Bayern: Pep Guardiola Tunnelblick beim ersten Training in München

In der Mixed-Zone der Münchner Fußball-Arena liegen jetzt Schaufensterpuppen herum, übereinander, sie tragen rote Trikots. Ein Jubelbild, das stark an jenes nach dem Tor zum 2:1 im Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund erinnert. Für die echten Bayern-Spieler, die nach dem ersten Training unter Pep Guardiola an den Puppen vorbeigingen, muss es wie ein Mahnmal wirken: Die Erfolge sind Geschichte. Jetzt ist erst einmal wieder harte Arbeit angesagt.

“Es wird anstrengend, aber es wird auch viel Spaß machen”, sagt Bayerns Torwart Manuel Neuer über die Vorbereitungszeit. Das erste Training war eher Letzteres, und ein Nachhall des Triple-Sieges: Aufgrund des zu erwartenden großen Zuschauer-Interesses wurden die ersten beiden Übungseinheiten von der Säbener Straße in die Arena verlegt. Die Einnahmen dienen einem guten Zweck, sie gehen zu 100 Prozent an die Opfer des Hochwassers.

Zur ersten Übungseinheit am Mittwoch kamen rund 10.000 Zuschauer. Man weiß nicht so recht, ob diese Zahl als unglaublich hoch oder ein wenig enttäuschend einzustufen ist. Einerseits war es das öffentliche Training eines Fußballvereins, angereichert mit Bier und Bratwurst wie auf einem Volksfest. Mehrere Fernsehteams berichteten live, jeder Schritt des neuen Trainers wurde auf den Zentimeter genau beobachtet, mehr als bei jedem anderen Trainer zuvor. Alles, was mit dem FC Bayern zu tun hat, bekommt jetzt noch mehr Aufmerksamkeit. Die pure Anwesenheit Guardiolas macht den Verein noch internationaler, noch pompöser. Andererseits hätte es gerade deshalb niemanden gewundert, wenn 25.000 Zuschauer gekommen wären. So viele Karten hätte es gegeben. Eine Veranstaltung des FC Bayern also, die nicht ausverkauft war.



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Guardiola spricht jeden Fehler sofort an

Das Training selbst war nicht mehr als ein leichtes Anschwitzen, jedoch mit einer technisch anspruchsvollen Tiki-Taka-Kleinfeldübung in der Schlussphase. Doch Pep Guardiola ging dieses 80-minütige Schaulaufen bereits mit großer Akribie und Liebe zum Detail an, als ob er keine Zeit verschwenden wolle. Zunächst schlenderte er noch mit den Händen in den Hosentaschen umher und sah zu, wie sich seine neuen Spieler im Fünf-gegen-zwei anstellten. Dann aber ging er immer wieder dazwischen, deutete mit ausgestreckten Armen Laufwege an.

Von der Tribüne wirkte seine Gestik fast schon ungeduldig. Später verteilte Guardiola höchstpersönlich die Bälle, wobei die Akteure nicht wussten, wer als Nächstes angespielt wird. Er ging mit vielen Spielern ins Zwiegespräch, besonders lange mit Franck Ribéry. Erst nach dem Training, als die Mannschaft schon beim Duschen war, trat Guardiola noch einmal aus den Katakomben heraus und schrieb Autogramme. Er hatte die Pflicht ganz klar von der Kür getrennt.

Die Botschaft ist deutlich: Jeder noch so kleine Fehler wird sofort angesprochen, und dabei ist es ihm völlig gleich, ob die Fußball-Welt dabei gerade zusieht oder nicht. Er tat das nicht für, sondern trotz der Zuschauer, denn die Botschaft ist an die Spieler gerichtet. “Pep hat sein Bestes gegeben, er ist sehr ehrgeizig”, befand Neuer. Sein Deutsch sei auch schon einen Tick besser als jenes von Ribéry. “Er ist sehr gut verständlich”, sagte auch Jan Kirchhoff, Zugang FSV Mainz 05. Allein schon über die Sprache zeige der Trainer “seinen Ehrgeiz, und überzeugt uns damit, dass er es ernst meint”, so der 22-Jährige.

Der Neue wirkte in all dem Trubel sehr gelassen. “Man bekommt das ja nur vorher und nachher mit, dass so viele Zuschauer da sind”, sagte Guardiola.

Abgesehen von den vielen Kindern im Stadion wirkte das Publikum aber auch wenig euphorisch, vielmehr konzentriert – fast so, als ob es bei dem Kennenlernen unten auf dem Platz nicht stören wollte. In den kommenden Wochen wird es sehr viele öffentliche Auftritte des FC Bayern geben, Testspiele in großen wie in kleinen Stadien, das Interesse wird immer riesig sein. Beim ersten Training hat Pep Guardiola zumindest schon einmal gezeigt, dass er einen Tunnelblick für seine Spieler hat. Es wird für ihn wichtig sein, diesen beizubehalten.

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