Kaum war er geduscht und gestylt, suchte er seine Nähe.
Während in der Leverkusener Kabine House-Musik und Hip-Hop aus mitgebrachten Boxen schallte, ging Xherdan Shaqiri eng an der Seite von Franck Ribéry, also quasi in seinem Schatten, aus dem Stadion.
Es war eine Szene mit Symbolcharakter, denn der verletzte Franzose hatte nicht nur dem kleinen Schweizer gefehlt, sondern – das war am Sonntagabend offensichtlich – dem ganzen Team des FC Bayern.
Trotz einer top besetzten Bank, trotz großen Selbstvertrauens (23:6 Torversuche), trotz drückender Überlegenheit (68 Prozent Ballbesitz) war es den Münchnern im Heimspiel gegen die Werkself nicht gelungen zu punkten.
Weder ein Toni Kroos noch ein Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger oder eben Shaqiri setzten den entscheidenden Nadelstich, als es darauf ankam, so dass die Gäste am Ende mit einem – wenn auch glücklichen – 2:1 im Gepäck in den Flieger stiegen.
Kritik von Coach Heynckes
Zu umständlich, zu lässig – die Acht-Spiele-Siegesserie ist gerissen, der Vorsprung des Rekordmeisters an der Tabellenspitze vor Verfolger Schalke auf vier Zähler geschmolzen.
“Wenn man gegen eine Leverkusener Mannschaft spielt, die exzellent kontern kann, muss man 90 Minuten Tempo gehen. Das haben wir nicht gemacht. Wir haben es auch nicht verstanden, aus der Überlegenheit Tore zu erzielen”, bilanzierte Bayern-Trainer Jupp Heynckes.
Im Schneegestöber der Arena fehlten tatsächlich die herzerwärmenden Momente bei den Gastgebern, der Funke, der zum lodernden Feuer wird und schließlich zur Explosion der geballten Offensivkraft hätte führen können. Das Tor von Mario Mandzukic zum zwischenzeitlichen Ausgleich (77.) war nur ein Strohfeuer. Ribéry – zuletzt in Bestform – musste auf der Ehrentribüne tatenlos zusehen.

“Wir haben das ja nicht absichtlich verschenkt, Motivation und Einstellung waren da. Nur hat es leider nicht gereicht”, konstatierte Keeper Manuel Neuer. Bei den Treffern von Stefan Kießling (42.) und Jerome Boateng (Eigentor, 87.) war er machtlos.
Boateng ist untröstlich
Unglücksrabe Boateng, den Sidney Sam angeköpft hatte, war untröstlich: “Ich bekomme den Ball genau an den Kopf. Das war einfach Pech und es tut mir leid für die Mannschaft, dass so ein blödes Tor gefallen ist”, sagte er, legte jedoch den Finger in die Wunde: “In der ersten Halbzeit waren wir zu nachlässig und haben den Abschluss nicht gesucht.”
Hoffnungen ruhten auch auf Arjen Robben. Nach seiner Verletzung braucht der Niederländer aber noch Zeit, um in Form zu kommen. Seine Einwechslung sorgte jedenfalls für Schwung, ebenso wie die von David Alaba, der erstmals in dieser Saison von Beginn an ran durfte.
Doch auch wenn der FCB künftig wieder mit ihnen planen kann, der Atem der übrigen Teams hinter ihm wird heißer. “Wir müssen nun auf die anderen Mannschaften schauen, Schalke ist ein ernstzunehmender Konkurrent im Kampf um die Meisterschaft”, glaubt Neuer. Und Vorstandsboss Rummenigge warnte ebenfalls: “Für Schalke und Dortmund war es ein Sieg, der sie gefreut haben muss. Nun wird die Mannschaft Druck bekommen.”
Bei ihm wurden böse Erinnerungen an den November 2011 wach, in dem es nach vergleichbar gutem Start rapide bergab ging. Noch sind die Bosse gelassen, “aber wir müssen sehen, dass wir es in diesem Jahr besser machen”, forderte Rummenigge.
Völler in Hochstimmung
Optimal fühlten sich dagegen die Leverkusener, die nun schon seit neun Pflichtspielen ungeschlagen sind. Sportdirektor Rudi Völler war nach dem ersten Sieg in München seit 23 Jahren in Hochstimmung: “Wir haben gegen eine Mannschaft gewonnen, die zu den besten in Europa gehört. Alle haben toll gekämpft, die Bundesliga ist spannender geworden und wir freuen uns, dass wir dran sind.”
Er genoss die Aufmerksamkeit der Reporter. Ribéry und Shaqiri waren zu diesem Zeitpunkt schon längst weg.
TV-Tipp:
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