“Allererste Sahne”
Heynckes: Liebeserklärung an seine Super-Bayern
Hamburg – Nach der absoluten Demonstration der Stärke hatte selbst der sonst so strenge Jupp Heynckes nichts mehr zu kritisieren. Die Streicheleinheiten sind verständlich.
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Jupp Heynckes bejubelt seine Bayern
Seine Bayern hatten gerade die Patzer der Konkurrenz eiskalt ausgenutzt und den vorher so aufmüpfigen Hamburger SV durch das 3:0 (1:0) auf Normalmaß gestutzt, da ließ sich der völlig entspannte 67-Jährige zu einer kleinen Liebeserklärung an seine Jungs hinreißen. „Die Leistung meiner Mannschaft war allererste Sahne. Jeder hat für jeden gearbeitet“, sagte Heynckes mit väterlichem Stolz in der Stimme, „wie wir den Sieg errungen haben, das war erstklassig, das war ausgezeichnet.“
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Die Streicheleinheiten von Heynckes waren mehr als verständlich. Nach dem Ausrutscher vergangene Woche gegen Bayer Leverkusen (1:2) zeigte seine Mannschaft eine starke Reaktion und ist der „Konkurrenz“ bereits auf Fernglas-Abstand enteilt.
Sieben Punkte Vorsprung haben die Bayern auf Schalke 04 und Eintracht Frankfurt, auf Meister Borussia Dortmund sind es bereits elf. Und so konnte sich Thomas Müller, der Kunstschütze zum vorentscheidenden 2:0 einen Seitenhieb auf die Verfolger auch nicht verkneifen.
„Jeder in der Liga, der auf einen Ausrutscher von uns gehofft hat, der hat Pech gehabt“, kommentierte Müller mit dem gewohnten Lächeln im Gesicht den perfekten Spieltag für den Rekordmeister, „deswegen haben wir einen schönen Abend, der Rest der Spitzengruppe nicht. Deswegen freut es uns.“
Die Bayern können im Moment vor lauter Selbstvertrauen kaum laufen. Die letzten sieben Auswärtsspiele in der Bundesliga haben die Münchner alle gewonnen, zudem blieben sie als erste Mannschaft in der Bundesliga-Geschichte in den ersten fünf Gastspielen einer Saison ohne Gegentor.
Auch der HSV, der vorher mutig ein Spektakel und großen Kampf angekündigt hatte, war vor der Champions-League-Partie gegen den OSC Lille am Mittwoch nicht mehr als ein Spielball für die vom überragenden Franck Ribery angeführten Elitekicker aus dem Süden.
Der FC Bayern hatte stets alles unter Kontrolle, konnte nach Belieben das Tempo anziehen und ging durch Bastian Schweinsteigers Kopfball (39.) verdient noch vor der Pause in Führung. Konnten die Hamburger bis dahin noch mit Abstrichen mithalten, brachen danach alle Dämme.
Müller (49.) und Toni Kroos (53.) machten schließlich alles klar. Anschließend bettelte der HSV fast 40 Minuten um Erlösung in Form des Abpfiffs. „Wir waren von Anfang an bissig, aggressiv, gut in den Zweikämpfen und haben uns nach und nach Torchancen erspielt“, sagte Kroos lapidar, „die spielerische Leichtigkeit kam immer mehr hinzu, und dann haben wir entsprechend die Tore gemacht. ` Präsident Uli Hoeneß klang beim ZDF schon etwas euphorischer: `Das ist fast schon Fußball-Kunst.“
Doch die Bayern wären nicht die Bayern, wenn sie nach Abpfiff des Spiels nicht schon sofort wieder den Blick nach vorne gerichtet hätten. „Wir werden einen langen Atem haben müssen. In der letzten Saison hatten wir eine ähnlich gute Serie, aber haben uns dann vielleicht ein bisschen ausgeruht“, sagte Torhüter Manuel Neuer, „aber wir sind gewarnt und halten die Konzentration hoch.“
Eine Wiederholung der grausigen Herbst-Depressionen 2011 mit drei Niederlagen in der Bundesliga – sie wird laut Heynckes in diesem Jahr nicht stattfinden. „Das kennt man ja, dass man Szenarien erschreiben möchte. Aber davon lassen wir uns nicht beeindrucken“, sagte er, seine Mannschaft habe sich gerade defensiv enorm weiterentwickelt.
Außerdem „haben wir sehr viele Optionen, einen erstklassigen Kader. Das beflügelt sicher auch den einen oder anderen Spieler nicht nur 100, sondern 120 Prozent zu geben.“ Eine weitere Liebeserklärung von Heynckes an seinen Kader, den die Konkurrenz aus Dortmund und Gelsenkirchen als Warnung verstehen muss.
sid
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