Vor dem 187. Derby rätseln sie auch in Nürnberg, wie der FC Bayern zu packen ist
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vor 5 Stunden
Ein bisschen Spaß muss schon auch sein. „FCB startet Vorbereitung auf bayrisches Derby“, steht auf der Internetseite der Münchner, darunter ein Bericht und viele Bilder vom traditionellen Fototermin mit einem Biersponsor. Wohin man auch blickte: Überall gut gelaunte, kräftige Burschen, eingepackt in landesübliche Tracht. Nebenbei war es, darauf wies die Presseabteilung hin, „der erste offizielle Auftritt in Lederhosen“ von Josep Guardiola. Dass er das Glas beim Einschenken von Hefeweizen möglichst schräg halten muss, wird der Startrainer bestimmt auch noch lernen.
Ansonsten läuft für den 42-Jährigen vieles nach Wunsch, obwohl seine neue Mannschaft bislang eher zweckmäßigen als spektakulären Fußball zeigte. Trotzdem haben die Münchner am Samstag, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, einen weiteren Vereinsrekord eingestellt; mit dem 1:0 in Frankfurt blieb der FC Bayern saisonübergreifend in 27 Bundesligaspielen hintereinander ungeschlagen. Die vorerst letzte Niederlage passierte ihnen am 28. Oktober 2012. Das denkwürdige 1:2 gegen Leverkusen resultierte aus einem missratenen Abwehrversuch und einem Eigentor.
Derlei Pannen im Münchner Defensivverbund wird vermutlich auch der 1. FC Nürnberg dringend brauchen, soll es etwas werden mit einer Sensation. Denn: Nie war der Graben breiter zwischen beiden Vereinen als vor dem 187. Derby. Dort die scheinbar unbesiegbaren Könige von Europa, hier der ewige Abstiegskandidat. Seit über 21 Jahren hat der Club nicht mehr gewonnen in München und seitdem lediglich zwei Zähler mitgenommen (bei einem Torverhältnis von 5:34). „Um hier Punkte zu holen, brauchst du einen absoluten Sahne-Tag“, sagte Raphael Schäfer nach dem keinesfalls leistungsgerechten und somit gnädigen 0:4 im April und wird es bis Samstag noch ein paar Mal wiederholen. Der FC Bayern, das ist ihnen in Nürnberg schon auch klar, ist eine Klasse für sich.
Elf Manndecker?
Die fieberhafte Suche nach einer Zauberformel, wie die Münchner zu packen sind, läuft noch. Die meisten Zwischenergebnisse taugten nicht viel; Respektlosigkeiten in Form von früheren Störversuchen und einer insgesamt mutigen Ausrichtung werden von den Bayern normalerweise mit überfallartig vorgetragenen Kontern und vielen Gegentoren bestraft. Die berühmte Mauertaktik mit elf Manndeckern allerdings auch, der aufgebaute Druck wird irgendwann einfach zu groß. Und ist über 90 Minuten nicht zu verteidigen.
„Zu Hause haben wir gegen Nürnberg meistens gut ausgesehen“, sagt Thomas Müller auf fcb.de, was noch ziemlich untertrieben ist. Der WM-Torschützenkönig erinnert seine „Roten“ aber auch an die äußerst körperbetonte, phasenweise rabiate Auseinandersetzung vom 17. November 2012, als es die Nürnberger im eigenen Stadion mit Zweikampfhärte versuchten und so ein Unentschieden holten. Müller bescheinigt dem nächsten Gegner „eine enorme Präsenz, sie spielen mit sehr viel Engagement“. Stellt aber auch klar: „Technisch und taktisch sind wir ihnen überlegen.“
Dennoch will es der Club auf jeden Fall probieren, sogar mit der aktuell stärksten Elf. Markus Feulner und Per Nilsson, zuletzt leicht angeschlagen, haben am Mittwoch wieder normal trainiert, ihr Einsatz in München ist wahrscheinlich. Und auch Josip Drmic dürfte dabei sein, es wäre seine Premiere in Fröttmaning. Auf die er sich freut. „Natürlich“, sagt Drmic, würden sie nach München fahren, „um Punkte mitzunehmen, sonst könnten wir auch gleich in Nürnberg bleiben und das Spiel absagen.“ Auch der 20-Jährige muss noch viel lernen, Zweckoptimismus scheint er bereits drauf zu haben. Wenngleich auch ihm aufgefallen ist, dass sich sein Club in Sandhausen und Sinsheim sowie gegen die Hertha durch Nachlässigkeiten jeweils selbst in die Bredouille gebracht hat. „Es hat sich wiederholt“, warnt Drmic, „das darf nicht sein.“
Weiterer Vereinsrekord in der Warteschleife
Sonst könnte es im oberbayerisch-mittelfränkischen Vergleich ein böses Erwachen geben. Dass die Münchner einen neuen Vereinsrekord aufstellen, ist bei objektiver Betrachtung kaum zu verhindern, ein Remis würde ihnen ja schon reichen. Womit sie auch beim Club sehr gut leben könnten.
Die nationale Bestmarke hält der Hamburger SV – mit 36 Partien ohne Niederlage in den Spielzeiten 1981/82 und 1982/83. Voraussichtlich aber nur noch bis Anfang November.