Der FC Bayern verspielt Sympathien

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Mir ist klar, was jetzt kommen muss: Traditionelle Tourette-Tiraden.

Die Anti-Bayern-Fraktion spuckt die Frage in den Raum: “Welche verdammten Sympathien?”

Wo der FC Bayern ist, verschwindet alles Grau. Es gibt nur Schwarz und Weiß. Nur ein Dafür oder ein Dagegen. Keine andere Bundesliga-Mannschaft polarisiert seit Jahrzehnten so konsequent wie diese rot-weiße Provokation aus München.

Teams wie Leverkusen oder Stuttgart durften einem egal sein, bei den Bayern aber musste man eine Meinung haben. In der Regel hatte die negativ zu sein, um akzeptiert zu werden. Der FC Bayern war die “Verbotene Liebe” des deutschen Fußballs: Gut finden war gerade noch erlaubt, zugeben nicht.

Das Feindbild verändert sich

Die Fans des FC Bayern modellierten sich aus dieser nationalen Aversion ihr trotziges Credo: “Euer Hass ist unser Stolz!”

Doch dann war in den vergangenen Jahren tatsächlich etwas Außergewöhnliches passiert. Das mit der Stahlbürste gestriegelte Feindbild durchzogen plötzliche Weichtöne, die den knallharten Kontrast abmilderten.

So entstand eine emotionale Grauzone, die es Fußballfans ermöglichte, den FC Bayern nun gar nicht mehr so richtig beschissen zu finden, wie sich das doch eigentlich so lange gehört hatte. Urteile, in erster Linie Vorurteile, wurden revidiert. Vor allem unter der Ägide von Ottmar Hitzfeld hat diese bemerkenswerte Entwicklung ihren Ursprung.

Zwar ist der FC Bayern immer noch Deutschlands “Verbotene Liebe”. Aber man durfte sie aus der grauen Neutralität heraus zuletzt durchaus auch mal ein bisschen sympathisch finden.

Für attraktiven Offensivfußball und lässige Typen wie Thomas Müller, David Alaba oder Claudio Pizarro. Für geniale Fußballer wie Arjen Robben, Franck Ribéry oder Philipp Lahm – und eine doppelte Handvoll mehr. Für Ultras mit einer lobenswerten politischen Attitüde.

Sehnsucht nach Uli H.

Und ja, trotz unversteuerter Sündenfälle auch für einen Uli Hoeneß und dessen feines Gespür für die Not Anderer – ob schwerstkranke Einzelpersonen oder finanziell havarierte Fußballvereine. Die notorische “Abteilung Attacke” wusste bei aller verbalen Offensivität, wann Defensive angebracht war.

Und so kritisierte Hoeneß aus der Ferne auch Rummenigges aggressive Baggerei an Marco Reus, der dritten tragenden Säule, die der FC Bayern seinem ärgsten Konkurrenten innerhalb kürzester Zeit aus der Erfolgsstatik brechen will.

Nun ist es exakt jenes Feingespür, das den streitbaren Patron in die 8-Quadratmeter-Zelle der JVA Landsberg gefolgt zu sein scheint. Hoeneß hat ein Vakuum hinterlassen, das Karl-Heinz Rummenigge gerne füllen möchte. Und er tut das mit der sensiblen Subtilität eines Schlagbohrers. Die Posse um Marco Reus steht als Sinnbild für Rummenigges fragwürdigen Stil. Es geht um eine vermeintlich selbstbewusste Außendarstellung, die in ihrer Aggressivität jedoch die Souveränität konterkariert.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hat Rummenigge in seiner entnervenden Penetranz bereits so weit getrieben, dass dieser in einer verzweifelten Sehnsucht nach Uli Hoeneß ganz öffentlich eine Vermisstenanzeige wegen verlorenerer Wertschätzung aufgegeben hat.

Mia san respektlos

“Ich hatte immer ein sehr spannendes Verhältnis zu Uli Hoeneß, den ich da auch echt vermisse, weil das jemand war, der immer mit offenem Visier und von vorne kam”, erklärte Watzke gegenüber Sky. “Da konnte man sich auch mal streiten, aber man wusste immer, woran man ist – das hat mir persönlich immer sehr gut gefallen.”

Rummenigges stumpfe “Mia san mia und ihr seid nix!”-Polterei missfällt hingegen nicht nur Watzke. So hatte Bayerns Vorstandsvorsitzender unter anderem den medialen Fokus auf eine “Hispanisierung” des FC Bayern mit Rassismus gleichgesetzt und hätte den WM-Titel Deutschlands ohne Rücksicht auf den Anteil Dortmunder, Schalker, oder anderen Nationalspieler am liebsten “auf dem Münchner Rathausbalkon” gefeiert.

Rummenigge zerschlägt gerade jenes Porzellan, welches in den vergangenen Jahren mühevoll gekittet worden war. Die Grauzone scheint sich mit jeder neuen Provokation weiter aufzulösen, die neutralen Sympathien zu schwinden.

Und so wünscht sich mittlerweile nicht nur Watzke bei jedem zweiten Kommentar aus München:

“Hätte er doch besser mal geschwiegen…”

Michael Wollny (Eurosport-Redakteur auf Twitter: @MichaWollny)

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