Rex von der Litzauer Schleife lässt sich aber nicht beirren. Er schnüffelt so, wie es der Punkterichter am liebsten sieht. Die Nase weit nach unten, knapp über dem Boden und im gleichmäßigen langsamen Tempo absolviert er die Strecke, “die mindestens 1600 Schritt lang sein muss”. Alfred Gräf, Vorsitzende des Straubinger Schäferhundevereins, und Susanne Oppelt, selbst erfahrene Fährtensuchhundeführerin, erklären zwischen den rund 30 Zuschauern, die sich unter Regenschirmen drängen, was einen guten Spürhund auszeichnet. Jeder Hund bekommt eine Fährte zugelost. Die wurden vom Fährtenleger, der später den Punkterichter begleitet, drei Stunden vor dem Start gelegt. Sechsmal muss ein Winkel, also eine Kurve darin sein und vier unterschiedliche Gegenstände, jeder nur halb so groß wie ein Handy, müssen gefunden und richtig angezeigt werden. Aus Leder, Holz und heute sogar aus Teppich und Filz, die sich im Regen vollgesaugt haben, bestehen die gesuchten geeichten Gegenstände. Die hat der Fährtenleger, “den der Hund nicht kennen darf”, vorher eng am Körper mitgetragen, damit sie seinen Geruch für eine verfolgbare Spur annehmen. Alles ist genau und nach internationalen Regeln vorgegeben.
Rex von der Litzauer Schleife, ein grauer Schäferhund von sechs Jahren und damit “ein jüngerer Teilnehmer”, findet alles und zeigt auch richtig an. Er legt sich nieder, seinen gesuchten Schatz genau zwischen den Vorderpfoten, nur einmal findet der Punkterichter, dass er nicht ganz sauber anzeigt, wieder ein Punkteverlust.
Souverän ist der Hund, nervös ist nur sein Herrchen
Souverän muss der Hund immer sein, aber für ihn ist es ja eigentlich ein Spiel. Für die Hundeführer sieht das etwas anders aus. Sie sind der nervösere Teil des Mensch-Tier-Teams. Und das kann sich auch auf den Hund übertragen. “Der wittert das, wenn sein Herrchen angespannt ist.” Die bayerischen Schäferhundevereine sind so zahlreich und das Bundesland so groß, das die Vorentscheidungen in zwei Gruppen ausgetragen werden. Bei der Ortsgruppe Straubing, die zum zweiten Mal die Meisterschaft ausrichtet, treffen sich also sechs Hunde aus Nordbayern und sechs aus dem Süden des Freistaates.
Die Meisterschaft darf anspruchsvoll sein, nicht nur wegen der zwei unterschiedlichen Bodenarten, über die die Fährte laufen muss. Eine Fremdspur, die von einem zweiten Fährtenleger gelegt wurde, der quer über die gesuchte gelaufen ist, “darf der Hund erkennen, aber ihr niemals folgen, sonst ist er disqualifiziert”. Noch eine Schwierigkeit ist eingebaut, die nicht zwingend vorgeschrieben ist: Jede Spur führt über einen Feldweg. Über den sind die vergangenen Tage Wanderer, Spaziergänger und Jogger gelaufen, da ist es nicht immer einfach “in der Spur zu bleiben”.
Der Hundeführer darf seinen Vierbeiner bei der Suchaktion keine Kommandos geben oder Leckerlis zum Ansporn mit dabei haben, “das wäre so eine Art Doping”. Nur der Befehl “Such” am Start und ein kurzes “gut gemacht”, beim Anzeigen von einem der vier Gegenstände sind erlaubt. Auch muss der Hundebesitzer am Ende der zehn Meter Leine gehen, oder, wenn er auf eine verzichtet, diesen Abstand zum Tier einhalten.
Ausbildung und Erfahrung bringen ein “Vorzüglich”
Bevor man so ein klasse Fährtenhund wird, stehen andere Prüfungen für einen Schäferhund an. Gehorsamkeit ist dabei immer wichtig und erst über Jahre, nachdem man mit kurzen Spuren ohne viele Kurven und Winkel angefangen hat, ist man fit für eine Meisterschaft. Junge Hunde sind dabei oft nicht so konzentriert oder erfahren wie ältere, “unter sechs Jahren findet man so gut wie keinen Hund auf einer Meisterschaft”. Um nicht auszuscheiden, muss das Suchteam mindestens ein “Befriedigend” erreichen. Dafür sind mindestens 70 von 100 möglichen Punkten zu erreichen. Für 80 gibt es ein “Gut”, für 90 Punkte ein “Sehr gut”, ab 96 ein “Vorzüglich”. Alexander Krebs von der Ortsgruppe Kempten darf sich nach rund zehnminütiger Suche freuen und seinen Rex von der Litzauer Schleife kräftig loben: 96 Punkte! Vorzüglich!
Info
Die Bayerische Fährtenhundemeisterschaft, die dieses Jahr von der Ortsgruppe Straubing ausgetragen wurde, gewann Waldemar Hätscher mit Addi von der Neideckergrotte (99 Punkte). Zweitplatziert ist Katja Wirth mit Yara vom Gleisenauer Schloß (98 Punkte) und Rang drei erreichte Gerhard Mayr mit Frodo von der Alten Donau (97 Punkte). Die Mannschaftswertung gewannen die Teilnehmer aus Bayern Nord.