Keime im Trinkwasser Wie sicher ist unser Trinkwasser?





00:05:59






Keime im Trinkwasser:
Wie sicher ist unser Trinkwasser?


Gleich drei Trinkwasserwarnungen gab es vergangene Woche im Freistaat. Im Landkreis Dillingen waren coliforme Keime festgestellt worden, im Landkreis Rosenheim entdeckten Experten Enterokokken im Trinkwasser. Besonders aufsehenerregend war eine Trinkwasserwarnung des Zweckverbandes Staudenwasser für Gemeinden in der Region um Augsburg: Weil ein toter Siebenschläfer in einem Trinkwasserbecken bei Siebnach gefunden wurde, mussten tausende Haushalte im Umkreis ihr Wasser abkochen. Durch das verendete Tier waren Colibakterien ins Trinkwasser gelangt. Angesichts der ungewohnten Häufung von Fällen fragen sich Menschen in ganz Bayern: Wie sicher ist unser Trinkwasser?

Schutzmaßnahmen gegen Keime

Wie bei Familie Ederle aus Siebnach bei Augsburg, stand letzte Woche in tausenden bayerischen Haushalten der Alltag auf dem Kopf. Wegen der Trinkwasserwarnungen musste Mutter Michaela Ederle jeden Tag mehrere Liter Wasser abkochen – denn neben Trinken war auch Zähneputzen und Obstwaschen mit Leitungswasser tabu. “Das ist schon nervig und aufwendig, weil man auch ständig hinterher sein muss, was die Kinder essen, dass die nicht einfach Obst unterm Wasserhahn abwaschen”, erzählt Michaela Ederle in ihrer Küche, während ihre beiden Töchter Emma und Sara beim Salatwaschen mit abgekochtem Leitungswasser helfen. Sogar im Kindergarten wurden Hände und Gesicht in der vergangenen Woche nur mit Mineralwasser gewaschen. Ein Ausnahmezustand, der für Michaela Ederle auch ein lehrreiches Ereignis war:

“Man merkt erst einmal, was für ein Luxus es eigentlich ist, immer und jederzeit so ein sauberes und hochwertiges Leitungswasser zur Verfügung zu haben.”

Michaela Ederle

Vorsicht bei Fernreisen



zum Artikel



Durchfallerkrankungen
Montezumas Rache


Heißer Sand und gleißende Sonne – wer sagt da schon “Nein” zum eisgekühlten Getränk vom fliegenden Händler? Doch in Wasser, Eis und Salaten lauern Keime: 35 bis 50 Prozent aller Fernreisenden bekommen Montezumas Rache zu spüren.
[mehr]

Denn die Gefahr durch bakteriell verunreinigtes Leitungswasser kennen die meisten Deutschen nur von Fernreisen. Wie schlimm die Folgen einer Infektion durch verkeimtes Wasser sein können, musste Gabi Oparaugo aus Augsburg am eigenen Leib erfahren. Auf einer Afrikareise aß sie Salat, der zuvor mit unreinem Wasser gewaschen wurde. Sie hatte Fieber, Gliederschmerzen, Erbrechen und starke Bauchkrämpfe. Ihr Hausarzt Dr. Josef Schreiegg hatte Gabi Oparaugo nach ihrer Rückkehr behandelt. In ihren Stuhlproben wurden hohe Konzentrationen von Escherichia Coli festgestellt. Einige E-Coli-Stämme können schwere Erkrankungen hervorrufen. “Coli-Bakterien sind vor allem für bestimmte Risikogruppen gefährlich, insbesondere für kleine Kinder und ältere Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Ganz entscheidend ist die Menge der Bakterien, die man zu sich nimmt”, erklärt Dr. Schreiegg. Das Trinkwasser in Deutschland hält der Arzt für besonders sicher. 

Sicheres Trinkwasser dank engmaschiger Kontrollen

Denn die Probleme der vergangenen Woche zeigen auch, dass die Kontroll- und Meldesysteme beim Trinkwasser funktionieren. Die Verunreinigungen bei Rosenheim, Dillingen und Augsburg wurden so schnell entdeckt, weil in Deutschland laufend Wasserproben genommen und in zertifizierten Laboren ausgewertet werden. Professor Jörg Drewes von der Technischen Universität München forscht seit Jahren zum Thema Trinkwassersicherheit:

“Die Trinkwasserversorgung und -qualität in Deutschland ist ausgezeichnet, im internationalen Vergleich sind wir sicherlich in der Spitzengruppe. Dennoch gibt es natürlich Risiken, die wir immer im Auge haben müssen: Die wichtigsten potenziellen Verunreinigungsquellen sind Hochwasserereignisse, Starkregenereignisse, die technische Anlagen überschwemmen können, aber auch Wasserleitungen, die brechen und Kurzschlüsse verursachen können.”

Prof. Dr.-Ing. Jörg Drewes, Institut für Umwelt und Wasser, TU München



zum Audio mit Informationen



Legionärskrankheit
Gefahr aus dem Wasserhahn


Die Gefahr lauert in der Wasserleitung: Legionellen-Bakterien, die eine schwere Form der Lungenentzündung verursachen können. Infizieren kann man sich rasch und unauffällig, zum Beispiel beim Duschen.
[mehr]

Die Forscher suchen gezielt nach E Coli und Enterokokken, sogenannten Indikatorkeimen, die oft ein Hinweis auf andere Krankheitserreger im Wasser sind. Und noch eine Gefahr spielt bei der Wasserversorgung immer eine Rolle: Legionellen. Diese Keime können gefährliche Lungenentzündungen verursachen und vermehren sich auch in Warmwasseranlagen in Privathaushalten. Die letzten großen Legionellose-Ausbrüche entstanden aber wohl durch Wasserdampf aus Kühlanlagen. Erst letzten Monat beherrschte so ein Fall mit drei Todesopfern in Warstein die Nachrichten.

Entwarnung im Freistaat

Nach den Bakterienfunden der letzten Wochen herrscht jetzt wieder Alltag im ganzen Freistaat – die Gesundheitsämter haben die Abkochanordnungen aufgehoben, nachdem neue Proben keine Verkeimungen mehr aufwiesen. Nur in einzelnen Ortsteilen werden noch Chlorungsmaßnahmen durchgeführt. Für Familie Ederle und tausende betroffene Haushalte bedeutet das: Endlich wieder sorgenfrei Wasser aus dem Hahn genießen!

This entry was posted in DE and tagged by News4Me. Bookmark the permalink.

About News4Me

Globe-informer on Argentinian, Bahraini, Bavarian, Bosnian, Briton, Cantonese, Catalan, Chilean, Congolese, Croat, Ethiopian, Finnish, Flemish, German, Hungarian, Icelandic, Indian, Irish, Israeli, Jordanian, Javanese, Kiwi, Kurd, Kurdish, Malawian, Malay, Malaysian, Mauritian, Mongolian, Mozambican, Nepali, Nigerian, Paki, Palestinian, Papuan, Senegalese, Sicilian, Singaporean, Slovenian, South African, Syrian, Tanzanian, Texan, Tibetan, Ukrainian, Valencian, Venetian, and Venezuelan news

Leave a Reply