FC Bayern muss effektiver werden

Pep Guardiola ist seit 100 Tagen Trainer des FC Bayern – zu kurz, um irgendwelche fundamentalen Thesen aufzustellen. Eines kann man jedoch mit großer Bestimmtheit festhalten: Der Katalane arbeitet wie ein Verrückter. Er ist regelrecht besessen von Arbeit. Er lebt im Moment dafür, den Triple-Sieger noch besser zu machen. Die Vorbereitungen auf die Trainingseinheiten, sein Auge für Details, seine Hingabe, die weitaus stärker ist als bei vielen anderen Trainern.

Nachdem ich einige der rund 90 Trainingseinheiten seit dem 26. Juni verfolgt habe, empfinde ich es als absolut angemessen festzuhalten, dass der FC Bayern quantitativ viel arbeitet, aber vor allem auch qualitativ in puncto Technik und Taktik.

Trotzdem entspricht das Spiel noch nicht ganz den Vorstellungen von Guardiola. Einerseits haben die Langzeitausfälle von Javi Martínez, Thiago und Mario Götze sowie die Probleme bei Bastian Schweinsteiger dazu geführt, dass er daran gehindert wurde, seine zurechtgelegten Pläne weiter voranzutreiben. Das wiederum zwang ihn Entscheidungen zu treffen wie Thomas Müller im Mittelfeld zu positionieren, was offensichtlich nicht sehr gut funktionierte. Eine andere Entscheidung, die er ebenfalls im Hinterkopf zu haben schien, war es, Philipp Lahm als Sechser einzusetzen, was sich wiederum als voller Erfolg entpuppte.

Der FC Bayern wird kein zweites Tiki-Taka-Barca

Zudem musste Guardiola stets gegen ein Vorurteil ankämpfen, das irgendwie zwangsläufig existieren musste: Es hatte für viele den Anschein, als wolle er Bayern München die Spielweise des FC Barcelona aufdrücken. Dieses Vorurteil musste wahrscheinlich selbst bei den Spielern in den ersten 100 Tagen ausgemerzt werden, beispielsweise durch die Spielweise, wie die Bayern die erste Halbzeit im Derby gegen Nürnberg angegangen sind. Guardiola selbst musste seinen Spielern auf deutliche Art und Weise sagen, dass es genau das eben nicht war, was er von ihnen erwartete.

Vielmehr hatte er gefordert, dass sich Schweinsteiger Co. zusammen weiterentwickeln würden. Insbesondere das Zuspiel von der Abwehr ins Mittelfeld – um dann von der Schaltstelle so direkt und schnell zu kombinieren wie es die Spieler des FCB gewohnt waren.

Guardiola wird noch weitere Dinge beim FC Bayern verändern, jedoch erst in ferner Zukunft, wenn die Mannschaft ein bisschen mehr Routine im Spiel hat, was im Moment noch nicht ganz der Fall ist. Guardiola wurde keinesfalls verpflichtet, um aus dem deutschen Rekordmeister den FC Barcelona zu machen, der Grund war ein ganz anderer: Die Mannschaft hat 2009 gewissermaßen einen neuen Zyklus begonnen, und vier komplette Spielzeiten später war es schlichtweg an der Zeit für Veränderungen.

Investition in die Zukunft

In der Entscheidung der Verantwortlichen des FC Bayern spiegelt gleichermaßen Intelligenz sowie Risikobereitschaft wider. Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß wünschen sich gewissermaßen die zweite Etappe dieses hervorragenden Zyklus’, was wiederum aber bedeutet, die Art und Weise des Spiels modifizieren zu müssen. Rafinha hat es am vergangenen Mittwoch in der Allianz Arena wie folgt formuliert: “Mittlerweile wussten alle unsere Gegner, wie wir spielen. Deshalb musste etwas geändert werden.”

Für 100 Tage Guardiola in der Isarmetropole stehen Prozentwerte und Ergebnisse, wie er sie bei Barcelona aufweisen konnte (Siehe unten). Die Routine im Spiel ist allerdings abhängig davon, ob seine Mannen alle in Form sind. Des Weiteren ist Disziplin vonnöten, die wesentlich mehr von den Spielern abverlangt wird als vom Trainer: Die Effektivität beim Torabschluss ließ nämlich im Verhältnis zu wünschen übrig. Der FC Bayern benötigte für die 30 Tore, die bisher erzielt wurden, insgesamt 244 Abschlüsse – also ein wenig mehr als acht Abschlüsse pro Treffer.

Guardiola in Zahlen und Fakten:

Zur “Mini-Mini-Jubiläum” von Pep Guardiola möchte ich Euch mit ein paar Zahlen konfrontieren: Inklusive der Partie gegen den VfL Wolfsburg hat Guardiola jetzt schon 301 Partien als Profi-Trainer mit drei verschiedenen Teams auf seinem Konto: FC Barcelona B, FC Barcelona und Bayern München.

Mit Barca B, das er in der dritten Liga zur Meisterschaft führte, bestritt der Erfolgstrainer 42 Spiele (28 Siege, 9 Unentschieden, 5 Niederlagen). Dabei schoss seine Mannschaft 81 Tore und kassierte 44. Anschließend trainierte der 42-Jährige vier Spielzeiten lang erfolgreich den FC Barcelona und holte 14 Titel. Mit Lionel Messi Co. bestritt er insgesamt 247 Partien (179 Siege, 47 Unentschieden, 21 Niederlagen).

Guardiola gewann also 72,5 Prozent der Spiele, 8,5 Prozent gingen verloren – also in etwa jedem zwölften Spiel kassierte er eine Niederlage. In seiner Amtszeit bei Barcelona erzielten die Katalanen 636 Tore und kassierten 178 Gegentore – 2,57 Tore pro Spiel bei 0,74 Gegentreffern.

Guardiola hat nach einem Jahr persönlicher Erholungspause beim FC Bayern angeheuert, wo er in zwölf Pflichtspielen bereits neun Siege und mit dem europäischen Supercup bereits einen Titel erringen konnte. Zwei Spiele endeten remis, einmal mussten sich die Roten beim ärgsten Konkurrenten Borussia Dortmund im Finale des Ligapokals geschlagen geben. In Prozentzahlen ausgedrückt steigt seine Quote damit auf 75% Siege, wohingegen die Quote der verlorenen Partien bei 8,3 Prozent nahezu gleich bleibt. Bei 30 Treffern und neun Gegentoren liegen die Durchschnittswerte bei 2,5 Toren pro Spiel sowie bei 0,75 Gegentreffern.

Bei genauerer Betrachtung unterscheiden sich die Prozentwerte der Siege und Niederlagen und die Durchschnittswerte der Tore und Gegentore zwischen Barcelona und Bayern so gut wie gar nicht.

Guardiola hat bislang also auch beim FC Bayern auf höchstem Niveau gearbeitet.

Alle Blogs von Guardiola-Insider Marti Perarnau

Diashow: 100 Tage Pep Guardiola in Bildern

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