Interkultureller Jugendpreis im Gedenken an bayerische NSU-Opfer
Im Gedenken an die bayerischen Opfer der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) rufen die Städte Nürnberg und München gemeinsam mit dem Freistaat Bayern einen interkulturellen Jugendpreis ins Leben. Den Preis haben die Oberbürgermeister beider Kommunen, Dr. Ulrich Maly und Christian Ude, bei einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag in München vorgestellt. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 9.000 Euro dotiert und würdigt vorbildliche Jugendprojekte, die den interkulturellen Dialog und das respektvolle Miteinander von Kindern und Jugendlichen fördern. Der Preis wird am 21. März 2015, dem “Internationalen Tag gegen Rassismus”, erstmals in Nürnberg verliehen und dann im jährlichen Wechsel federführend von Nürnberg und München vergeben.
“Wir wollen mit dem Interkulturellen Jugendpreis einen Beitrag leisten, dass die menschenverachtenden Verbrechen weiter im öffentlichen Blick bleiben. Neben einem würdevollen Gedenken geht es auch um ein deutliches Zeichen der gesellschaftlichen und politischen Ächtung neonazistischer Gewalt”, so Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Maly. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude erklärte: “Die Gespräche mit den Angehörigen der Münchner NSU-Opfer haben mir das Leid und die Traumatisierung der Opferfamilien noch einmal deutlich vor Augen geführt. Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger motivieren, sich dafür einzusetzen, dass anderen Menschen derlei schreckliche Erfahrungen erspart bleiben. Der Interkulturelle Jugendpreis ist ein Baustein zur Förderung einer solchen aktiven Zivilgesellschaft.” Dieses Vorhaben entspricht ausdrücklich dem politischen Wunsch des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr. Deshalb hat auch Staatsminister Joachim Herrmann seine Beteiligung zugesagt.
Die Enthüllungen und Erkenntnisse darüber, dass der NSU mehr als 13 Jahre lang mordend und raubend durch Deutschland ziehen konnte, ohne dass ihm die Ermittlungsbehörden auf die Spur kamen, hatten bundesweit Entsetzen und Scham hervorgerufen. Allein fünf Menschen mit türkischen und griechischen Wurzeln wurden in dieser Zeit in Nürnberg und München ermordet: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Habil Kılıç, Ismail Yaşar und Theodoros Boulgarides.
Erst vor wenigen Wochen hatte die Landeshauptstadt München für die beiden Münchner Opfer – Habil Kılıç und Theodoros Boulgarides – zwei Gedenktafeln enthüllt. Neben diesem würdevollen Erinnern und ergänzend zur bisherigen interkulturellen und antirassistischen Arbeit beider Städte soll mit dem Jugendpreis ein deutliches Zeichen der gesellschaftlichen und politischen Ächtung von neonazistischer Gewalt und alltäglichem Rassismus gesetzt werden. Ziel ist es auch, einen Beitrag zur Prävention zu leisten und dabei vor allem die Bedeutung zivilgesellschaftlicher Initiativen zu betonen, öffentlich zu würdigen und zur Nachahmung anzuregen.
Ausgezeichnet werden können Projekte von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in München und Nürnberg bis zum Alter von 25 Jahren, die in besonderer Weise für einen respektvollen Umgang von Menschen unterschiedlicher Herkunft in ihrer Stadt eintreten. Dazu gehört, sich gegen Menschenfeindlichkeit zu engagieren sowie sich für Dialog und Begegnung einzusetzen. Die Projekte können musik-, sport- oder zivilgesellschaftlich bezogen sein und etwa am Ausbildungsplatz, an der Schule, Hochschule oder bei der Freiwilligen Feuerwehr stattfinden.
Oberbürgermeister Christian Ude sagte mit Blick auf die Jury: “Mich freut insbesondere, dass Yvonne Boulgarides, die Witwe des in München ermordeten Theodoros Boulgarides, meine Einladung angenommen hat, sich als Jurymitglied an der Vergabe des interkulturellen Jugendpreises zu beteiligen. Neben Familienangehörigen der fünf bayerischen Opfer möchten wir aber natürlich auch junge Menschen in die Jury berufen. Denn wer kann die Wirkung von Jugendprojekten besser beurteilen als Jugendliche selbst? Zudem werden jeweils eine Vertretung des Ausländerbeirates München und des Integrationsrates Nürnberg in die Jury berufen. Der Münchner Ausländerbeirat und der Nürnberger Integrationsrat sind wichtige Partner in der Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus.”
Die Organisation des interkulturellen Jugendpreises wird gemeinsam vom Menschenrechtsbüro Nürnberg, der Stelle für interkulturelle Arbeit der Landeshauptstadt München und dem Fachbereich Politische Bildung des Pädagogischen Instituts München übernommen. Bei den jugendlichen Jurymitgliedern ist unter anderem an Schülerinnen und Schüler der “Schulen ohne Rassismus” sowie an Engagierte in der außerschulischen Jugendarbeit gedacht.
Im Januar/Februar 2014 findet eine außerordentliche, konstituierende Sitzung der Jury in Nürnberg statt. Die Jury wird einen offiziellen Namen für den Preis bestimmen und einen ausführlichen Katalog erarbeiten, der die Vergabekriterien festlegt. Spätestens Anfang Mai 2014 wird der Preis erstmalig ausgeschrieben. Ende September 2014 tritt die Jury in München zusammen und schlägt die Preisträger vor.