Im Schatten des Krieges – WESER

Auch für sie ist es ein Auswärtsspiel, rund 1000 Kilometer Luftlinie entfernt von ihrem eigentlichen Stadion, der stark beschädigten Donbass-Arena. Bei der EM 2012 war sie das Symbol des ukrainischen Vorzeigevereins. Letztmals wurde dort am 2. Mai 2014 Fußball gespielt. Heute dient das Stadion als Lebensmittel-Sammelstelle für die Not leidende Bevölkerung.

Badstuber hat sich für eine möglichst pragmatische Herangehensweise entschieden, vermutlich schon aus Selbstschutz. „Klar bekommt man es mit“, hat der 25-Jährige zum Konflikt gesagt, „aber wir haben ein schwieriges Spiel vor der Brust, da muss die Konzentration zu hundert Prozent auf dem Spiel liegen.“ Zumindest vor der Partie begleitet die Münchner ein mulmiges Gefühl. Direkt nach der Begegnung werden sie zurückfliegen. Der Münchner Flughafen hat ihnen eine Sondererlaubnis zur nächtlichen Landung gewährt, weil sie aus einem Krisengebiet kommen.

Beim FC Bayern versuchen sie, so angemessen wie möglich mit der Situation umzugehen. Das Wintertrainingslager in Katar und vor allem das Testspiel in Saudi-Arabien hatten ihnen viel Kritik eingebracht. Jetzt liegt der Fall zwar völlig anders, aber die Münchner sind bemüht, politische Fettnäpfchen diesmal auszulassen. „Wir können nur alle hoffen, dass der Waffenstillstand eingehalten wird, damit die Menschen in der Ostukraine den Frieden bekommen“, sagte Präsident Karl Hopfner.

Einige Spieler lassen deutlicher erkennen, wie sehr sie die Umstände beschäftigen. Arjen Robben zum Beispiel. „Wir sind zwar Fußballer, aber in erster Linie Menschen“, sagte er, den Krieg in der Ukraine könne man nicht ausblenden, „das geht jedem ans Herz“. Für Thomas Müller, während der EM 2012 mit der deutschen Nationalelf zwei Mal im Lemberger Stadion zu Gast, ist die aktuelle Situation surreal. „Man weiß, dass dort dieser schreckliche Krieg ist, realisiert es aber nicht so, weil man eine solche Situation Gott sei Dank nicht kennt. Es ist ein ganz komisches Gefühl.“ Müller findet zwar, dass man dem Sport Unrecht tue, „wenn er oder die Vereine in politische Fragen eingreifen sollen. Andererseits dürfen und können wir Fußballer die Augen vor so gravierenden Problemen nicht verschließen.“

Es könnte auch rein sportlich eine durchaus heikle Dienstreise werden. Für Schachtjor ist es zwar das erste Pflichtspiel nach der Winterpause, in der aus Sicht des Trainers Mircea Lucescu eine Testspielrundreise durch Brasilien „eher ein schlechter Witz“ war. Aber seine Mannschaft mit vielen brasilianischen und anderen internationalen Profis gilt durchaus als Herausforderung für die Münchner. Nicht zuletzt durch Luiz Adriano, der mit neun Toren bisher erfolgreichste Angreifer dieser Champions-League-Saison.

Auch Schachtjor wird wieder abreisen, zurück nach Kiew, wohin sie sich geflüchtet haben. Ob sie irgendwann wieder echte Heimspiele daheim in Donezk austragen können, ob der Verein überhaupt jemals eine Zukunft hat? Sie hoffen es jedenfalls. „Eines Tages wird der Krieg enden, wir werden zurückgehen nach Donezk und seine Straßen küssen“, hat Kapitän Darijo Srna gesagt.

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