Trainer Jupp Heynckes hat sicher schon weitaus aufregendere Spiele erlebt, deshalb konnte er rasch das passende Fazit zum Sieg seiner Bayern liefern. “Man kann nicht immer sechs Tore erzielen und super spielen”, sagte er und lächelte fast ein bisschen verlegen. “Heute haben wir gezeigt, dass wir auch in einer schwierigen Situation richtig reagieren können. Das hat die Mannschaft bravourös gemacht.”
Die drei Punkte durch das 2:0 (1:0) im Spitzenduell mit dem Tabellendritten Eintracht Frankfurt waren die beste Nachricht für die Bayern an diesem Tag, verbunden mit der Botschaft, dass das Team selbst drei Tage nach einem furiosen Spiel in der Champions League den Ligaalltag immer noch souverän bewältigen kann. Dass der Rekordmeister irgendwie abgefangen wird in dieser Spielzeit, ist inzwischen weitaus unwahrscheinlicher als eine Europacupteilnahme des Gegners vom Samstag.
Zu dominant beherrschen die Münchener die Konkurrenz, gegen den Tabellendritten mussten sie dafür drei Tage nach der Champions-League-Gala gegen Lille (6:1) nicht einmal ans Limit gehen. Zwar benötigten sie einige Zeit, um in Tritt zu kommen, dann aber lief die Maschinerie wie geschmiert. Franck Ribery (44.) sorgte vor der Pause für die Führung, die David Alaba nach dem Wechsel per Foulelfmeter veredelte (77.). “Die Eintracht hat ein starkes Spiel gemacht, vor allem in der ersten Hälfte, sie hatte auch gute Torchancen”, sagte Heynckes. “Nachher mussten wir unsere ganze Cleverness ausspielen.”
Ribery ergänzte: “So viele Spiele alle drei, vier Tage sind schwer. Manchmal ist dann auch so ein 2:0 recht gut.” Das gilt besonders, wenn der Gegner so couragiert auftritt wie die überraschend stark gestarteten Frankfurter. Die Gäste spielten unbeeindruckt vom mächtigen Konkurrenten von Beginn an ihren gewohnt schnellen Stil und bereiteten den Bayern damit einige Probleme. Allerdings waren sie vor dem Tor zu unkonzentriert, sonst hätten sie leicht in Führung gehen können. Doch zunächst vergab der völlig frei stehende Stefan Aigner per Kopf kläglich, als er den Ball über das Tor von Nationalkeeper Manuel Neuer setzte (18.). Dann verzog auch Senkrechtstarter Sebastian Rode (22.) ebenso wie Alexander Meier (35.).
Und so stellte sich ein, was seit jeher in der Branche nur zu bekannt ist: Wer seine Chancen nicht nutzt, wird hinten bestraft. Als Sanktionsmeister trat Franck Ribery in Erscheinung. Wunderbar frei gespielt vom diesmal recht emsigen Rekordeinkauf Javier Martinez gelang dem Franzosen mühelos das 1:0 (44.). Kurz darauf hätte Ribery sogar erhöhen können, er scheiterte aber mit einem Kopfball am stark reagierenden Keeper Kevin Trapp. So ging es mit einer knappen Führung in die Pause. Zuvor war noch Jerome Boateng ausgewechselt worden, der mit einem Muskelfaserriss auch für das Länderspiel Mittwoch gegen die Niederlande ausfällt.
Während der Halbzeit fand Eintracht-Trainer Armin Veh offenbar die richtigen Worte, jedenfalls kam seine Mannschaft willensstark aus der Kabine. Und wer weiß, wie dieser Nachmittag verlaufen wäre, wenn nicht Verteidiger Anderson direkt nach Wiederanpfiff mit einem Kopfball nur die Latte des Bayern-Tores getroffen hätte. So rannte Frankfurt bemüht an, kam aber zu keinem zählbaren Erfolg. Und als auf der Gegenseite Bastian Schweinsteiger bei einem Konter von Vadim Demidov berührt wurde, gab es Elfmeter für die Bayern. Eine durchaus diskussionswürdige Entscheidung und, im weiteren Fortgang, ein überraschender Schütze. Nicht Ribery oder Robben schnappten sich den Ball, sondern der starke Alaba. Wie immer schoss der Österreicher in seine bevorzugte rechte Ecke, Trapp aber erreichte den scharf getretenen Ball nicht mehr – die Entscheidung an diesem Nachmittag (77.).
So blieb den Frankfurter hinterher nur der Stolz darüber, es den Bayern daheim so schwer gemacht zu haben wie nur wenige andere Mannschaften in dieser Saison. “Wir haben ein gutes Spiel abgeliefert, insbesondere in der ersten Hälfte”, sagte Mittelfeldrenner Stefan Aigner. Trotzdem hätte man bei dem starken Auftritt durchaus ein Tor erzielen müssen, das sei das Manko an diesem Nachmittag gewesen, so der Frankfurter. Und der famose Torhüter Kevin Trapp konnte sogar unmittelbar nach Spielschluss ob der guten Leistung der Seinen schon wieder lächeln. “Wir haben den Bayern das Leben ganz schwer gemacht”, sagte der Keeper. “Heute wäre aber mehr drin gewesen, wenn wir einige unserer guten Chancen genutzt hätten.” Womit auch er ein passendes Fazit lieferte.
Keine Entsprechung fand die Harmonie bei der Spieleinschätzung im Verhalten der jeweiligen Fans – nach einer Schlägerei auf einem Parkplatz nahm die Polizei drei Personen fest, auch rüttelten während des Spiels rund 250 Eintracht-Fans von außen so wüst an den Toren der Arena, dass dabei ein Notfalltor aufging. Unter den mitgereisten Anhängern gab es zudem Missstimmung wegen zweier eigens eingerichteter Zelte für mögliche Ganzkörperkontrollen.
Derweil ist auch für Bayern-Präsident Uli Hoeneß momentan nicht alles eitel Sonnenschein – er sieht sich rabiater Kritik ausgesetzt, von Ex-Bayern-Trainer Louis van Gaal wie jetzt auch vom ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, der Hoeneß in seiner Biografie sowie im Interview mit der “Welt am Sonntag” (siehe Seite 25) angreift. Hoeneß reagierte nach der Partie angefressen: “Ich möchte dazu nur zwei Dinge sagen: Ich wusste schon länger, dass Theo Zwanziger kein guter Präsident ist. Dieses Buch wird ihn nach seinem mehr als peinlichen Rücktritt endgültig in die Isolation treiben.”
So laufen die drei Sonntagsspiele der Fußball-Bundesliga:
welt.de/live