Die Ilse kann nicht nur Dirndl

Bad Steben “Sie haben mehr spielen müssen, als sie bezahlt bekommen”, scherzt Alexander König am Schluss. Tatsächlich hat das vom örtlichen CSU-Landtagsabgeordneten engagierte Duo “Rocco Slauko” die Besucher des Sommerempfangs im Bad Stebener Kurpark zunächst gut anderthalb Stunden bei Laune halten müssen, bis die staugebremste Powerfrau der Christsozialen endlich eintrifft. Insgeheim liefern die Musikanten aus Carlsgrün und Marlesreuth mit ihren Evergreens aber einen perfekten Soundtrack für einen lockeren Polit-Sommerabend mit Ilse Aigner, der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Hier eine Nachbetrachtung im Song-Rhythmus.

 

“Hallo, kleines Fräulein”: Stimmt. Ilse Aigner, geboren am 7. Dezember 1964 in einem Dorf bei Rosenheim, ist nicht verheiratet. Wohl mit diesem Wissen ausgestattet, fasst sich ein junger Bursche ein Herz und trägt ein ganz und gar unpolitisches Anliegen an die Vorsitzende des mächtigen CSU-Bezirksverbands Oberbayern heran: “Sie wären die richtige Frau für meinen Papa.” Aigner, schick und dynamisch im knielangen, ärmellosen Sommerkostüm – die Ilse kann nicht nur Dirndl -, nimmt den Antrag huldvoll entgegen. Sie hat zweifellos die Gabe, mit ihrer auf die Menschen zugehenden Art Sympathien zu entfachen, mit ihrem ungezwungenen Lachen das Eis zu brechen. Im Bad Stebener Kurpark hört sie am Donnerstagabend viele nette Worte. So deutlich wie der junge Mann wird allerdings niemand sonst.

 

“Begrüßung”: Bei dieser traditionellen Fanfare tritt der Jagdhorn-Bläserchor aus Naila an die Stelle von “Rocco Slauko”. Es ist nicht der “Bayerische Defiliermarsch”, der beim Einzug der Politikerin erklingt. Der ist – noch – Ministerpräsident Horst Seehofer vorbehalten. Doch die neue Kronprinzessin des seit 56 Jahren lückenlos von der CSU geprägten Freistaats genießt die Aufmerksamkeit, als sie am Arm des stilecht kostümierten Biedermeier-Manns Alfred Franz zum Fest geleitet wird. Später, im Gespräch mit der Frankenpost, wiegelt sie allerdings ab: “Schaun’s, ich hab’ kein Krönchen auf.” Als Leistungsträgerin ihrer Partei fühle sie sich aber schon, sagt sie – und zählt schnell noch ein paar andere “Säulen der CSU” auf, um bescheiden wieder zurück in die Reihe treten zu können. Ja, bekannter sei sie schon, jetzt. “Das bringt das Amt eben mit sich.”

 

“On The Road Again”: Noch sechs Wochen bis zur Landtagswahl, noch sieben bis zur Entscheidung über den neuen Bundestag. Die Politiker schwärmen aus. Manche sind in protzigen Wahlkampf-Bussen unterwegs, Alexander König setzt auf einen in den Parteifarben lackierten Smart mit seinem Konterfei. Immerhin: Auf den Stoßfängern zeigt der Bayernlöwe seine Krallen. Während des Abends flattern Dutzende von weißblauen Ansteck-Schmetterlingen auf Revers und Blusenaufschläge, um dezent für König zu werben. Ilse Aigner bekommt auch einen, während sich hinter ihr die diversen Kandidaten aufs Bild drängeln.

 

“Meine eigenen Wege”: Die geht Ilse Aigner sehr selbstbewusst. Die gelernte Elektrotechnikerin hat sich in der einstigen Männerwelt Politik tapfer durchgebissen. Angefangene Aufgaben, verspricht sie, werde sie auch zu Ende führen, etwa wichtige Weichenstellungen für die bayerischen Landwirte. “Da muss es einfach Planungssicherheit für die Betriebe geben”, sagt sie. Und mit Blick auf die Gäste fügt sie hinzu: “Der Zuspruch hier ermuntert mich, weiter zu kämpfen.”

 

“7000 Rinder”: “Wir behalten Sie im Auge”, sagt Bauernverbands-Kreisobmann Hermann Klug, nur halb im Scherz. Aber er bestätigt Aigner auch: “Sie haben einen guten Job gemacht.” Die Ministerin freut’s: “Das ist ja wie eine Adelung”, sagt sie – und beginnt gleich, über die durchschnittlichen Hektarzahlen im Landkreis zu fachsimpeln und ein Loblied auf die Familienbetriebe zu singen.

“Take Me Home, Country Roads”: Der Entschluss, in die Landespolitik zurückzukehren, ist natürlich ein Thema für die Sommerempfang-Besucher. “Was für ein Ministerium werden Sie denn in München übernehmen”, fragt ein Gast. Aigner lacht: “Jetzt werde ich hoffentlich erst mal in den Landtag gewählt.” Spitzbübisch grinsend fügt Alexander König schnell hinzu: “Und dann schau’n mer mal, was wir mit ihr machen werden.” Aigner gibt derweil Autogramme, gerne auch aufs Kurgast-T-Shirt. Eine Frau ergattert eine der Foto-Karten, hält aber Abstand zur Ministerin. Das Bildchen drückt sie ihrem Mann in die Hand: “Ernst, hol amoll aans!”

 

“Alpbach-Marsch”: “Rocco Slauko” winken die Ministerin nach den Ansprachen zu sich herüber. “Einen schönen Marsch”, wünscht sich Aigner. Und bekommt ihn prompt. Dass sie nun mit echtem Dirigenten-Habitus zwischen den beiden Musikanten steht, kann man nicht behaupten. Da ist noch landesmütterliche Luft nach oben. Aigner schwingt lediglich lächelnd im Takt der Musik mit. “Die ist schon in Ordnung”, sagen die Musikanten später. “Irgendwie richtig menschlich.” Für einen Politiker ist das aus Wählermund wohl ein großes Lob heutzutage.

 

“Take It Easy”: “Sie hat so viel ehrliche Freude daran, auf die Menschen zuzugehen”, sagt – nicht ohne Bewunderung – die Hofer Bundestags-Listenkandidatin Silke Launert, mit 36 eher noch ein Politik-Frischling. Diese lockeren Begegnungen, das habe auch sie schon erfahren, liefern die Alltagsgeschichten, die Hochs und Tiefs aus dem Leben der Menschen, die Emotionen, die man dann später in politische Willensbildung gießen müsse, wenn es um scheinbar trockene Sachfragen gehe.

 

“Eine Reise ins Glück”: Eine wunderschöne Landschaft habe sie auf ihrer Fahrt nach Bad Steben gesehen, sagt Ilse Aigner. “Ich finde Oberfranken sehr schön.” Nette, positiv gestimmte Menschen habe sie getroffen, erklärt sie der Frankenpost. Und das “wunderbare Ambiente” im Kurpark genossen. Sie gehe, sagt sie, “mit dem Gefühl, dass Bayern auch hier gut aufgestellt ist”. Was nicht heiße, dass es nicht auch noch wichtige Aufgaben zu bewältigen gebe.

 

“Heart Of Gold”: Das Politische bleibt an diesem Sommerabend stets nur an der Oberfläche. Dafür gibt’s grundsätzliche Bekenntnisse: “Meine Heimat ist mir lieb”, sagt Aigner. “Sie ist mein Fundament.” Ihr christliches Menschenbild diene ihr als “klarer Kompass” im Handeln, immer mit der Intention “möglichst nahe am Menschen” zu sein.

 

“Gute Nacht, Freunde”: Alexander König, den Aigner als “echtes politisches Schwergewicht” und “hervorragenden Repräsentanten Oberfrankens” im Landtag gelobt hat, geleitet die Ministerin aus dem Park.

 

“Leaving On A Jetplane”: Diesen Luxus gönnt sich Aigner nicht. Sie besteigt die Dienstlimousine für eine lange Nachtfahrt über Berlin nach Warnemünde, wo sie am nächsten Morgen Ostsee-Fischer treffen wird. “Ich bin ja auch zuständig für die Hochseefischerei”, sagt sie fröhlich. Und wieder wirkt sie, als würde ihr jeder Tag in diesem Ministeramt einen Riesenspaß machen.

 

Meine Heimat ist mir lieb. Sie ist mein Fundament.

Ilse Aigner

Wir behalten Sie im Auge.

Bauernverbands-Kreisobmann

Hermann Klug zu Ilse Aigner

Sie wären die richtige Frau für meinen Papa.

Ein junger Besucher

Der Zuspruch hier ermuntert mich, weiter zu kämpfen.

Ilse Aigner

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