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Bayern geht es glänzend, das will sich der liberale Wirtschaftsminister Zeil auch anrechnen lassen. Doch seiner Partei geht es dreckig: Die FDP steht Umfragen zufolge vor dem Rauswurf aus dem Landtag – und schürt im Wahlkampfendspurt die Angst der Wähler vor einer Alleinregierung.
Zwei Stunden, 15 Minuten – wenn sich Bayerns Liberale an diesem Samstag in München zum Sonderparteitag treffen, dann geht es so kurz vor der Wahl nur noch um eines: Mut machen. Die Tagesordnung sieht nichts anderes vor, auch wenn die Programmpunkte anders lauten: Spitzenkandidat begrüßt . . ., Beschlussfassung “Bayerns treibende Kraft”. . ., ein bisschen FDP-Fernsehen gibt es auch. Der Spot zur Landtagswahl wird noch einmal gezeigt. Darin fragt eine Stimme: “Was wäre Bayern ohne Gelb?”
Eine gute Frage.
Wissenschafts- und Kunstminister Wolfgang Heubisch, 67, sitzt im Café Luitpold in der Münchner Innenstadt. Er trinkt Tee, gleich muss er weiter nach Schwaben. Ein Museum besuchen. Und natürlich die Parteibasis. Im Bayern ohne Gelb wäre er – erstmal arbeitslos. Und Wirtschaftsminister Martin Zeil, 57, sein Parteifreund? Der natürlich auch.
Die FDP in Bayern liegt nun bei drei bis vier Prozent
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Zeil steht am Donnerstagabend im Studio des Bayerischen Fernsehens, beim TV-Wettstreit der Spitzenkandidaten der kleinen Parteien. Die Kandidatin der Grünen ist da, Margarete Bause. Und Hubert Aiwanger, der Chef der Freien Wähler. Sie sagen oft: “Wir wollen.” Zeil sagt oft: “Ich habe” und “In meiner Verantwortung”.
Die FDP regiert mit. Das ist der Unterschied. Und Zeil wirkt wie aufgezogen, jedenfalls redet er schneller als sonst. Und beim Friseur war er auch. Sein weißes Haar liegt wie ein Spoiler. Er hat einen guten Lauf an diesem Abend. Bayern geht es glänzend. Und Zeil ist der Wirtschaftsminister.
Aber seiner Partei geht es dreckig – die Redeschlacht im Fernsehen ist noch nicht zu Ende, da kommen neue Umfragezahlen. FDP: drei Prozent. Am Freitag meldet das ZDF: vier Prozent. Reicht auch nicht.
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