Die Rückkehr des früheren Leverkuseners in die Bundesliga ist so gut wie perfekt. Doch ergibt die Verpflichtung des Chilenen überhaupt Sinn? Eine Debatte.
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DEBATTE
Der FC Bayern hat mit Juventus eine Einigung über einen Transfer von Arturo Vidal erzielt. Beachtlich ist das vor allem, wirft man einen Blick ins Jahr 2011 zurück. Damals wollte der spätere Triple-Trainer Jupp Heynckes den Mittelfeldmotor unbedingt von Bayer Leverkusen mit nach München nehmen. “Er hat Jupp Heynckes x-mal versprochen, nur zu Bayern zu wechseln”, ärgerte sich Karl-Heinz Rummenigge wenig später in einem kicker -Interview, zweifelte zugleich Moral und Charakter des Chilenen an. Da war Vidal gerade nach Italien zur Alten Dame gewechselt.
Im zweiten Anlauf findet der mitunter hitzköpfige Südamerikaner nun also doch seinen Weg nach Bayern. Bastian Schweinsteiger dagegen war in die Premier League zu Manchester United gewechselt. Vidal könnte den Weltmeister nun positionsgetreu in der Schaltzentrale ersetzen.
Vidal: Bayern und Juve einigen sich auf Ablösesumme
Nur: Ergibt diese Verpflichtung überhaupt einen Sinn? Ist Vidal eine Bereicherung – oder wären die Bayern besser beraten gewesen, Schweinsteiger zu halten? Zwei Autoren, zwei Meinungen – Goal debattiert über den Vidal-Wechsel.

Von Niklas König
Wer es sich einmal mit dem FC Bayern verscherzt, der braucht an der Säbener Straße kein zweites Mal aufzukreuzen. Lange war das Usus beim Rekordmeister. “Mia san mia” eben.
Nun aber wechselt jener Mann zu den Bayern, der den Münchnern 2011 einen Korb gegeben hatte, gar Wortbruch begangen haben soll. “Solche Spieler”, polterte Rummenigge damals, “möchte ich nicht bei Bayern haben.”
Dass sich die Verantwortlichen vier Jahre später dennoch für eine Verpflichtung von Vidal entschieden haben, zeigt vor allem eines: Welch großes Vertrauen die Bayern-Bosse in die fußballerischen Fähigkeiten des 28-Jährigen haben müssen.
Verständlich! Schließlich ist Vidal die perfekte Bereicherung für den ohnehin bärenstarken Kader. Mit dem chilenischen Nationalspieler bekommen die Bayern einen Spielertypen, den sie derzeit nicht haben und lange nicht mehr hatten. Weil solche Akteure absolute Raritäten sind: Vidal ist in der Defensive ein Terrier, wie er unangenehmer kaum sein könnte. Er geht bis an die Grenzen und darüber hinaus, lässt sich nie abwimmeln, haut gerne mal dazwischen, ist sich für kein Foul, keinen Tritt, keine Nicklichkeit und keine Diskussion zu schade.
Der komplette Mittelfeldspieler
Gleichzeitig ausgestattet mit einem starken Passspiel, einem guten Antritt, einem ordentlichen Schuss und der Fähigkeit, ein Spiel anzutreiben, ist Vidal schlicht ein kompletter Mittelfeldspieler, der den Bayern vor allem, aber eben nicht nur wegen seiner Fähigkeiten im Spiel gegen den Ball gut tun wird. Er ist wie geschaffen für die Rolle des alleinigen Sechsers im von Pep Guardiola präferierten 4-1-4-1-System.
Zudem bestand nach dem Abgang von Bastian Schweinsteiger akuter Bedarf. Mit Thiago und Philipp Lahm stehen nur zwei zentrale Mittelfelspieler nach dem Geschmack des eigenwilligen Fußballlehrers im Kader. Weil Joshua Kimmich noch Zeit braucht. Weil Javi Martinez zu langsam ist. Weil Xabi Alonso immer älter wird.
Kurzum: Vidal ist eine Bestie, die Bayern noch besser machen wird. Wichtiger noch: Vidal ist sportlich betrachtet im Vergleich zu Schweinsteiger – auch wenn die Bayern-Fans das nicht gerne hören werden – ein Upgrade. In puncto Defensivarbeit und Schnelligkeit ist er dem Weltmeister voraus.
Und: Er ist auf dem Platz ein Arschloch! Ein Typ wie van Bommel oder Effenberg, der in wichtigen Duellen mit seinem unermüdlichen Einsatz den Unterschied ausmachen kann. Mit seinem übertriebenen Temperament allerdings, das ist seine einzige Schwäche, in beide Richtungen.
Von Andreas Köhler
Arturo Vidal und der FC Bayern? Das passt in vielerlei Hinsicht nicht. Zum einen sind die Bayern auch nach Schweinsteigers Verkauf noch hochwertig besetzt im Mittelfeld. Mit Thiago, Xabi Alonso, Javi Martinez, Philipp Lahm, David Alaba und Sebastian Rode gibt es weiterhin genügend Alternativen im defensiven Mittelfeld und selbst wenn Guardiola mit Martinez in der Innenverteidigung und nicht im Mittelfeld planen sollte, sind noch ausreichend Spieler vorhanden, die diese Position spielen können. Wer sich jedoch an das Champions-League-Finale 2013 erinnert, weiß, was der Spanier zu leisten im Stande ist und wie wichtig er für die Bayern auf dieser Position vor der Abwehr sein kann.
Gar nicht erwähnt wurden in dieser Aufreihung Joshua Kimmich und Pierre-Emile Höjberg. Die beiden Talente werden bei diesem Überangebot an Mittelfeldstars schwerlich auf ihre Einsatzzeiten kommen. Ein Vidal wird diese Situation noch verschärfen.
Dabei hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei der Vorstellung der Neuzugänge Kimmich und Douglas Costa noch erklärt, dass “mit Spielern wie Kimmich und Höjbjerg junge Spieler dabei sind, die jetzt die Chance haben, ins Licht zu rücken”. Diese Chance wird ihnen mit einer Verpflichtung von Vidal genommen. Es besteht die Gefahr, dass sie sich einreihen in eine Liste von Spielern wie Mats Hummels oder Emre Can, die den Verein ohne Aussicht auf eine Perspektive verlassen haben.
Divenhafte Allüren
Auch muss erneut der Transfer von Bastian Schweinsteiger infrage gestellt werden. Mit ihm lässt man jemanden gehen, der nicht nur als Spieler, sondern auch als Mensch einwandfrei war, sich jederzeit für die Ziele der Mannschaft aufopferte, wie er bei der Nationalmannschaft im letzten Jahr aufs Neue bewiesen hat.
Zudem war er eine Identifikationsfigur für die Fans, ein wichtiger Ansprechpartner für junge Spieler. Zuletzt betonte Sebastian Rode im Anschluss an die Teampräsentation, wie wichtig Schweinsteiger für ihn als neuen, jungen Spieler war. Natürlich hatte der DFB-Kapitän zuletzt Verletzungssorgen, doch nach einem erholsamen Sommer war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er hundertprozentig fit wieder zurückkommt.
Eingetauscht wurde er gegen einen divenhaften, skandalträchtigen Spieler, der nicht zuletzt im Champions-League-Finale gegen Barcelona bewiesen hat, dass er sein Temperament nicht unter Kontrolle hat. Wäre Schiedsrichter Cüneyt Cakir konsequent gewesen, hätte er Vidal schon in der ersten Halbzeit vom Platz gestellt. Es sind Szenen wie die aus diesem Endspiel, die man von Vidal schon des Öfteren gesehen hat und mit denen er seinem Team schaden könnte.
2011 war Vidals Charakterlosigkeit und Wortbruch gegenüber Bayern ein Grund für Rummenigge, sich zu der Aussage verleiten zu lassen, dass er “solche Spieler” in München nicht haben möchte. Vier Jahre später ist es Rummenigge, der sein Wort bricht.

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