Er kann nicht kochen und liest keine Bcher, er kann ber sich selbst lachen und liebt den Fuball, nicht aber Jrgen Klinsmann: Beim Gesprch in Waldenburg plaudert Torwartlegende Sepp Maier ber sich.

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Torwartlegende im Sakko, Fan im Bayern-Trikot: Sepp Maier (links) und Helmut Rup treffen sich in der Waldenburger Mehrzweckhalle. Der hringer Rup (54) ist Vorsitzender des 2002 gegrndeten “FC Bayern-Fanclubs Neiastoa”.
. “Nein, ich gehe nicht ins Tor”, sagt Sepp Maier. Der Torwart des TSV Haar hat sich die Hand gebrochen, der junge Sepp soll ihn ersetzen. Aber er will nicht zwischen die Pfosten, auf dem Hof seiner Schule hie es immer: Nur die Dicken und Faulen gehen ins Tor. Zu ihnen zhlt sich Sepp nicht, er ist Feldspieler und Torschtzenknig, davor war er, der gelenkige Bursche, mehrmals oberbayerischer Meister im Turnen.
Nun sind es noch wenige Tage bis zum Haarer Spiel gegen ein Jugendteam des FC Bayern. Sepp Maier lsst sich breitschlagen und stellt sich doch ins Tor. Das Spiel beginnt am Sonntag um 10.30 Uhr. Als es zu Ende ist, hat der junge Aushilfstorwart zehn Gegentore gefangen. 0:10, ein Desaster. “Das war meine erste Erfahrung als Torhter”, erinnert sich Sepp Maier am Donnerstagabend in Waldenburg.
Dort sitzt der Bayer, der trotz des 0:10-Desasters eine glnzende Karriere als Fuballtorhter machte, der Welt- und Europameister wurde, der jeweils viermal die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal gewann und mehrmaliger Europapokalsieger ist. In der Mehrzweckhalle also sitzt die Sportlegende und spricht mit den Journalisten Ralf Reichert und Yvonne Tscherwitschke ber sich, sein Leben, den Fuball. Maier ist unter anderem von den Volkshochschulen Knzelsau, Hall und hringen eingeladen worden, um den Triathlon des Knzelsauer Unternehmens Ziehl-Abegg zu bewerben. Die Besucher – etwa 400 sind da – sollen Lust auf Sport bekommen, mglichst viele sollen sich fr den Wettbewerb anmelden. Da trifft es sich gut, dass auch der zweite Interviewte des Abends, der Ziehl-Abegg-Chef und frhere Rock’n’Roll-Weltklassetnzer Peter Fenkl, den Sport als Schule des Lebens rhmt. Wer sich aufrafft, erreicht Ziele, wer nach Enttuschungen und Rckschlgen den Kopf in den Sand steckt, wird es im Leben zu nichts oder wenig bringen – das ist die zentrale Aussage hinter den Ausfhrungen des Sportlers und des Unternehmers.
Die beiden hatten schon die Stunden vor dem Gesprch in Waldenburg zusammen verbracht. Maier sah sich das Ziehl-Abegg-Werk an. Er verstehe etwas vom Fach, schlielich habe er als junger Mann dreieinhalb Jahre lang als Maschinenschlosser gearbeitet. Heute aber wre der Job “nichts mehr fr mich”. Drehen, frsen, “das machten wir frher alles hndisch”. Seine Enttuschung darber, dass das heute alles der Computer bernehme, verbirgt Maier nicht. Der 71-Jhrige sagt seine Meinung, er spttelt fter mit feiner Ironie ber die fragenden Journalisten, aber immer ist ein Augenzwinkern dabei. Als die Rede auf Jrgen Klinsmann kommt, der ihn vor der WM 2006 nicht mehr als Torwarttrainer der Nationalmannschaft haben wollte, ist der Spa aber vorbei. Viel will Maier nicht ber ihn sagen. Aber ihm rutscht doch heraus, dass Klinsmann, der damalige Bundestrainer, “nur zum Grinsen und Interviews geben” da gewesen sei und alle wichtigen Dinge Co-Trainer Joachim Lw habe machen lassen.
Maier, der etwa 700 Mal fr Bayern Mnchen im Tor stand und 95 Lnderspiele absolvierte, erzhlt weiter aus seinem Fuballerleben: Die hrtesten Spiele waren “immer gegen Kaiserslautern”, und auch das WM-Qualifikations-Rckspiel 1970 gegen Schottland sei eine schwere Prfung gewesen: Deutschland stand kurz vor dem Aus, bis Gerd Mller kurz vor Spielende das 3:2 schoss und das Helmut-Schn-Team bei der WM Dritter wurde.
Maier bekommt nach knapp einer Stunde Interview ein Weibier gereicht, woraufhin der ohnehin unterhaltsame Gast noch lebendiger, lustiger, frecher wird. Mit allzu pathetischen und tiefgrndigen Fragen kann der Bayer aber nichts anfangen. Welche Frage er Peter Frenkl gern einmal stellen wrde, fragt Reichert. Sepp Maier berlegt, murmelt “schwierig” und sagt dann: “Was machen Sie denn morgen?”