Gutes Bier und schlechte Luft

Es geht nicht immer ernst zu au einer Wallfahrt. Einige Kostproben hab ich schon erlebt. Gerade wenn die Anstrengung am höchsten war, hilft Heiteres, sich zu entspannen. So verwundert es nicht, dass die 16 Kreuzbergmusikanten am Ende der Kniebreche plötzlich fröhliche Lieder anstimmen. Beim Kreuzberg-Lied hakt sich die ganze Pilgerschar unter, singt mit und schunkelt vergnügt. Die Anstrengung der letzten halben Stunde scheint wie weggeblasen. Wenige Meter noch, dann stehen wir am Gipfel.

„Am hohen Kreuz“ heißt dieser Ort. Von dem Kreuz jedoch ist seit mehr als einem Jahr nur noch die Halterung übrig. Das riesige hölzerne Kruzifix auf dem Gipfel war morsch und muss erneuert werden. Nur der Sendemast des Bayerischen Rundfunks ragt unweit davon in den Himmel. Eine letzte kurze Andacht und noch ein fröhliches Lied, dann kann es hinunter gehen zum Kloster.

Auf dem Platz davor sammeln sich die Wallfahrer, um gemeinsam zur Kirche zu ziehen. Mit der Monstranz, die einen Kreuzsplitter enthält, zieht der Klostervorsteher den Pilgern voran. Auf dem Kirchvorplatz empfangen sie den Segen, bevor es in die barocke Kirche geht.

Sehr viel Weihrauch hat Bruder Johannes Matthias angezündet und ich muss an die Geschichte vom Küster August denken, die Pfarrer Sternagel am Abend zuvor erzählt . Ob wir wirklich schlecht riechen?

Ich vertreibe den Gedanken und genieße den vollen Klang vieler hundert Stimmen, die „Großer Gott, wir loben dich“ singen. Ein Moment, der auch den beeindruckt, der ansonsten mit Kirchenliedern wenig anzufangen weiß.

Viele Freunde und Verwandte der Wallfahrer sind zum Kreuzberg hochgefahren. Man sitzt beisammen, spricht über die Erlebnisse der letzten Tage und über längst vergangene Wallfahrten. Das dunkle Bier, das am Kreuzberg gebraut wird, schmeckt in solchen Augenblicken besonders gut.

Quartier bekomme ich in einem Acht-Bett-Zimmer. Draußen im Gang warnt ein Schild vor Erstickungsgefahr. Ob es wohl auf die Ausdünstungen gemünzt ist, die in diesem Quartier zu erwarten sind.

Endlich habe ich Zeit, unter die Dusche zu steigen und mir hinterher eine knusprige Schweinshaxe zu kaufen. Die mit einem Bier zusammen, schon allein das wäre die Wallfahrt wert gewesen. Endlich haben wir Zeit uns auszuruhen. Den ganzen Nachmittag lang. Am Abend wird getanzt, die Kreuzbergmusik spielt dazu später auf. Mal sehen, was die müden Knochen der Wallfahrer noch zuwege bringen.

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