Champions League – Boateng: Bockstark ohne Böcke

Aus Manchester berichtet Daniel Rathjen (Twitter: @DanielRathjen)

Sein Status beim Smartphone-Nachrichtendienst “WhatsApp” passt irgendwie so gar nicht zu ihm – und dann wieder doch.

“Fxxx me! You know I got it”, steht dort.

Und verdammt nochmal ja, auf den zweiten Blick hat Jerome Boateng tatsächlich das gewisse Etwas – die Dialoge mit ihm nach dem Spiel, in denen er leise nuschelnd spricht und dadurch wirkt wie ein Kuschelteddy, mal ausgeblendet.

Nach einem langen Entwicklungsprozess strahlt der Bayern-Star mit 25 Jahren in erster Linie auf dem Rasen jetzt das aus, was einen guten Abwehrspieler auszeichnet: Selbstbewusstsein und Durchschlagskraft.

Wertvolle Auslandserfahrung

Und er ist verlässlich, eine ehrliche Haut. Den Kontakt zu seinen ehemaligen Kollegen pflegt er weiterhin. Zu Patrick Viera (Video), heute Nachwuchskoordinator, Vincent Kompany, mit dem er schon beim Hamburger SV zusammenspielte, oder dem Zeugwart von Manchester City beispielsweise.

Die Saison 2010/2011 war nicht seine beste, doch sie war dennoch wichtig. “Es war eine gute Saison. Ich habe viele Freunde gewonnen”, sagt Boateng heute.

Bei Manchester City sammelte der Abwehrspieler aber vor allem Erfahrung, die ihm heute zugute kommt. Bei seiner Rückkehr zum zweiten Gruppenspiel in der Champions League ins Etihad-Stadium (ab 20:45 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de) mit dem FC Bayern befindet sich Boateng in der Form seines Lebens.

Endlich ist er dort angekommen, wo er schon lange hinwollte. Zu oft wurde er auf der rechten oder linken Außenbahn eingesetzt, jetzt darf er endlich konstant in der Innenverteidigung agieren.

Kein Bock mehr auf Böcke

Sowohl unter FCB-Coach Pep Guardiola als auch unter Bundestrainer Joachim Löw in der Nationalmannschaft – zum Leidwesen von BVB-Akteur Mats Hummels, der sich zuletzt öffentlich darüber beschwerte (zum Artikel).

Einen “Bock”, einen haarsträubenden Patzer, für den Boateng eigentlich immer gut war, gab es schon ewig nicht mehr. Es ist mittlerweile nicht mehr als ein altes Klischee. In Erinnerung ist vielmehr seine enorm starke Leistung im Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund.

Das Bild von ihm hat sich gewandelt. Boateng ist das durchaus bewusst: “Natürlich merke ich das. Die Leistung auf dem Platz spricht immer für sich”, benennt er die Ursache. Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer erkennt indes einen Reifeprozess, den Boateng nun durchlaufen hat.

Ein Schlüsselerlebnis war dabei definitiv sein vorerst letzter gravierender “Bock”. Im letzten Vorrundenspiel der Champions League in der vergangenen Saison gegen Bate Borissow bekam er das Vertrauen des damaligen Trainers Jupp Heynckes. Doch er trat es buchstäblich mit Füßen, als er auf Höhe der Mittellinie eine Rote Karte für ungestümes Verhalten sah und dafür einen Rüffel erhielt.

Plötzlich war er draußen und Daniel van Buyten drin

Doch er kämpfte sich wieder hoch, gewann Heynckes’ Zuspruch erneut und wurde durch eben die überragende Leistung in Wembley dafür belohnt. Wenn es wichtig war, war er dabei.

Menschen, die Boateng näher kennen, beschreiben ihn als sensibel. Und die Erkenntnis aus der Vorsaison mit dem positiven Ende war prägend und vielleicht ausschlaggebend für die aktuelle Super-Form.

“Ich habe mich selbst nicht allzu sehr unter Druck gesetzt und auf meine Qualität vertraut. Auch wenn ich mal auf der Bank saß, habe ich den Kopf nicht hängen lassen. Im Fußball braucht man neben Selbstbewusstsein auch mal Geduld”, wird er im “kicker” zitiert.

Kraft verleiht ihm auch seine Familie. Mit seinem Halbbruder Kevin-Prince Boateng vom FC Schalke telefoniert oder schreibt er fast täglich. Wenn es die Zeit zulässt, fliegt er nach Berlin und besucht seine zweijährigen Zwillingstöcher Soley und Lamia. Manchmal befinden sich diese auch samt Mama Sherin, von der Jerome getrennt lebt, auf der Tribüne in München und jubeln ihrem Daddy zu.

Gemeinsam in die Zukunft?

Geht es nach Boateng, können sie das auch in Zukunft tun. Sein Vertrag beim FC Bayern läuft bis 2015. Gespräche über eine Verlängerung sollen demnächst konkreter werden. Aus Vereinskreisen ist zu hören, dass daran durchaus großes Interesse besteht.

Auch der Profi selbst sagt: “Ich fühle mich sehr wohl und bin froh, Teil dieses Klubs zu sein.” Auf das Spiel gegen ManCity freut er sich: “Das ist eine starke Mannschaft, solche Gegner brauchen wir”, verdeutlicht er. Boateng fühlt sich stark wie nie.

Jetzt wo er endlich angekommen ist, möchte er auch gerne bleiben.

VIDEO – #HarryG: “Wiesn-Bayern? – Unschlagbar!”

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