Tausende kamen zu den bayernweit rund 110 Veranstaltungen. Die zentralen Kundgebungen fanden in München und Regensburg statt. Das diesjährige Motto lautete: “Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!“
Bayerns DGB-Chef Matthias Jena forderte bei einer Kundgebung zum Tag der Arbeit in Regensburg von der Politik weitere Maßnahmen zur Durchsetzung des Mindestlohnes. Manche Arbeitgeber suchten nach Schlupflöchern, um Beschäftigte weiterhin mit fünf oder sechs Euro Stundenlohn abzuspeisen.
“Ehrliche Arbeitgeber, die sich an Tarifverträge und Mindestlohn halten, dürfen jetzt nicht die Dummen sein, weil bei öffentlichen Aufträgen immer nur der billigste Anbieter zum Zuge kommt.”
Bayerns DGB-Chef Matthias Jena
Bayerns DGB-Chef Matthias Jena.
Jena verlangte ein Tariftreue- und Vergabegesetz sowie die Umkehr der Beweislast bei Mindestlohnansprüchen. Dann müsste im Streitfall der Arbeitgeber nachweisen, welche Stunden tatsächlich geleistet worden sind, und nicht mehr der Arbeitnehmer, sagte der DGB-Vorsitzende. Selbstständigkeit, Minijobs und Befristung brächten viele Menschen um eine sichere und gut bezahlte Arbeit.
Demo am 1. Mai: der Zug erreicht den Regensburger Neupfarrplatz
Als prominentester Redner trat am Vormittag auf der Hauptkundgebung am Münchner Marienplatz IG-Metall-Chef Detlef Wetzel auf.
“Neue Technologien werden die Arbeitswelt gravierend verändern, dies darf nicht zum Rückschritt für die Beschäftigten führen.”
IG-Metall-Chef Detlef Wetzel in München
Nach Angaben der Polizei kamen dieses Jahr aufgrund des regnerischen Wetters deutlich weniger Demonstranten als in den Vorjahren. Auf der Kundgebung in München seien es mittags rund 3.500 Teilnehmer gewesen. Zur DGB-Demo am Nürnberger Aufseßplatz und der Abschlusskundgebung am Nürnberger Kornmarkt kamen rund 5.500 Menschen. Dazu beteiligten sich rund 1.400 Menschen an einer Aktion der “Initiative Neue Arbeiterinnenbewegung” und zogen vom Stadtteil Gostenhof in die Innenstadt und wieder zurück.
Mindestlohn ist zentrales Thema
Ein Schwerpunkt bei den Kundgebungen war der Mindestlohn. Er verhelfe Hunderttausenden von Menschen im Freistaat zu einem besseren Einkommen, so der DGB. Seine Einhaltung müsse aber auch konsequent dokumentiert und kontrolliert werden, damit alle Beschäftigten vom Mindestlohn profitieren.
“Trotz Mindestlohn müssen wir immer noch eine beispiellose Verwilderung des Arbeitsmarktes konstatieren.”
DGB
Sieben Veranstaltungen in Südostbayern und nur eine in Oberfranken
Der DGB veranstaltete im Bereich Südostoberbayern insgesamt sieben Veranstaltungen: in Rosenheim, Burghausen, Traunreut, Waldkraiburg, Schliersee, Hausham, und Traunstein. Auch hier ging es dem Deutsche Gewerkschaftsbund um die Themen gesetzlicher Mindestlohn, sichere Rente oder mehr Steuergerechtigkeit.
In Schwarzenbach an der Saale trafen sich Vertreter des DGB am “Tag der Arbeit” zur einzigen Mai-Kundgebung Oberfrankens. Der Demonstrationszug begann um 9 Uhr vor dem Schwarzenbacher Rathaus. Zusammen mit dem örtlichen Spielmannszug zogen die Gewerkschafter zum Turnerheim.
Dultstart und Kundgebung in Passau
In Passau startete ebenfalls am 1. Mai wieder die Maidult. Das beliebte Volksfest dauert heuer einen Tag länger als sonst, nämlich elf statt nur zehn Tage. Grund dafür ist, dass der Maifeiertag auf einen Freitag fällt und das bunte Treiben darum schon am Vorabend losgehen kann. Diese Gelegenheit nutzte auch der Deutsche Gewerkschaftsbund und hielt am Tag der Arbeit auf dem Dultgelände die größte Maikundgebung Niederbayerns ab. Beginn war um 10 Uhr im Festzelt der Löwenbrauerei. Auf der Maidult stehen insgesamt 9.000 Sitzplätze zu Verfügung.