wààr
Ab und zu ist im Bayerischen Fernsehen einwandfreies Münchnerisch zu hören, an dem formal nichts auszusetzen ist. In der Serie “Spezlwirtschaft” sagte neulich der Ladeninhaber Heinzi Liebl nach einer kurzen Abwesenheit zu seiner Vertretung: “I wààr dann do!” (das a wird hier so hell wie möglich gesprochen, es klingt so ähnlich wie bei Alarm). In der Serie “München 7” sagte der einen Polizisten mimende Schmidt Max: “Oiso, i wààr jetzt do!” Und auch der Bulle von Tölz, der von Ottfried Fischer gespielte Kriminaler Benno Berghammer, sagte, nachdem sich ihm ein potenzielles Gspusi namens Beatrice vorgestellt hatte: “Und i wààr da Benno!”
All diese Aussagen wurden im astreinen Konjunktiv getätigt, also in der Möglichkeitsform, die im Deutschen nicht sehr beliebt ist und langsam ins sprachliche Abseits gedrängt wird. Aus dem Bairischen ist der Konjunktiv freilich nicht wegzudenken, denn hier drückt er Höflichkeit und Noblesse aus, also Tugenden, die konträr zu jener Krachlustigkeit stehen, die den Bayern gerne nachgesagt wird. “I wààr da Benno!” Das ist der Konjunktiv der Höflichkeit in Reinform und heißt: “Ich wär der Benno, und ich würde mich freuen, wenn wir uns ein bisserl unterhalten. Ich dränge mich aber nicht auf.” Es ist eine Art der Höflichkeit, sich im Konjunktiv vorzustellen statt im Indikativ. Doch die Zeiten ändern sich. Heute zählen Ego und Ellbogen, sie haben diesen sympathischen Konjunktiv weitgehend verdrängt.