Auch das Museum beruhigt die Kritiker nicht

Der Donaumarkt – und kein Ende der Dissonanzen. Mehrere Anläufe der Stadt Regensburg, auf dem als Parkplatz genutzten Areal im Stadtzentrum am Donauufer eine Stadthalle oder eine sinnvolle Bebauung zu errichten, sind per Bürgerentscheid gescheitert. Das Museum der Bayerischen Geschichte sollte nun die optimale Lösung sein. Doch der Streit beginnt von vorne, es hagelt Kritik, die Widerstände häufen sich.

Im Rennen um das neue Haus der Bayerischen Geschichte, das 2018 zum 100. Geburtstag des Freistaats Bayern eingeweiht werden soll, hatte sich die Welterbestadt Regensburg 2012 gegen nahezu 30 Konkurrenten aus Bayern durchgesetzt – ziemlich überlegen sogar. Der Jubel bei OB, Stadtverwaltung und Bürgerschaft war erst einmal groß.

Das schien auch die große Chance zu sein, das hässlich anmutende und für profane Parkzwecke genutzte Donaumarktareal sinnvoll zu bebauen und architektonisch in das Gebäudeensemble der historischen Stadt Regensburg zu integrieren.

Vor kurzem wurde der Architektenentwurf vorgestellt – und nach dem Jubel von 2012 ist nunmehr der Frust in der Bürgerschaft groß. Viele Regensburger befürchten die Verschandelung des historischen Stadtbildes mit Dom und Steinerner Brücke durch den postmodernen Entwurf eines Frankfurter Architekturbüros, das sich gegen mehr als 250 Architektenteams aus aller Welt durchgesetzt hatte.

Kritische Kommentare auf allen Kanälen

In Leserbriefen an die Lokalzeitung sowie in Internet- und Facebookkommentaren wird kaum ein gutes Haar an dem Museumsentwurf gelassen. Fachleute aus Kunst und Architektur äußern sich zwar zurückhaltender, aber richtig glücklich ist kaum jemand über die Wahl der Jury. Insbesondere auch Richard Loibl, der Chef des Hauses der Bayerischen Geschichte und Projektleiter des Museumsbaues, kann der Planung wenig abgewinnen. In einer ersten Reaktion hatte er den Entwurf sogar als einen “teuren Wetterschutz für unsere Ausstellung” verrissen, wie die Lokalpresse berichtet.

Nun können sich alle Kritiker selber überzeugen, ob es einen besseren Museumsentwurf gegeben hätte. Vom 8. bis 24. Mai werden alle 254 eingereichten Beiträge ausgestellt.

Wenn das Museum der Bayerischen Geschichte zum 100. Geburtstag des Freistaats Bayern 2018 seine Pforten öffnet, wird ein Plan Wirklichkeit, den bereits Bayerns Ministerpräsident Wilhelm Högner 1961 formulierte, an dem aber selbst politische Schwergewichte wie Ministerpräsident Franz Josef Strauß scheiterten. Erst als Ministerpräsident Seehofer das Projekt 2008 zur Chefsache erklärte, nahm die Vorplanung des Museums Form an.

Plenarsaal des Landtags ist wieder da

Bei der Zusammenstellung des Inventars ging und geht Projektleiter Richard Loibl, der seit Jahren auch die Bayerischen Landesausstellungen an wechselnden Standorten konzipiert, ungewöhnliche Wege: Via Internet, Fernsehen und Presse hat Loibl die Bürger aufgefordert zur Bestückung beizutragen. “Wir suchen Geschichten aus den Familien, den Gemeinden und den Lebenswelten, die über Erinnerungsstücke transportiert werden – von der Pickelhaube mit Durchschuss, die die Familie als Erinnerung an den im Ersten Weltkrieg schwer verwundeten Großvaters aufbewahrte, bis zur Chianti-Flasche als Mitbringsel aus dem ersten per Fahrrad angetretenen Italienurlaub aus den 1950er-Jahren”, sagt Richard Loibl.

So manches bedeutende Stück Geschichte hat die Suche bereits zutage gebracht: zum Beispiel das Inventar des ersten bayerischen Landtags, das 2004 entsorgt wurde. Bis vor kurzem galt die alte Einrichtung des Parlaments, in dem, so Richard Loibl, “ab 1946 die bayerische Demokratie geschmiedet wurde”, als verschollen oder vielleicht sogar zu Brennholz verarbeitet. Im Rahmen der Suche für das neue Museum ist wieder aufgetaucht: in der Scheune eines oberbayerischen Landwirts. Restauriert soll der Plenarsaal eine der Perlen des neuen Museums der Bayerischen Geschichte werden.

Vom 8. bis 24. Mai werden sämtliche Wettbewerbsbeiträge für das Museum der Bayerischen Geschichte im ehemaligen Möbelhaus Wagner in der Benzstraße 1 in Regensburg ausgestellt.

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