Gut für Guardiola Neuzugang Costa verzückt den FC Bayern – T

Von Thomas Tamberg

Pep Guardiola hatte an diesem 1. Juli seine Spieler gerade zur ersten Übungseinheit der neuen Saison um sich versammelt. Wenige Meter Luftlinie entfernt setzte auf der Geschäftsstelle des FC Bayern ein Mann namens Douglas Costa de Souza sein Autogramm unter einen Fünfjahresvertrag. Die Nachricht sprach sich bei Fans und Journalisten auf dem Trainingsgelände natürlich schnell herum.

Douglas wer? Wie teuer soll der gewesen sein? 30 Millionen? Ein Brasilianer aus der Ukraine, den kaum einer kennt? Und der bekommt gleich einen Kontrakt über ein halbes Jahrzehnt? Jetzt wirds aber vogelwild mit dem Pep bei Bayern! So in etwa lautete die erste Meinungslage an diesem Sommermittag unter den Beobachtern an der Säbener Straße.

Costa bislang der zwölfte Brasilianer bei Bayern

Es passte ins vorurteilbehaftete Bild, dass die Bayern ihren neuen Millionen-Mann gar nicht erst offiziell vorstellten, sondern lediglich eine Pressemitteilung herausgaben. Erst zehn Tage später wurde der zwölfte brasilianische Profi in der Klubgeschichte des FC Bayern der Öffentlichkeit präsentiert. Dass dies zusammen mit Nachwuchskicker Joshua Kimmich geschah, verstärkte die Wahrnehmung, Costa sei ein Transfer von vielen. Zumal der Termin mit der Verkündung des Abschieds von Bastian Schweinsteiger zusammenfiel.

Gerade einmal anderthalb Monate und ein einziges Bundesligaspiel später hat sich der erste Eindruck über Costa grundlegend geändert. Nun müssen wohl auch die größten Skeptiker zugeben, dass die Verantwortlichen des FC Bayern offensichtlich doch mit einer ordentlichen Portion Fußballsachverstand ausgestattet sind.

Douglas Costa, gesprochen “Doglas Costa”, wie Thomas Müller verraten hat, zeigte beim 5:0-Sieg gegen den Hamburger SV ein Bundesliga-Debüt, das fast keine Fragen offen ließ. Bis auf eine vielleicht: Kann der Brasilianer diese Leistung auch nur ansatzweise wiederholen? Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge tritt sicherheitshalber mit ganzer Kraft auf die Euphorie-Bremse. “Die ersten Spiele ist man oft auch motiviert, das muss man dann immer wieder unter Beweis stellen.”

Costa erinnert an Zé Roberto

Von den letzten vier Spielern vor Costa, die die Rückennummer 11 beim FC Bayern getragen haben, konnte jedenfalls bis auf eine Ausnahme keiner einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Xherdan Shaqiri, Ivica Olic und Lukas Podolski zogen schnell wieder weiter. Einzig Zé Roberto fand in München sein Glück. Gutes Omen: Ausgerechnet der heute 41-Jährige ist Costas großes Vorbild.

Ähnlich wie einst Zé Roberto begeisterte gegen Hamburg jetzt Costa mit seiner Schnelligkeit, seiner Technik, seinem Einsatz und nicht zuletzt mit seinem spektakulären Tor die Fans und den Gegner gleichermaßen. Dennis Diekmeier verpasste dem neuen Bayern-Star gleich den Spitznamen “Rakete”, obwohl Diekmeier selbst pfeilschnell ist. Doch beim ungleichen Duell zwischen dem HSV und Bayern hatte er meist nur die Hacken des Brasilianers gesehen.

Neun Jahre später beginnt die große Zeit des Titel-Sammelns, die bis heute andauert und München quasi im Jahresrhythmus Erfolge beschert. Im DFB-Pokal-Finale 1966 bezwingt der FC Bayern den MSV Duisburg mit 4:2. Der jugoslawische Coach Zlatko Tschik Cajkovski (li.) und Kapitän Werner Olk präsentieren den Fans den Pott - den Grundstein für den ersten internationalen Triumph im darauffolgenden Jahr. (Quelle: imago/WEREK) Damit feiert der FC Bayern 1967 seine Premiere als Europapokal-Sieger - und Torjäger Gerd Müller kann nach dem Finale in der Kabine einen ordentlichen Schluck aus der Trophäe nehmen,                                           (Quelle: imago/Sven Simon) Im zweiten Duell mit Madrid lässt das Team von Udo Lattek nichts anbrennen und gewinnt durch jeweils zwei Tore von Gerd Müller und Uli Hoeneß mit 4:0. Der Bomber stemmt den ersten Henkelpott der Bayern in die Höhe - wenige Wochen später folgt für viele Münchner Spieler eine weitere Krönung: der Triumph mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land. (Quelle: imago/Colorsport) Nach fünf titellosen Spielzeiten in der Bundesliga führt das Duo Karl-Heinz Rummenigge (li.) und Paul Breitner unter dem ungarischen Trainer Pal Csernai den FC Bayern München in der Saison 1979/1980 wieder zur Deutschen Meisterschaft - der FC Breitnigge ist geboren. (Quelle: imago/WEREK) Im DFB-Pokal-Endspiel 1982 gegen den 1. FC Nürnberg bekommt Dieter Hoeneß bereits in Hälfte eins eine stark blutende Platzwunde am Kopf verpasst. Trotzdem spielt die Kämpfernatur mit einem Turban-artigen Verband durch und markiert sogar den 4:2-Endstand - per Kopf! Der FC Bayern ist nach elf Jahren wieder Pokalsieger. (Quelle: imago/Sven Simon) Am Ende setzt sich der FCB mit 7:6 durch und der zurückgekehrte Coach Udo Lattek (re.) kann seinen sechsten Titel an der Isar feiern. Insgesamt bringt die Trainer-Legende dem FC Bayern zehn Mal Zuwachs für die Titelsammlung. (Quelle: imago/Kicker/Eissner, Liedel) Nach seinem Wechsel an die Isar darf auch Lothar Matthäus jubeln. In der Saison 1984/1985 gelingt dem FC Bayern zum dritten Mal das Kunststück, stets auf Platz eins der Tabelle zu stehen. Trotzdem wird Meistertitel Nummer acht erst am letzten Spieltag mit einem 1:0-Sieg in Braunschweig eingefahren. (Quelle: imago/Kicker/Liedel) In der folgenden Saison 1989/1990 folgt sogleich der zweite Streich von Jupp Heynckes und die Meisterschale darf im Retro-Look like a Sir präsentiert werden. Auf dem Münchner Rathausbalkon macht der Coach den Fans dann ein Versprechen auf den Europokal-Titel, dass er erst in seiner zweiten Amtszeit einlösen kann. Niemand ahnt, dass die Bayern vier Jahre auf den nächsten Titel warten müssen. (Quelle: imago/Fred Joch) ... am Ende steht nach den beiden Finalsiegen (2:0 und 3:1) gegen Girondins Bordeaux der erste UEFA-Pokal-Titel der Vereinsgeschichte zu Buche. Als damaliger Rekord-Torschütze des Wettbewerbs darf sich Jürgen Klinsmann einen ordentlichen Schluck aus dem Pott genehmigen. Kein einfaches Vorhaben, wie man sieht. (Quelle: imago/Sven Simon)

Alle Titel-Triumphe des FC Bayern

Offensichtlich haben die Bayern in dem Linksfuß den Spieler gefunden, den sie so lange gesucht haben. Spätestens im letzten Jahr wurde klar, wie dringend die Münchner einen weiteren dribbelstarken Flügelspieler brauchen. Als Arjen Robben und Franck Ribéry in der Endphase ausgefallen waren, kam das Offensivspiel nahezu zum Erliegen.

Dante und Rafinha müssen übersetzen

Vor allem Guardiola soll sich für den neuen Raketenmann stark gemacht haben. Als er mit dem FC Barcelona 2011 gegen Schachtjor Donezk in der Champions League antreten musste, soll ihm Costa bereits aufgefallen sein. Mit seinem starken Auftritt hat der 24-Jährige vorerst auch jenen Kritikern den Wind aus den Segeln genommen, die Guardiola vorgeworfen hatten, Klub-Ikonen wie Bastian Schweinsteiger zu vergraulen und stattdessen unbekannte Spieler wie Costa für viel Geld zu verpflichten, die sich am Ende nicht durchsetzen würden.

Dieter Hecking bei der PK nach dem Spiel gegen Frankfurt. (Screenshot: Omnisport)Dieter Hecking bei der PK nach dem Spiel gegen Frankfurt. (Screenshot: Omnisport)


Dieter Hecking nimmt Kevin De Bruyne in Schutz

Anwar El Ghazi verzieht aus rund 25 Metern. (Screenshot: Omnisport)Anwar El Ghazi verzieht aus rund 25 Metern. (Screenshot: Omnisport)


Dieser Schuss geht vollkommen in die Hose

André Breitenreiter bei der PK nach dem Spiel in Bremen. (Screenshot: Omnisport)André Breitenreiter bei der PK nach dem Spiel in Bremen. (Screenshot: Omnisport)


Breitenreiter: “Noch lange nicht da, wo wir sein wollen”

Schiedsrichter bleibt nach Kartenwurf ganz gelassen. (Screenshot: Omnisport)Schiedsrichter bleibt nach Kartenwurf ganz gelassen. (Screenshot: Omnisport)


Schiedsrichter bleibt nach Kartenwurf ganz gelassen

Torlinientechnik: Hummels hat Verbesserungsvorschlag. (Screenshot: Omnisport)Torlinientechnik: Hummels hat Verbesserungsvorschlag. (Screenshot: Omnisport)


Torlinientechnik: Hummels hat Verbesserungsvorschlag

Tuchel erklärt, warum Bürki die neue Nummer eins ist. (Screenshot: Omnisport)Tuchel erklärt, warum Bürki die neue Nummer eins ist. (Screenshot: Omnisport)


Tuchel erklärt, warum Bürki die neue Nummer eins ist

Serena Williams lässt Andrea Petkovic keine Chance. (Screenshot: ran) (Quelle: ran)Serena Williams lässt Andrea Petkovic keine Chance. (Screenshot: ran)


Serena Williams lässt Andrea Petkovic keine Chance

Ausflüge sollte dieser Torwart nochmal üben. (Screenshot: Omnisport)Ausflüge sollte dieser Torwart nochmal üben. (Screenshot: Omnisport)


Ausflüge sollte dieser Torwart nochmal üben

Tobias Schweinsteiger äußert sich zum Wechsel seines Bruders Bastian. (Screenshot: Omnisport)Tobias Schweinsteiger äußert sich zum Wechsel seines Bruders Bastian. (Screenshot: Omnisport)


Schweinsteiger: “Bei Bastis Klasse reichen 90 Prozent”

Der neunfache brasilianische Nationalspieler weiß um die große Chance, sich beim FC Bayern einen internationalen Namen verschaffen zu können. Entsprechend entschlossen geht er zu Werke. “Ich bin begeistert von München und den Bayern, es war der entscheidende Schritt für meine Karriere, hierherzukommen”, sagte er.

Auch außerhalb des Platzes will er Gas geben. Costa, der noch im Hotel wohnt, spricht Portugiesisch, kein Deutsch und kaum Spanisch. Derzeit sind es vor allem seine Landsleute Rafinha und Dante, die ihm die Integration erleichtern. Auf Dauer wird das nicht reichen. Wer aber mit 19 Jahren seine Heimat Brasilien in Richtung Ukraine verlässt und sich dort in fast fünf Jahren zum Weltklasse-Fußballer weiterentwickelt, sollte es auch in München schaffen.

Costa läuft Ribéry bereits den Rang ab

Weltmeister Müller bescheinigte dem neuen Kollegen jedenfalls schon mal eine “wahnsinnige Energie”. Obendrein sei er “ein guter Typ” und dazu “sehr mannschaftsdienlich”. Arjen Robben nannte ihn eine “Extrawaffe”. Bayern habe einen guten Spieler gekauft, sagte Guardiola und schwärmte: “Er kann einer der fünf besten Außenstürmer der Welt werden.”

Und hier liegt die Kehrseite der Medaille. Schließlich spielen bereits zwei dieser fünf weltweit besten Außenbahnspieler beim FC Bayern. Während Robben dem neuen und ungewohnten Konkurrenzkampf noch entspannt entgegenblicken dürfte, sieht es bei Ribéry etwas anders aus. Der noch immer verletzte Franzose musste die Costa-Gala von der Tribüne aus verfolgen.

Seit über fünf Monaten plagt sich der 32-Jährige mit einer Knochenhautentzündung im rechten Sprunggelenk herum. Es wird noch einige Wochen dauern, bis Ribéry wieder auf den Fußballplatz zurückkehren wird. Solange muss der Publikumsliebling zusehen, wie ihm sein vermeintlicher Nachfolger nach und nach den Rang abläuft. Sportlich und auch in der Gunst der Fans.

“Alles okay”, mehr wollte der sensible Franzose nach dem HSV-Spiel nicht sagen. Kein Wort zum Spiel, kein Wort über Costa. Noch ist es zu früh, über eine Wachablösung zu sprechen. Doch sie könnte in dieser Saison bevorstehen. Folgt auf König Ribéry bald Rocket-Man Costa?

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