Köln. Die Bayern kommen! Der BSV Schwarz-Weiß Rehden aus der 2000-Seelen-Gemeinde in Niedersachsen fiebert dem größten Spiel seiner Vereinsgeschichte entgegen. “Das ist Wahnsinn. Wir haben davon geträumt. Dass es wahr geworden ist, kann ich gar nicht glauben”, sagte der Clubvorsitzende Friedrich Schilling, nachdem “Losfee” Nia Künzer dem Viertligisten in der ARD-“Sportschau” ein Duell mit dem Rekordcupsieger in der 1. Runde des DFB-Pokals beschert hatte.
Fassungslos war auch Rehdens Coach Predrag Uzelac. “Der absolute Hammer”, sagte er. “Alle wollten die Bayern, wir haben die Bayern.” Scherzend fügte der Coach an: “Mal sehen, wie hoch wir gewinnen.” Weil der Rehdener Sportplatz nur ein Fassungsvermögen von 4350 Plätzen hat, erwägt der Verein aus dem Landkreis Diepholz, nach Osnabrück auszuweichen. Die Internetseite des Vereins brach nur Sekunden nach der Ziehung zusammen.
Wie die Münchner muss auch der letztjährige Pokalsieger Borussia Dortmund zum Auftakt nach Niedersachsen reisen und spielt beim SV Wilhelmshaven. “Das ist für uns das absolute Hammerlos und für Wilhelmshaven ein Großereignis”, betonte Clubchef Hans Herrnberger.
Gejubelt wurde auch beim Regionalligisten VfR Neumünster: Der schleswig-holsteinische Pokalsieger trifft in der 1. Runde vor heimischem Publikum auf Erstligaaufsteiger Hertha BSC. “Wir haben genau das, was wir wollten – einen Erstligisten. Hertha BSC ist ein interessanter Gegner”, sagte VfR-Spieler Patrick Christophersen. “Für Neumünster ist es mit Sicherheit das Spiel des Jahres”, erklärte Hertha-Coach Jos Luhukay: “Wir nehmen den Gegner mit Respekt, aber auch mit Selbstbewusstsein an. Bundesliga gegen Regionalliga – da müssen wir uns durchsetzen, fertig.”
Mit Victoria Hamburg bekam ein weiterer “kleiner” Nordverein einen attraktiven Gegner zugelost, der Regionalligist empfängt Hannover 96. “Es hätte kaum besser kommen können”, sagte Victoria-Trainer Lutz Göttling. Machbare Aufgaben haben derweil der Hamburger SV mit dem Oberligisten SV Schott Jena und der FC St. Pauli mit dem Drittligisten Preußen Münster vor sich. “Wir sind der klare Favorit und wollen dieser Rolle gerecht werden”, erklärte HSV-Sportchef Oliver Kreuzer.
Bei der Auslosung hatte es schon bei der dritten Paarung eine Panne gegeben. Drittligaaufsteiger RB Leipzig wurde gegen den Fünftligisten Sportfreunde Baumberg gelost, obwohl Duelle zwischen Nicht-Bundesligisten zum Auftakt ausgeschlossen sind. Das Los von Leipzig befand sich fälschlicherweise im Profitopf, weil die Ex-Nationalspielerin Künzer (“Ich war sehr nervös”) unabsichtlich beim Mischen eine Kugel aus dem Amateur- in den Profitopf bugsiert hatte. Nach Einschreiten von DFB-Abteilungsleiter Markus Stenger wurde der Vorgang wiederholt. Nun erhielt Oberligist Baumberg den Zweitligisten FC Ingolstadt als Gegner.
“So wie es gelaufen ist, würde ich jetzt sagen: nochmal neu losen”, erklärte Baumbergs Präsident Jürgen Schink und ließ damit einen Protest gegen die Auslosung offen. DFB-Mediendirektor Ralf Köttker hat eine Wiederholung der Auslosung allerdings bereits praktisch ausgeschlossen: “Alle Beteiligten haben absolut souverän reagiert und mit ihrem schnellen Eingreifen dafür gesorgt, dass wir ein reguläres Auslosungsergebnis haben.”