Das robuste wirtschaftliche Umfeld in Deutschland spielt den Unternehmen in die Hände. „Das hält natürlich mögliche negative Wirkungen, die der Mindestlohn haben könnte, erst einmal klein“, sagt Tarifexperte Thorsten Schulten vom WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.
Die Taxibranche etwa gibt vorerst Entwarnung. „Die dramatischen Kundenrückgänge, die wir befürchtet haben, scheinen sich nicht einzustellen“, sagt der Präsident des Branchenverbandes BZP, Michael Müller. Taxibetriebe haben die Preise erhöht, doch das wird nicht reichen. „Gerade in ländlichen Bereichen gibt es nachts oft nur drei, vier, fünf Fahrgäste. Da ist es kaum möglich, mit diesen wenigen Fahrten 150 oder 200 Euro einzufahren, um den Fahrer für sechs Stunden bezahlen zu können“, sagt Müller. „Man wird in Zukunft nicht ausschließen können, dass Fahrgäste nicht mehr an jeder Ecke zu jeder Zeit sofort ein Taxi kriegen.“
Kritisch äußert sich die Gastronomie. Der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Baden-Württemberg, Fritz Engelhardt, sieht viele Betriebe „mittelfristig in ihrer Existenz bedroht“. Die Branche beschäftigt im Land zusätzlich zu den 117000 Angestellten etwa 100000 Minijobber.
Weniger Minijobber
Die Bundesagentur für Arbeit hat noch keine Anzeichen, dass Firmen wegen des Mindestlohns Stellen streichen. Allerdings meldete die Minijobzentrale, die Zahl der Minijobs sei im Januar stark zurückgegangen. Das Problem sei, dass Minijobber nicht mehr so flexibel eingesetzt werden könnten, sagt Amin Werner, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Bäckerhandwerks.