Bundesliga – Standards: Fluch oder Segen?

Gerade einmal drei der bisher erzielten 27 Bundesliga-Tore des deutschen Rekordmeisters resultierten aus Standards. Jeweils ein Eckball, ein Freistoß und ein Einwurf waren Ausgangspunkt eines bajuwarischen Freundenschreis in dieser Spielzeit.

Das ergibt eine Quote von nur elf Prozent, die nur noch der HSV, unterbieten kann (9%).

Doch woran liegt diese erschreckende Bilanz? Angesichts von technisch herausragenden Akteuren wie Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger, Arjen Robben oder Franck Ribéry sollte man meinen, dass die Ausbeute bedeutend höher sein müsste.

Den Eckballschützen scheint es oft an den nötigen Abnehmern zu fehlen. Ein “Riese” wie Daniel van Buyten wärmt seit geraumer Zeit nur noch die Ersatzbank, anstatt wie zu besten Zeiten wuchtig in die Flanken hinein zu fliegen, um das ein oder andere, nicht selten spielentscheidende, Tor zu erzielen.

“And now Goal”

Wie effektiv das einstige deutsche Heiligtum nach wie vor ist, hatten die Bayern ganz schmerzlich erleben müssen. Nachdem David Luiz im Champions-League-Finale Bastian Schweinsteiger ahnungsvoll “and now Goal” zugeraunt hatte, köpfte Didier Drogba nach einer Ecke jenes 1:1, welches den Anfang vom Ende der bayrischen Titel-Träume bedeutete.

Doch auf dieses Stilmittel scheint Jupp Heynckes gerne freiwillig zu verzichten. Wie in der deutschen Nationalmannschaft legt der Bayern-Coach mehr Wert auf spielstarke Innenverteidiger, die das Spiel sauber eröffnen können.

Aber auch die direkten Freistöße aus aussichtsreicher Position scheinen mehr zu Spaßveranstaltungen verkommen zu sein, anstatt sie als eine große Torchance zu betrachten. Beispielhaft hierfür war die Szene als Kroos und Ribery im Spiel gegen Herha BSC Berlin im März 2012 im Vorfeld eines Freistoßes per Schere-Stein-Papier-Spiel ausknobelten, wer sein Glück versuchen darf.

Dutt befürwortet Standard-Training

Auch in der Nationalmannschaft steht das Thema Standardsituationen eher unten auf der Trainings-Agenda von Bundestrainer Joachim Löw – wenn überhaupt. Dass die DFB-Elf seit dem Freistoßtreffer von Michael Ballack im EM-Spiel gegen Österreich in diesem Bereich seit 2008 nicht mehr erfolgreich war, ist also nur logische Konsequenz.

Hat sich der moderne Fußball also soweit geändert, dass Standardsituationen zum notwendigen Übel verkommen sind, gar als unnötig und “trainierunwürdig” abgestempelt werden?

DFB-Sportdirektor Robin Dutt tritt dieser These ganz klar entgegen. “Bis zu 30 Prozent aller Tore fallen aus Standards”, wird Dutt in der “Süddeutschen Zeitung” zitiert. Der Komplexität der Thematik ist sich jedoch auch der frühere Leverkusen-Trainer bewusst.

“20 Prozent Standardtore fallen ja auch ohne spezielles Training, und da fragt sich ein Trainer, ob er wegen zehn Prozent, die ihm außerdem keiner garantiert, so viel Trainingszeit opfern soll.” Dennoch spricht sich Dutt eindeutig für die Wiederbelebung der ehemaligen deutschen Stärke ein, denn “man kann es sich nicht mehr erlauben, ein paar Prozentpunkte herumliegen zu lassen”.

Technische Hilfsmittel in Hannover

Ein deutlicher Befürworter des Standard-Trainings ist auch Hannover-Trainer Mirko Slomka. Um dieses noch effektiver ausführen zu können, hat er bei 96 extra den Kauf einer Ballmaschine veranlasst, von dem Slomka in den höchsten Tönen schwärmt. “Ein sensationelles Ding”, gibt er der “SZ” zu Protokoll. Bei der Maschine lassen sich unterschiedliches Tempo, unterschiedlicher Schnitt und unterschiedliche Flugkurven einstellen.

Wie effektiv dieses zielgerichtete Training sein kann, zeigte sich zuletzt beim sehenswerten Tor gegen Borussia Mönchengladbach, als Hannover einen einstudierten Freistoß-Trick über Schlaudraff, Huszti, Pinto, Rausch und abschließend Diouf in Perfektion vollendete.

Doch wie oft derartige Aktionen schiefgehen, wird in der Statistik kaum vermerkt, was natürlich Wasser auf die Mühlen aller Standard-Kritiker ist. Für sie wäre die alte Regel vom Bolzplatz “Drei Ecken – ein Elfer” wohl wesentlich verlockender. Obwohl sie sich damit ins eigene Fleisch schneiden, denn: Ein Elfmeter ist unter dem Strich auch nichts anderes als eine Standardsituation.

VIDEO: Vorschau: HSV – Bayern München

TV-Tipp: Die schönsten Tore, die heißesten Duelle sowie Einschätzungen von Trainern und Spielern. Eurosport berichtet wöchentlich über die aktuellen Qualifikationsspiele in Europa und Asien für die Fußball-WM 2014 in Brasilien.

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